Kürzlich haben wir Euch das Solodebüt des nimmermüden Gitarrristen T.G. Copperfield vorgestellt. Überraschenderweise stellt er jetzt mit „The Worried Man“ bereits sein zweites Album zur Disposition. Dabei handelt sich sogar um ein Konzeptalbum. Aber halt, nicht gleich wegrennen! Denn diese Rock’n’Roll-Oper, die in einer dystopischen Zukunft spielt, wirkt gar nicht wie eine solches und ist komplett frei von prätentiösem Kitsch. Die Songs klingen eher nach kleinen Storys über einen vom Schicksal gebeutelten Individualisten.

Die Zeichen stehen voll und ganz auf geradlinigem Rock, der amerikanischen Prägung. Trotz der etwas düsteren Anklänge sind die Songs meist recht ausgelassen und locker. Das Album ist stilistisch auch stringenter, eindeutig „rockiger“ als das erste, auch wenn man sich immer wieder Ausflüge ins Bluesige oder ins Americana-Lager gönnt. Liegt vielleicht auch daran, dass dem besorgten Mann kein Projektcharakter innewohnt, sondern dass das Ganze mit Copperfields gut eingespielter Liveband ausgetüftelt und eingespielt wurde. Um Abwechslungsreichtum bemüht man sich trotzdem.

Straighten Rock gibt’s mit „Evil Eye“, dem hart klopfenden „Go To Hell“ sowie mit dem schleifenden, mit Bläsern und weiblichen Backings angereichertem „Black Voodoo Spell“ und „Worn Out Shoes“. „Something Wrong” gefällt mit seinem stampfenden (Pop-)Refrain. Ruhiger wird’s mit dem perlenden „Who Will Stop The Rain“, das lockere „Shame Shame Shame“ gefällt mit leichter Rockabilly-/Country-Note, während „Black Horse“ als westernmäßige Instrumentalnummer überrascht. Den Blues hat man natürlich öfter. Allem voran mit dem Titeltrack, den Herr Copperfield als Essenz seiner letzten beiden Jahre als Songwriter sieht. Aber auch das basische, etwas an Stevie Ray Vaughan erinnernde „Down In The Mud“ und das dezent funky „Who’s That“ hauen in diese Kerbe.

Der Sound der Platte ist herrlich organisch und komplett ohne neuzeitlichem Plastikgeruch. So sollte das auch im Idealfall sine! Ein kleines bisschen (subjektive) Kritik möchte ich aber auch anbringen: Manchmal wünscht man sich vielleicht, dass es die Band noch etwas mehr laufen lassen würde und sie ihre Songs noch etwas verspielter, ausgelassener präsentieren würde. Aber das passiert sicher auf der Bühne. Für Adrenalin und Schweiß – egal ob mit seiner neuen Electric Band oder seiner anderen Truppe 3 Dayz Whizkey – sind Konzerte von Herrn Copperfield schließlich bekannt.

Insgesamt: gutes Album mit ehrlichem Rock’n’Roll-Geist!

Trackliste:
1. Evil Eye
2. Something Wrong
3. Down In The Mud
4. Love Somebody
5. Who Will Stop The Rain
6. Black Cat Voodoo Spell
7. Go To Hell
8. Shame Shame Shame
9. Who’s That
10. Worn Out Shoes
11. Black Horse
12. The Woried Man

T.G. Copperfield - The Worried Man (Timezone Records, 15.12.2017)
3.9Gesamtwertung