Retrosounds in allen Belangen sind so hip wie noch nie. Nicht nur im (Hard-)Rock-Bereich, sondern auch in Sachen Heavy Metal. Was in den 80ern peinlich war, ist wieder geil. Spandexhosen, Kutte, bunt statt schwarz – hell yeah! Dazu feiert die Klientel bei diversen Festivals ihre alten, untergegangenen Helden und sich selbst.

Stallion entstammen auch diesem Umfeld. Wo die Jungs sonst im Publikum standen, rocken sie schon länger selbst ab und die Szene bekommt leuchtende Augen. Als die damals noch als kleines Projekt gestartete Band kurz nach ihrer Gründung die Debüt-EP „Mounting the World“ (natürlich stilecht auf Vinyl!) raus haute, wurde ziemlich gejubelt. Selbiges mit dem Debütalbum „Rise And Ride“. Das Rezept damals: traditioneller Stahl mit jeder Menge jugendlicher Frische und mit den Kernkompetenzen knackiges Riffing der Accept-Schule, deftige Speed-Attacken á la Riot in ihrer Tony-Moore-Phase und viel rockiger Charme, der an die jungen W.A.S.P. (abzüglich dem Blut- und Elternschreck-Image) erinnert.

Das ist jetzt auch schon wieder drei Jahre her. Die Schonzeit somit vorbei. Welpenschutz ade, schau ‘mer, ob Album Nr. 2 was taugt. Die gute Nachricht: ja, das kann man sich als Traditionsmetal-Fan mit Dauerabo beim Keep-it-true oder dem Headbangers Open Air schon mal antun.

Die Band hat sich nämlich ein Stück verbessert. Stallion sind in Sachen Songwriting geschickter geworden und der hohe, aber durchaus auch etwas kratzige Gesang von Sänger Pauly klingt nicht mehr ganz so extrem. Mit etwas gutem Willen könnte man ihn als „markant“ bezeichnen. Die Mischung aus Speedmetal der alten Schule und Hardrock-Versatzstücken klingt hier recht ausgewogen und man findet durchaus einige lässige Songs zum Fistraisen auf der Platte.

Nach dem kräftigen, szenekritischen „Underground Society“ ist das folgende „Down And Out“ ein guter Kandidat hierfür. Rifflastiger Sound mit Accept-Schlagseite und ein dicker Gröl-Refrain. Passt. Ähnliche Exemplare gibt es noch ein paar weitere. Das speedige „Lord Of Trenches“ oder das aggressive, aber mit einem eingängigem (Harmonie-)Refrain gesegnete „From The Dead“. Lässig auch das rock’n’rollige „Blackbox“. Noch mehr in den 80er-Hardrock taucht man mit „Waiting For A Sign“ (inkl. Keyboard-Unterlage!) ein, während „Hold The Line“ tatsächlich wie die jungen, wilden Mötley Crüe klingt.

Junge Wilde, das wollen Stallion auch sein. Und diesen Charme konnte man sich ganz gut erhalten. Mittlerweile sind auch die Songs der Truppe noch besser geworden.

Trackliste:
1. Underground Society
2. Down And Out
3. Hold The Line
4. Waiting For A Sign
5. From The Dead
6. Kill Fascists
7. Lord Of The Trenches
8. Blackbox
9. Step Aside
10. Awaken The Night

Stallion - From The Dead (High Roller Records, 30.06.2017)
4.0Gesamtwertung