Den Kanadier Russ Bergquist kennt der eine oder andere Spezialist vielleicht noch als Live-Bassist von Annihilator. Oder zusammen mit ein paar Ex-Kollegen dieser Truppe als Tieftöner bei Duskmachine. Jetzt veröffentlicht der Mann ein Soloalbum. Dabei ist „The Russ Bergquist Project“ eine Ansammlung von Aufnahmen, welche er über die Jahre mit verschiedenen befreundeten Musikern gemacht hat. Und Freunde das sind in diesem Fall unter anderem der ehemalige Annihilator-Drummer Ray Hartmann, die beiden Musiker Dave Young (Keyboards) und Ryan Van Poederooyen (Schlagzeug) aus dem Devin-Townsend-Umfeld, als Gast Nevermore-/Arch-Enemy-Gitarrist Jeff Loomis und ein unbekannter Sänger namens Mark Petri.

Und was erwartet man nun von dieser Platte? Ehrlich gesagt, ich erst einmal nix. Der erste Song prügelt sich allerdings in bester Annihilator-Manier durchs Feld und könnte auch auf den letzten beiden Platten von Jeff Waters zu finden sein. Sogar das Timbre von Petri klingt dem von Waters ähnlich. Passt schon mal. „Caged“ wagt sich auf ein ähnliches Feld und schneidet mit den moderner gespielten Drums und einem Hauch von Lässigkeit ein Stück besser ab.

Der Rest hüpft dagegen wild umher und man darf sich nicht wundern, dass es auch mal ziemlich rockig wird, ja, sogar regelrecht alternativ. Negativbeispiel ist „Hunted“ mit seinem nöligen Gesang. Das hatten die Grunge-Rocker der 90er wesentlich besser drauf. „Stabbed In The Back“ versucht sich als etwas chaotischer Punk-Metal-Mischmasch. Leider taugt der Song nix. „Who Are You“ schlägt mit seinem melodisch zurückhaltendenden Indie-Charme komplett aus der Reihe. Aber die Nummer ist an sich gar nicht so schlecht, wenn man ehrlich ist.

Dass hier Musiker am Werk sind, die sich auch mal deftig austoben möchten, merkt man spätestens beim Instrumental „Shreddies“. Klingt auch genauso, wie es der Titel vermuten lässt: drei Gitarristen lassen es auf altmodische Shrapnel-Art krachen. Das ebenfalls instrumentale „Cassini“ überrascht mit ruhigen, lyrisch anmutenden Momenten.

„The Russ Bergquist Project“ ist am Ende wie ein wilder Ritt durch den Gemüsegarten, lässt immer wieder mal aufhorchen, aber so richtig begeistern mag diese Songsammlung nicht so wirklich. Schade eigentlich. Denn der Bassist ist ansonsten ein doch recht sympathischer Typ.

 

Trackliste:
1. Suicide Shift
2. Lost At Sea
3. Shreddies
4. Hunted
5. Caged
6. Stabbed In The Back
7. Cassini
8. What I Say
9. Who You Are

 

Russ Bergquist - The Russ Bergquist Project (SAOL/H’Art, 13.09.2019)
3.3Gesamtwertung