Stillstand war noch nie das Ding von Subway To Sally. Die Band um Sänger Eric Fish hat sich stetig weiter entwickelt. Oft blieben alte Fans auf der Strecke, was an daran gelegen haben mag, dass sich die Band moderneren Sounds geöffnet hat. Die mittelalterlichen Wurzeln sind allerdings immer geblieben. Mal mehr, mal weniger sichtbar, aber immer hörbar.

Akustische Konzerte haben für Subway To Sally schon immer eine große Rolle gespielt. Mit den Touren und Livealben „Nackt I“ und „Nackt II“ hat die Band das akustische Feld schon ausgiebig beackert. Mit „Neon“ geht die Reise ohne E-Gitarren nun weiter. „Neon“ ist allerdings keine Fortsetzung von „Nackt“ eine dritte Tour inklusive CD-Veröffentlichung wäre der Band wohl zu einfach gewesen.

„Neon“ fügt der akustischen Seite von Subway To Sally eine weitere Nuance hinzu. Für „Neon“ ist der Musiker Cop Dickie zur Band gestoßen. Cop Dickie kommt aus der Dub-Step-Szene und fügt den akustischen Liedern elektronische Töne hinzu. Können elektronische Klänge wirklich neben Geige, Drehleier, Trumscheit, Dudelsack, Flöte, und Geyerleier, Cister, Laute, Akustikgitarren, Bass und Schlagwerk wirklich bestehen?

Ja, können sie. „Neon“ klingt toll und ziemlich anders als die bisherigen akustischen Veröffentlichungen der Band. Im direkten Vergleich würde ich „Neon“ der nackten Phase sogar vorziehen! Warum ist das so?

Songs wie „Wenn Engel Hassen“, das ruhige „Eisblumen“, entwickeln Gänsehautmomente, wenn das Publikum mitsingt, und das hier sehr hart klingende „Mitgift“ kommt hier sehr toll rüber. Die elektronische Unterstützung passt wie der sprichwörtliche Arsch auf den Eimer. Man muss aber auch erwähnen, dass ein paar Songs ein wenig seltsam klingen. Einer davon ist „Sieben“. Hier fehlt mir einfach der Druck der Gitarrenriffs. Die harschen Elektrotöne können das nicht auffangen. „Minne“ klingt irgendwie sehr klinisch.

Dass diese beiden Songs nicht so gut in den neuen Arrangements funktionieren, soll aber nicht darüber hinweg täuschen, dass „Neon“ ein mutiges Konzept ist und die meisten Songs der Doppel-Live-CD mehr als zu begeistern wissen.

Wer mal reinhören möchte, neben den oben genannten Titeln empfehle ich gerne noch „Falscher Heiland“, „Kleid aus Rosen“ und „Grausame Schwester“.

Antesten!

CD 1:
01. Wenn Engel Hassen
02. Die Rose Im Wasser
03. Verloren
04. Böses Erwachen
05. Mitgift
06. Schwarze Seide
07. Ins Dunkel
08. Eisblumen
09. Henkersbraut
10. Traum Vom Tod II
11. Krähenfrass
12. Maria

CD 2:
13. Kleid Aus Rosen
14. Unsterblich
15. Falscher Heiland
16. Das Rätsel II
17. Tanz Auf Dem Vulkan
18. Veitstanz
19. Sieben
20. Grausame Schwester
21. Sag Dem Teufel
22. Ohne Liebe
23. Minne

http://www.subwaytosally.com/

Subway To Sally - Neon (Universal Music, 10.03.2017)
4.3Gesamtwertung