So, die nächste Handwritten Classics steht an, und ich bin wieder an der Reihe. Es ist absolut schön Alben zu würdigen, welche die Zeit überdauert haben und dabei nichts an ihrer Faszination eingebüßt haben. Bei einem gut gefüllten Plattenschrank, ist die Auswahl allerdings nicht immer ganz leicht. Diesmal sollte es etwas von Savatage sein. Aber welches Album nehmen, hat die Band mit wenigen Ausnahmen („Fight For The Rock“ und „Poets And Madmen“) eigentlich nur Güteklasse A Longplayer abgeliefert.

Entschieden habe ich mich für „Gutter Ballet“!

Warum?

Weil dieses Album für mich die Stärken der frühen Bandphasen, sowie die eher komplexe Ausrichtung der späteren Alben wiederspiegelt.
savatagegutterballet

Die Songwriting Session zu „Gutter Ballet“ absolviert Jon Oliva erstmals zusammen mit Paul O`Neill. Dies hatte den Wandel von Savatage, als reine Power Metal Band, zu einer Band zur Folge, welche sich auch mit theatralischen Arrangements und Einflüssen aus Musicals beschäftigte. Viel später sollte dies zum Transiberian Orchestra und einem immensen Erfolg führen.
„Gutter Ballet“ hat, wie schon erwähnt jedoch immer noch diese überwältigenden Power Metal Songs, welche besonders durch die Gitarrenklänge von Chriss Oliva und dem teilweise wahnsinnigen Gesang Jons ihre markante Note bekommen!

Los geht es mit „Of Rage And War“. Nimmt man die erst Textzeile des Songs und tauscht Lybien gegen Syrien aus, dann bekommt das Lied direkt einen Bezug zur aktuellen politischen Situation. „Of Rage And War“ ist recht ruppig ausgefallen und somit wird das Album von einem eher weniger eingängigem Track eröffnet.

Der folgende Titelsong lässt es da schon etwas gediegener angehen. Pianotöne, grandiose Riffs und bombastischer Sound. Hier zeigt sich erstmals die Richtung welche die Band in den nächsten Jahren einschlagen wird. Noch mehr Drama packen Savatage in die Ballade „When The Crowds Are Gone“, welche auf das kurze Zwischenspiel „Temptation – Revelation“ folgt.
In „When The Crowds Are Gone“ steckt ordentlich Kitsch, allerdings verdammt schöner Kitsch. Das Lied ist für mich noch immer eine der schönsten Metal-Balladen.

 


„Silk And Steel“ ist wieder ein kurzes akustisches Zwischenspiel. Danach schraubt die Band dann das Härte- und das Aggressivitätslevel mal eben ein paar Stufen nach oben. „She´s In Love“, „Hounds“ und „The Unholy“ sind klassische 80er Jahre US Power Metal Songs.

Insbesondere das langsam startende „Hounds“ mit seinen tollen Gitarrensolos und Olivas spitzen Schreien begeistert mit nach wie vor. Mit „The Unholy“ folgt der schnellste und härteste Song von „Gutter Ballet“

Die drei letzten Songs des Albums, „Mentally Yours“, „Summer´s Rain und „Thorazine Shuffle“ ist so etwas wie der Vorbote zum nächsten Album in der Bandgeschichte. Das Songtrio greift die Drogenprobleme Jon Olivas auf. Erzählt wird die Geschichte von Timmy, welcher drogensüchtig wird und in einer Nervenklinik landet. Auf dem folgenden Album „Streets – A Rock Opera“ wird dieses Thema noch vertieft.

„Gutter Ballet“ ist für mich das vielseitigste Album der Band. Power Metal und die bombastische zukünftige Ausrichtung von Savatage werden hier fast perfekt kombiniert. Savatage haben nie wirklich die Aufmerksamkeit bekommen, welche der Band aufgrund der musikalischen Leistung zugestanden hat, auch die Klasse des Gitarristen Chriss Oliva wurde außerhalb des Fankreises der Band kaum gewürdigt. Sein früher Tod hat wohl dazu beigetragen, dass ihm ein größerer Bekanntheitsgrad verwehrt worden ist.

Wer generell am 80er Jahre US Metal interessiert ist, dem sei dieses Album wärmstens empfohlen!

1.Of Rage And War
2. Gutter Ballet
3. Temptation – Revelation
4. When The Crowds Are Gone
5. Silk And Steel
6. She’s In Love
7. Hounds
8. The Unholy
9. Mentally Yours
10. Summer’s Rain
11. Thorazine Shuffle

http://www.savatage.com/