Diesen Sommer haben wir uns alle anders vorgestellt – statt Festivals gibt es Live-Streams – statt Studioalbum gab es bei Sondaschule „Lost Tapes Vol II“ und Gigs finden plötzlich im improvisierten Autokino statt, damit der nötige Abstand geboten bleibt.

Sondaschule – Lost Tapes Vol II – VÖ 29.06.2020 (Solitary Man Records)

Das hier wird daher auch kein handelsüblicher Konzertbericht, denn das Sondaschule-Konzert war einfach anders, als alles bisher erlebte – man improvisiert halt und lebt mit dem Improvisierten und trotzdem erfreut man sich daran. Daher lassen wir hier nun mehr Bilder sprechen, als sonst üblich.

Angefangen damit, dass das Schlangestehen am Einlass schon anders ist, wenn die Karte durch mobile Teams bei der Einfahrt gescannt wird und der mobile Merchstand von Auto zu Auto zieht und Masken statt Shirts anbietet.

Anders war dann auch der Sound – denn es fehlten die großen Boxen neben der Bühne. Der Sound kam dann – wie im Autokino – tatsächlich ausschließlich aus den Autoradios. Leider auch kurz zeitlich verzögert, was man jedoch nur dann merkte, wenn man vorne parkte und somit zumindest die Drums und Chris Altmann an der Posaune live wahrnehmen konnte. Der Stimmung tat es keinen Abbruch und man freute sich mit den Nachbarn, die mit großen Autoboxen dann doch für annehmbar lauten Sound sorgten.

Viel wichtiger aber: die Ausgelassenheit, die man sonst auf Konzerten erlebte und die irgendwie schon gefühlt eine Ewigkeit fehlt – die erfüllte diesen Abend den Oberhausener Parkplatz des Einkaufszentrum Centro, der nun zur Autoarena als Konzertstätte dient! Für dieses Gefühl der Unbeschwertheit nahmen manche auch besonders lange Anreisen in Kauf.

Auch die Sondaschule war höchst erfreut, endlich wieder live zu spielen und der Spaß war ihnen anzumerken – so sagte Costa Cannabis direkt eingangs „Es ist schön, endlich wieder Gesichter zu sehen!“ Der Spaß blieb bei diesem Konzert nicht auf der Strecke, sei es durch Moshpits um das eigene Auto.

 

…oder einfaches „sitzen und saufen“. Hierzu gab es sogar besondere Tickets, so dass man das Auto über Nacht stehenlassen durfte.

Womit wir zur Setlist kommen: Sondaschule spielte nicht nur ein paar Songs vom neuem Album „Lost Tapes Vol II“, schließlich galt es auch als Album-Release-Show, sondern auch viele ältere Stücke wie „Hängematte“ oder „Pommesbude“. Garniert wurde das Ganze durch gezielte Einspielungen auf der Videoleinwand. Besonders gelungen beim neuen Stück „Monster“ – ein starker Song gegen rechts. Das Publikum konnte sich selbst auch auf diese Videoleinwand bringen, per Videokonferenz auf der Plattform „Zoom“.

Ein Highlight des Abend war die Frage, wie viele Frauen denn wohl an diesem Abend noch fahren müssten. Es folgte eine Einspielung auf der Videoleinwand, mit einem Siebzieger-Jahre-Spot der Sendung „Der 7. Sinn“: diesen möchten wir euch nicht vorenthalten. Lautes Gelächter erfüllte das gesamte Gelände, da spuckte die ein oder andere, die nicht fahren müsste, schonmal ihr Bier wieder aus!

Natürlich konnte die Frauenwelt das nicht auf sich sitzen lassen und Sondaschule gab die Chance zur Rehabilation: einige Frauen durften nun durch die Reihen einen Moshpit mit ihren Autos fahren – witzig! Und natürlich unfallfrei!

Natürlich gab es auch viel Aktion und Spaß auf der Bühne, sei es mit Pyrotechnik oder vor der Bühne – denn für den Song „für immer nie nüchtern“ begab sich Costa in die Menge (von Autos natürlich) und spielte auf einem Autodach, so dass ein wenig Konzertmagie durch Nähe mit Abstand aufkam.

Zu guter Letzt tauchte auch noch Montreal auf, obwohl sie Stunden zuvor noch selbst ein einem Autokino in Bonn gespielt haben – die Freundschaft dieser beiden Bands ist ja hinlänglich bekannt. Im Vergleich zum letzten gemeinsamen Auftritt, den ich beiwohnen durfte, waren die Jungs von Montreal jedenfalls deutlich bekleideter.

Es war ein toller Abend, mit einer gut aufgelegten Sondaschule

… und Menschen, die endlich wieder loslassen konnten – hier beispielsweise beim Scheibenputzen:

Das Konzert endete mit dem üblichem Feuerwerk. Vielen Dank, Sondaschule für diese Stunden, indem das unbeschwerte Leben zurückkehren durfte!

 

Fotos: Ruhrwurf Photographie