Die Spielleute von Saltatio Mortis haben ihre Vorstellung eröffnet – soll heißen, der siebzehn Stücke fassende Longplayer „Zirkus Zeitgeist“ ist letzte Woche in die Manege geworfen worden und die Acht feiern erneut ihren ganz eigenen Totentanz (denn so lautet die Übersetzung des Bandnamen im Lateinischen)!

Auf einem beschaulichen Bauernhof in Bückelburg wurde auch dieses Mal zusammengezaubert, was der musikalische Zirkus hergab und kritische Fragen, die die Welt und unsere Gesellschaft in ein bemitleidenswertes Licht rücken, dürfen somit nicht fehlen.

Kritiker würden nun behaupten, dass man damit ja nichts Neues umschreibt, aber alleine die Tatsache, dass man die Melodien in mittelalterliche Gewandung packt macht das Album zu einer Besonderheit. Instrumente, die schon vor unzähligen Jahrhunderten bespielt worden sind, dazu eine ordentliche Portion Rock… das verbindet Vergangenheit mit dem heutigen Zeitgeist.

Und Saltatio Mortis haben mehr als je zuvor etwas zu sagen, setzt man sich in „Augen zu“ sogar absolut provokant mit der deutschen Geschichte auseinander (die kurz angespielten Töne des „Horst-Wessel-Lied“ sollen aufwühlen, provozieren und auf bestehende Missstände hinweisen)… mutig und gewagt, aber ein klares Bekenntnis gegen den stumpfen Hass vieler Idioten, die ihren Kopf nur zu haben scheinen, damit es nicht in den Hals regnet! Auch „Wir sind Papst“ gibt auf punkige Weise ein klares, aber durchaus augenzwinkerndes Statement zum herrschenden Patriotismus ab… verständlich für jeden, der noch alle Speichen am Fahrrad hat!

„Des Bänkers neue Kleider“ rechnet mit dem heutigen Finanzwesen und den darin verflochtenen Clowns ab, die den ganzen Zirkus mitmachen und gierig immer ein Stückchen mehr von der Torte haben wollen! Auch die Kommerzialisierung der Gesellschaft („Willkommen in der Weihnachtszeit“) ist den Gauklern ein Dorn im Auge… in diesem Zusammenhang habe ich doch tatsächlich letzte Woche die ersten Weihnachts-Leckereien im Supermarkt gefunden, nicht schlecht für Mitte August!

Aber auch die weltweiten Krisenherde lassen die Band nicht laut- bzw. spurlos an sich vorbeistreichen, denn „Nachts weinen die Soldaten“ und spätestens die „Erinnerung“ lässt einen dann ein wenig sentimental und melancholisch werden!

Es fällt auf, dass die Zeit der Party- und Gute-Laune Musik nun erstmal vorbei ist… der Zeitgeist lässt es leider aktuell nicht zu! Es wird kritisiert, gemahnt und oftmals schmerzhaft der Finger in die Wunder gelegt, alles musikalisch weniger verspielt, also dementsprechend rauer und härter als jemals zuvor!

„Zirkus Zeitgeist“ verbindet Mittelalter Rock mit Punk… was die Band auch für mich sympathisch macht. Also wer mutig genug ist, auch mal andere Klänge an sein rockerprobtes Ohr zu lassen, dem darf ich Saltatio Mortis empfehlen.

Reinen Fans der mittelalterlichen Klängen wird das Album wahrscheinlich zu modern erscheinen… jedenfalls sind die Jungs hiermit eindeutig im 21. Jahrhundert angekommen!

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Tracklist:
1. Wo sind die Clowns
2. Willkommen in der Weihnachtszeit
3. Nachts weinen die Soldaten
4. Des Bänkers neue Kleider
5. Maria
6. Wir sind Papst
7. Augen zu
8. Geradeaus
9. Erinnerung
10. Trinklied
11. Rattenfänger
12. Todesengel
13. Vermessung des Glücks
14. Abschiedsmelodie

Saltatio Mortis – BANDPAGE

Und hier direkt die Tourdaten!

Saltatio Mortis – Zirkus Zeitgeist (Universal, 14.08.2015)
4.1Gesamtwertung