Die Ukrainische Gothic Metal Band Scarleth hat erst vor Kurzem ihr neues Album „The Silver Lining“ auf den Markt gebracht und zeigt damit, dass man trotz oder gerade wegen der nationalen Krise und dem blutigem Krieg im eigenen Land versuchen muss, das geprügelte Volk mit ansprechender Musik zu erfreuen.

Bereits das Cover zeigt jedoch, dass die aktuellen Geschehnisse nicht spurlos an der 2005 gegründeten Band aus Kiew vorbei gehen, sie jedoch immer noch einen Hoffnungsschimmer – hier symbolisch als aufkeimende rote Pflanze inmitten von zerbombten Ruinen – für die Zukunft sehen.

Mit fast komplett neuer Besetzung, tauschte doch Gitarrist Victor Morozov gegenüber des letzten Albums „Break The Silence“ außer sich selbst ( 😉 ) sämtliche Positionen aus und ergänzte die Band mit Oksana sogar um eine Shouterin, die das eine oder andere Growling beisteuerte, ging es an die Produktion der neun getragenen und eher düsteren Songs.

Voller Leidenschaft und Energie zeigt Neu-Sängerin Irina ihr Können und verbindet somit gesanglich die Mischung aus Folk, Doom, Gothik und diversen anderen Stilen des Metal.

Schon der von Keyboards getragene Opener „Night Of Lies“, der relativ schnell Fahrt aufnimmt und mit der Stimme von Irina, aber auch von Oksanas Growls lebt, hat es in sich und macht es mir einfach, trotz des lieblichen Bandnamens und meiner nicht so großen Vorliebe für Gothic Metal, dabei zu bleiben.

„Double Memory“ ist dann direkt etwas für die Headbanger-Fraktion… da bin ich mit meiner recht reduzierten Haarpracht erstens optisch, aber zweitens dann auch musikalisch raus! Die achtminütige Ruhe von „The Gate Of Dark Sun“ ist zwar ein krasser Kontrast zum Song davor, aber die Gitarre verschreibt sich hier intensiv dem Doom und bereitet geneigte Hörer auf „Voices“ vor, welches sich ein Gitarren-Keyboard, aber auch ein Klargesang-Growl Duell erster Güte leistet.

Eingebettet von den beiden Balladen „Dying Alone“ und „Before the Night Falls“ hängen einem dann „One Short Life“ orientalische bzw. mittelalterliche Flötentöne in den Ohren, ganz im Gegensatz zu dem Speedmetal Brett „Pure Desire“, welches einen aufgrund der schnellen Gitarrenriffs und der gehämmerten Doublebass ordentlich durchwirbelt. „Last Hope“ schließt dann „The Silver Lining“… sehr basslastig und solide, aber nichts wirklich Neues.

Getragenen Keyboard-Teppiche die Düsterheit vermitteln, da kann man Scarleth auf jeden Fall ein Geschick für melancholische Weltuntergangsstimmungen zusprechen… stellenweise beeindruckend, teilweise beängstigend!

Soweit ich das ganze beurteilen kann haben Scarleth ein ordentliches Album abgeliefert, auch wenn ich absolute Überflieger vermisse, die mir persönlich vielleicht das Genre dauerhaft hätten näher bringen können.

Ich sage mal so, eine solide Scheibe für Kenner der Materie ist es auf jeden Fall…!

 

Scarleth_-_The_Silver_Lining

Trackliste:
1. Night Of Lies
2. Double Memory
3. The Gates Of Dark Sun
4. Voices
5. Dying Alone
6. One Short Life
7. Before The Night Falls
8. Pure Desire
9. Last Hope

Scarleth – HOMEPAGE

Scarleth - The Silver Lining (The Leaders, 29.01.2016)
3.5Gesamtwertung