Tja, so kann man sich täuschen. Beim Release-Konzert von Brainstorm im Januar konnte mich der Allgäuer Vierer Stepfather Fred nicht so richtig überzeugen. Lag vielleicht auch daran, dass die Band eben in einem kleinen, schwitzigen Club gehört und nicht in eine überdimensionierte, sauber geleckte Halle. Da entfaltet der energiegeladene Sound sicher seine volle Wirkung.

Denn Stepfather Fred haben den Rock’n’Roll auf das Nötigste verdichtet und setzen auf den maximalen Einschlag. Fette Riffs, knackige Rhythmen, einfaches Songwriting und ein leidenschaftlicher, aufpeitschender Sänger mit einer whiskeygetränkten Stimme. Das rockt. Stilistisch bewegt man sich irgendwo zwischen alternativem Metal und groovigem Heavy Rock. File under: Abgehrock. In der Nachbarschaft nippen Down und The New Black an ihrem Bierchen. Von mir aus auch Black Stone Cherry in hart. Es klingt jedenfalls zeitgemäß. Und selbst wenn man einen kleinen Blick zurück wagt, dann eher in die 90er, als ins Classic-Rock-Lager.

Die Band agiert äußerst dicht und lässt kaum Luft in ihren Songs. Dafür reißen sie eben von Sekunde eins an maximal mit. Die Platte startet mit einem fetten Bass-Groove und spätestens wenn die hart riffende Gitarre und der kernige Gesang einsetzen, tropft der Schweiß aus den Boxen. Ja, das nimmt einen schon mit. Ein bisschen Dicke-Hose-Feeling ist auch dabei. Aber das muss wohl so sein. Die Band steht auch mehr auf kurze und prägnante Hooks, anstatt sich an großen Melodiebögen abzuarbeiten – was allerdings nicht negativ gemeint ist.

Zwischen knackigen Rockern wie dem Hit „Freedom Call“, „Libertine“, „Beat It“ (kein Michael-Jackson-Cover!) oder „Relief“ ist man froh, wenn mit „Imprudent“ auch mal eine ruhigere Ballade folgt. Das wird bei mancher Band gerne peinlich. Aber bei Stepfather Fred funktioniert es recht gut.

Überhaupt funktioniert das ganze Album recht gut. Zwar stellt sich mit der Zeit eine leichte Gleichförmigkeit ein. Aber „Dummies, Dolls & Masters“ hinterlässt einem am Ende mit einem guten Gefühl, das tatsächlich Bock auf eine Liveshow der Jungs macht.

Stepfather Fred - Dummies, Dolls & Masters

Trackliste:
1. Bitchbanger
2. Freedom Call
3. Libertine
4. Have A Good Time
5. Beat It
6. Worlds Collide
7. Lonely Toy
8. Imprudent
9. Relief
10. Shuffle Man
11. Isolation
12. Fellow Treveller

Stepfather Fred - Dummies, Dolls & Masters (El Puerto Records, 20.05.2016)
3.9Gesamtwertung