Für die Rezension des neuen Saltatio Mortis-Albums „Brot und Spiele“ habe ich mir etwas mehr Zeit gegönnt als ich dies normalerweise mache. Der Grund dafür ist einfach. Die Musik der Band hat sich geändert, ob die Band nun einen Schritt zur Seite, nach vorn, unten oder zurück gemacht hat, darüber könnt ihr euch nach dem Anhören von „Brot und Spiele“ selber ein Bild machen. Die Rezension erfolgt auf der Grundlage der „Deluxe Edition“, welche mit der Bonus-CD „Panem et circenses: Ad fontes“ beim CD-Dealer im Regal steht.

Der Sound hat sich verändert, die Dudelsäcke und Flöten sind noch in den Songs von „Brot und Spiele“ vorhanden, aber im Vergleich zu den Vorgängeralben sind sie deutlich in den Hintergrund gerückt. Dafür ist die Band ebenso deutlich in Richtung Deutsch-Rock mit leichtem Punk-Einschlag gerückt. Bei den ersten beiden Durchläufen habe ich immer Bands wie die Broilers, Betontod und die Toten Hosen im Kopf gehabt. Das mag daran liegen, dass dieses Album von Vincent Sorg produziert worden ist. Sorg hat bei den oben genannten Bands ebenfalls seinen Stempel hinterlassen. Eigentlich mag ich diese Art der Produktion, aber je mehr Bands diesen Weg gehen, desto uniformer wird die deutsche Rockmusik. Einen ähnlichen Effekt gab es lange Zeit im Metalsektor zu beobachten, ich möchte hier zum Beispiel an Produzenten wie Andy Sneap erinnern. Auch die Bands, welche von ihm produziert worden sind, klangen alle ähnlich.

Und die Musik?

Eigentlich gut, man muss sich allerdings mit „Ohohohohoh“-Gangshouts anfreunden können, denn dieses Stilmittel ist, genau wie die omnipräsenten dicken Gitarren, öfters auf dem Album anzutreffen.
Eingeleitet wird der Songreigen mit dem Intro „Ein Stück Unsterblichkeit“ welches nahtlos in „Große Träume“ übergeht. Der Song ist Deutsch-Rock par excellence mit Dudelsäcken. Das Lied geht direkt ins Gehirn und will da auch nicht mehr raus.

„Dorn im Ohr“ ist einer der Songs des Albums welcher auch durch seine intelligenten Texte besticht. Saltatio Mortis haben nie einen Zweifel an ihrer gesellschaftskritischen Einstellung gemacht und diese immer gekonnt in ihren Texten untergebracht.

Auf „Brot und Spiele“ gelingt dies noch besser! „Europa“ und besonders „Besorgter Bürger“ sprechen aktuelle Themen an. Den Song könnten sich die Kotzbrocken welche „Wir sind das Volk“ schreien ruhig mal anhören!

Ein kleiner Textauszug:
„Hör gut zu besorgter Bürger
Wir wissen was du bist
Du rettest nicht das Abendland
Du bist ein Arschloch und Rassist

Hör gut zu besorgter Bürger
Das Abendland, das sind auch wir
Und müssten wir gerettet werden, dann nicht durch dich
Sondern vor dir!“

„Spur des Lebens“ ist eine schöne Ballade. Alea singt den Song im Duett mit Marta Jandová. Großes Ohrenkino.

Wer auf der Suche nach den mittelalterlichen Tönen von Saltatio Mortis ist, der ist eigentlich gezwungen zur Deluxe-Version des Albums zu greifen. Die Bonus-CD „Panem et circenses: Ad fontes“ enthält die auf dem Hauptalbum oft vermissten Dudelsack- und Flötenklänge.
„Heimdall“, „Epitaph To A Friend“ und die anderen Bonussongs sind musikalisch komplett anders aufgesetzt als „Brot und Spiele“.

Fazit: „Brot und Spiele“ ist ein feines Album. Sehr viele gute Songs, für das nächste Album würde ich mir aber wünschen, dass die Band sich wieder ein wenig aus dem Deutsch-Rock-Käfig befreit und sich auf alte Stärken besinnt!

 

„Brot und Spiele“

Ein Stück Unsterblichkeit
Große Träume
Dorn im Ohr
Ich werde Wind
Europa
Spur des Lebens
Brot und Spiele
Nie wieder Alkohol
Träume aus Eis
Mittelalter
Brunhild
Besorgter Bürger
Sie tanzt allein

„Panem et circenses: Ad fontes“

Präludium – Ad fontes
Heimdall
Drachentanz
Schon wieder Herbst
Epitaph To A Friend
Ad digitum prurigo
Herr Holkin
Raghs-e-Pari
Tränen des Teufels
Amo lem ad nauseam
Marselha
Volta

https://brotundspiele.saltatio-mortis.com/

Foto: Robert Eickelroth

Saltatio Mortis - Brot und Spiele (Vertigo Capitol, 17.08.2018)
3.9Gesamtwertung