Erste Berührungspunkte mit den thrashigen Brasilianern von Sepultura hatte ich irgendwann Anfang der 90er Jahre, denn da kam mir zum ersten Mal das Hammer-Album „Beneath The Remains“ in die (damals noch sehr punkbelasteten) Finger und spätestens nach meinem Allzeit-Lieblingsalbum „Chaos A.D.“ hatten sie mich eh und führten mich hiermit gleich in die große Welt des Metals ein – sind Sepultura doch der Grund, warum ich mich erstens begann für Bands wie Pantera oder Machine Head zu interessieren und ich daraufhin zweitens das legendäre Dynamo Festival 1995 besuchte, das Festival wo damals im positiven Sinne das komplette Wochenende und jeder eskalierte und alle Bands aufspielten, die damals im Crossover-, Metal- und Alternative-Bereich einen Rang und Namen hatten… bis auf Sepultura – aber Schwamm drüber.

Zehn Alben bzw. 27 Jahre und einige Besetzungswechsel später (verließen doch u.a. Max Cavalera 1996 und Igor Cavalera jeweils nach Differenzen die Band) liegt nun die neue Scheibe „Quadra“ vor mir.

Lieblich und brachial wie eine Dampframme schiebt sich das neue Sepultura-Album „Quadra“ durch die gut 50 Minuten Spielzeit – jede einzelne Sekunde setzt sich mehr das Gefühl, dass Sänger Derrick Green und Andreas Kisser all ihre Wut und Energie an mir persönlich auslassen wollen. Aggressiv und zerstörerisch sitzt ein Tiefschlag nach dem anderen und das treibende Schlagzeug sowie der wummernde Bass tragen ihren Teil dazu bei, dass die zwölf Nummern genau da ankommen wo sie hingehören – irgendwo da, wo vor „Quadra“ bei mir eigentlich noch ein wenig Resthirn gewesen sein müsste.

Aber trotz der unbändigen Energie die einem hier entgegen weht, mich persönlich beruhigt die Scheibe… was ein gutes Zeichen dafür ist, dass ich bei und mit den Brasilianern auch dieses Mal wieder hervorragend aufgehoben bin.

So lassen sich Nummern wie „Isolation“ oder „Means to an End“ doch wunderbar beim Autofahren, Gassigehen oder mit Kopfhörern auf dem Schädel an der Supermarkt-Kasse hören, wo gerade eine Diskussion stattfindet, ob man denn nun eine Palette Klopapier im Einkaufswagen für eine haushaltsübliche Menge hält oder nicht. Das juckt mich alles nicht, hier muss man musikalische Prioritäten setzen!

In schwierige und undurchsichtige Zeiten gehört nun mal ein Album voller Wut und Energie… und genau das haben Sepultura mit „Quadra“ erschaffen.

 

Titel:
1. Isolation
2. Means to an End
3. Last Time
4. Capital Enslavement
5. Ali
6. Raging Void
7. Guardians of Earth
8. The Pentagram
9. Autem
10. Quadra
11. Agony of Defeat
12. Fear, Pain, Chaos, Suffering

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Sepultura - Quadra (Nuclear Blast, 07.02.2020)
4.5Gesamtwertung