Sorry For Laughing – Sun Comes (Klanggallerie, 15.12.2023)

Es gibt so Bandprojekte mit skurriler, besser spannender, Geschichte. Sorry For Laughing wurde ursprünglich von Gordon H. Whitlow ins Leben gerufen und veröffentlichte sein Debüt und sein bisher einziges selbst betiteltes Album 1986, und dies auch nur auf einer selbst verlegten Kassette. Für die Widergeburt des Projektes schuf Gordon H. Whitlow eine kleine Supergroup der experimentellen Alternative Szene: Edward Ka-Spel und Patrick Q. Wright (Legendary Pink Dots, Tear Garden) sowie Martyn Bates (Eyeless in Gaza) sind nur die bekanntesten. Mit diesen zusammen wurde das Album „See It Alone“ komponiert und produziert, das eine Mischung aus experimentellem Wave, Jazzanklängen, ein wenig Neofolk und vielem mehr ist.

Mit diesen Worten eröffnete ich das im Juni 2021 erschienene „Comeback“ des Projektes Sorry For Laughing. Nun erschien Ende letzten Jahres das Folgealbum „Sun Comes“ in der selben Besetzung.

Und das Album folgt auch klar dem Faden der Neuentwicklung der Band. Zarte, sehr feingliedrig arrangierte Musik aus Elektronik und klassischen Instrumenten formt sich auf dunkler und melancholischer Art und Weise zu einem großen Ganzen zwischen Neofolk, Ambient und Postrock. Der Unterschied zum Vorgänger: diesmal gibt es wesentlich mehr Atmosphäre und ein groß angelegtes Konzept und dafür weniger Songs im klassischen Sinne.

Den größten Anteil daran hat das erste Stück, die „Sun Comes Suite“, unter der die ersten sechs Stücke laufen und somit satte 30 Minuten auf die Uhr bringen. Dort findet man neben den wundervollen Melodien und dem ebensolchen Gesang lange instrumentale Passagen, die aus Elektronik, Perkussion, Melotron, anderen Instrumenten und vor allem Patrick „Q Paganini“  Wrights Violine voller wabernder und ergreifender Atmosphäre, experimentellen Sounds und  wunderbar melancholisch mäandernden Flächensounds. Das Melotron schmeckt diesen ergreifenden Klang psychedelisch ab und die immer wieder ausbrechenden Violinen-Sounds setzen Nadelstiche und erhöhen den Spannungsbogen.

In dieses großartige Konstrukt werden noch viele andere Instrumente (Bläser) verwoben. Man kann diese Suite nur wenig mit Worten beschreiben, es ist eine ebenso großartige Komposition wie Klanginstallation und für mich als großer Fan von den Arbeiten Wrights mit den Legendary Pink Dots, Teargarden und Edward Ka-Spel ist das hier wirklich ein Highlight. Manche Passagen erinnern in Harmonie und Instrumentierung sehr stark und schön an Stücke der China Dolls-Alben Ka-Spels. Zum Ende hin gibt es dann noch eine Passage in der ein Harmonium die Klanglandschaft dominiert. Ich bin nur ein eingeschränkter Fan von Harmonium-Klängen, doch die Melodien und Atmosphären die hier damit erzeugt werden, sind einfach nur überwältigend schön.

(leider gibt es noch keine aktuellen Youtube-Links)

Auch das „zweite“ Stück „Heart Of The Matter“ arbeitet sich aus der Suite heraus mit sanfter Perkussion und ausufernden, aber nicht erdrückenden Keyboardlandschaften und natürlich Edward Ka-Spels sofort erkennbaren Sprechgesang. Zu dem sich Auftürmenden (die Violine mischt sich in die Elektronik) erzählt Edward in typischer Manier die Lyrics.  Mit „The Three Roses” und folgt noch eine kurze verschrobene melancholische Ballade, an das die ein ebenso versponnenes und experimentelles „Adam Lay Ybounden“ anschließt, bei dem die versponnenen Melodieelemente mit kontemporären Klängen verwoben und durch die Gesänge zusammengehalten werden. Das Stück schwankt zwischen zarter Melancholie und bedrohlicher Paranoia, ohne im instrumentalen Lärm zu versinken. Trotzdem sicherlich das experimentellste und schwierigste Stück des Albums.

Den Abschluss bildet das zwölf Minuten lange „So, You Rest Easy“. Hier fließen nochmals alle Elemente zusammen. Es wird ein kongenialer Epilog des Albums über die genannte Spielzeit gestrickt. Die Violinen tauchen wieder mit diesen wunderbaren Melodien aber auch den dunklen Stimmungen auf, es wechseln sich Sound und Melodie und der Gesang.

„Sun Comes“ geht nicht so einfach wie sein Vorgänger in die Ohren, denn er betont gegensätzlich zu seinem Titel viel mehr die dunklen und mysteriösen Aspekte, ohne die wunderbaren Melodien und den ebensolchen Gesang zu vernachlässigen. So kann es passieren, dass man dieses Album zunächst ein wenig an sich vorbeirauschen lässt – doch im zweiten oder dritten Hören entdeckt man die Tiefe und Vielschichtigkeit dieses Werkes. Und so wird dieses Album sich bei jedem Hören neu und anders entfalten, mit der jeweiligen Stimmung des Hörers spielen und zu einem ganz besonderen Hörerlebnis werden.

Ihr merkt schon, mir bleibt nichts anderes übrig als Euch dieses Album als Meisterwerk zu empfehlen und die volle Punktzahl zu vergeben. Und zwar nicht nur den Pink-Dots-Fans.

 

  1. Sun Comes Suite
  2. Heart Of The Matter
  3. The Three Roses
  4. Adam Lay Ybounden
  5. So, You Rest Easy

https://klanggalerie.bandcamp.com/album/sun-comes

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