Jetzt tauchen wir mal tief in die 60er und 70er Jahre ab und wenden uns einem altmodischem Progressive-/Psychedelic-Sound zu, der gerne auch genüsslich im frühen Hardrock badet. Halt, nicht gleich verschreckt abwenden! Sammal fassen sich nämlich angenehm kurz und entgehen damit der Gefahr, sich im eigenen Sound zu verlieren. Trotzdem ist ein Faible für archaisch analoge Sounds nicht verkehrt, wenn man sich dieser Band zuwendet.

Denn: Ihr horcht sofort auf, wenn ihr warme Orgelsounds hört und Gitarren müssen bei euch nicht durch ein Arsenal von digitalen Helferchen gejagt werden, lieber sollen sie knistern? Psychedelische Stimmungen und dezent progressive Songstrukturen turnen euch an? Willkommen in der Welt der Finnen! Auf seinem dritten Album präsentiert das Quintett einen klanglichen Cocktail, dessen Zutaten bekannt und vertraut sind, der aber doch auf eigene Weise zusammen gemixt wurde. Hier und dort findet man Anklänge an Rockdinos wie Uriah Heep und Deep Purple oder frühe Genesis und The Moody Blues.

Doch am Ende sind Sammal einfach nur Sammal. Man sollte lieber Vergleiche zu ihren Labelkollegen und Brüdern im Geiste, Messanger, Hexvessel und Malady, ziehen. Das auffälligste Merkmal der Finnen ist sicherlich, dass in Landessprache gesungen wird. Das verleiht der Musik von Sammal, die an sich nicht so außergewöhnlich wäre, einen ganz eigenen, angenehm schrulligen Charakter. Im Vordergrund stehen angenehme, teils entspannt, dann wieder nach vorne treibende Grooves, natürliche Orgelsounds, die hin und wieder ein leichtes spaciges Feeling verbreiten und die Melodien von Sänger Janu Kiviniemi. Gerade wenn er zu großen Refrains ansetzt kommt Freude auf.

Die Musiker lassen es zwar auch gerne mal ziemlich laufen und man versteigt sich in atmosphärische Instrumentalparts, wobei man sich für das Proglager empfiehlt. Aber verliert niemals den Fokus aus dem Auge: den Song. Die in den Feinschliff gesteckte Zeit hat sich hörbar gelohnt. Denn die einzelnen Stücke glänzen mit angenehm eingängigen Hooks und Widerhaken. Und das ganz ohne, dass man es hier mit plakativer Eingängigkeit zu tun hätte. Trotz der Melodieseligkeit vergisst man nicht, dass man auch mal knackig rocken kann. „Ylistys Ja Kumarrus“ ist zum Beispiel regelrecht wild von der Attitüde her. „Vitutuksen Valatameri“ gibt sich als wummernder Oldschool-Hardrocker. Im Kontrast dazu stehen dann wieder ein entspannt baumelnder Songs wie „Herran Pelko“, die atmosphärisch-epische Karte spielt man mit „Maailman Surullisin Suomalainen“ aus.

„Suuliekki“ ist ein durchgehend interessantes Rockalbum mit einem guten Flow geworden. Ob es damit reicht das Reservat des Geheimtipps zu verlassen? Zu gönnen wäre es ihnen!

Trackliste:
1. Intro
2. Suuliekki
3. Lukitut Päivät, Kiitävät Yöt
4. Ylistys Ja Kumarrus
5. Pinnalle Kaltevalle
6. Vitutuksen Valatameri
7. Maailman Surullisin Suomalainen
8. Herran Pelko
9.

Sammal - Suuliekki (Svart Records, 09.03.2018)
4.0Gesamtwertung