Aus dem hohen Norden, genauer gesagt aus der Ecke Kiel/Lübeck stammt die Band SODIUM. Nach 2 EP`s kommt nun endlich der Longplayer auf den Teller. Nach bandeigenen Aussagen nennt sich der Stil „Crust flavoured hardcorepunk“ – kann man irgendwie stehen lassen. Ich würde da sogar noch Metal, Blackmetal, Hardcore und Noise dazuzählen. Ja – so vielfältig ist die Scheiblette geworden. Die EP „every stone made me stumble“ kannte ich bereits und fand diese schon sehr interessant, weil man eben den Stil nicht genau definieren kann. Überall wird herumgewildert, ohne aber zu vergessen, eine gewisse Stimmung aufrechtzuerhalten. Man hat trotz der Krachigkeit immer den Blick fürs Wesentliche. SODIUM sind gereift – sehr schön.

Genau eben diese Stimmung, gepaart mit den abwechslungsreichen Stilmitteln ist das Rezept von SODIUM. Grundtenor ist eine Düsternis und Hoffnungslosigkeit in einem Noisemantel, in dem man sich gerne verliert. Gerade zerreist es einen im Mahlstrom der inneren Zerrissenheit und im nächsten Moment findet man sich wippend im Hardcore/Metalbeat wieder. Geil. Irgendwie fühle ich mich manchmal an die großartigen LASTER aus Holland erinnert.

Hier ist nix 08/15 – man nehme nur das melodische Intro gefolgt vom Nackenbrecherknüppel. Einzelne Songs herausheben macht keinen Sinn. Dies ist ein Gesamtkunstwerk, welches man nur in einem Stück konsumieren sollte. Man merkt, wieviel Schweiss, Blut und bestimmt auch Tränen geflossen sein müssen, bis die Songs so waren, wie letztendlich auf der Platte zu hören.

Die Vinylversion ist hübsch aufgemacht im freundlichen Schwarz. Limitiert auf 500 Stück. Beigelegt ist ein kleines Booklet mit Texten und jeweils einer Illustration passend zum Titel. Großes Kino auch hier. Man sieht die Liebe zum Detail und zum Produkt. Von manchen etablierten Firmen wünsche ich mir so ein Herzblut.

Selten hat mich eine Noisy-Platte so gepackt wie SODIUM mit „Odyssey“. Checkt die Band unbedingt an und kauft dieses Album. Bisher in meinen Top 10 des Jahres!

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Tracklist

1. Prologue: Ashore 03:30
2. Escape 03:55
3. Repentance 04:34
4. Dream 03:23
5. Into Deep Blue 04:04
6. Apnea 01:20
7. Awakening 02:03
8. Storm 01:56
9. The Odyssey 02:18
10. Catharsis 01:57
11. Epilogue: Home No More 05:12

Sodium - Odyssey (Tief in Marcellos Schuld, 6.10.2017)
4.5Gesamtwertung