Nach Voivod, Kreator und Celtic Frost werden jetzt die alten Noise-Platten von Running Wild neu veröffentlicht. Eine gute Sache, nachdem die Alben der Nordlichter lange nicht mehr erhältlich waren und gebrauchte Exemplare teilweise zu Preisen gehandelt werden, die weit über dem Neupreis liegen. Konkret geht es um die Phase vom Debüt „Gates To Purgatory“ bis „Masquerade“ von 1995. Die neun Platten kommen im Abstand von zwei Wochen auf LP oder „Deluxe Version“ auf CD mit Bonustracks heraus. Die ersten fünf am 11. August, die anderen vier am 25.

Uns lagen die CD-Versionen davon vor. Verpackt sind sie leider nicht wie bei Kreator und Celtic Frost in schicke Digibooks, sondern in ganz normale Digipacks. Dafür hat man aber nicht die Coverartworks verschandelt. Drin liegt je ein Booklet mit vielen alten Bildern und Liner-Notes von Malcom Dome, die auf Interviews mit Bandboss Rolf Kasparek beruhen. Remastert wurde der Sound von Andy Pearce und Matt Wortham. Zu jedem Album gibt es ein paar Bonustrack, wobei es sich meist allerdings nur Neueinspielungen alter Songs handelt. Wirklich Neues gibt es nicht zu hören.

Nur ein Jahr nach dem Debüt erblickte das zweite Running-Wild-Album „Branded And Exiled“ das Licht der Welt. Der Titel bezog sich eindeutig das damalige Außenseiterdasein der Metalfans. Schließlich war das damals irgendwie anrüchige Musik. Stilistisch hat sich im Vergleich zum Debüt nicht viel getan. Noch immer gab es ziemlich rumpeligen, speedigen und kernigen Metal zu hören. Rolf Kasparek musste damals den Abgang seines Songwriting-Partners Gerald „Preacher“ Warnecke (der heute tatsächlich Priester ist!) verkraften. Vielleicht ist deswegen die Qualität der Lieder ein kleines Stückchen unterhalb der von „Gates To Purgatory“ anzusiedeln. Denn so richtig professionell klingt das alles noch nicht.

Die Songs leben vom knackigen Riffing. Denn die Melodien sind es nicht wirklich, die sich im Gedächtnis festsetzen. Ein paar coole Nummern hat man aber zweifelsohne mit an Bord. Zum Beispiel das düstere „Mordor“, das vom Schlagzeug mächtig angetriebene „Gods Of Iron“ oder der pathetische Stampfer „Evil Spirt“, der fast ein wenig an Manowar denken lässt. So richtig erinnert man sich am Ende aber nur an die beiden heutigen Klassiker „Branded And Exiled“ und die hier neu eingespielte und wesentlich mitreißender gewordene Hymne „Chains And Leather“.

Der Sound ist nicht viel besser als auf dem Debüt. Das Feeling kommt aber gut rüber. Als deutsche Heavy-Metal-Geschichtsstunde taugt das Ding allemal. Die richtig guten Alben von Running Wild sollten aber erst noch kommen.

Als Bonus findet man hier fünf Neueinspielungen von 1991 bzw. 2003, welche man sonst auf „The First Years Of Piracy“ und „20 Years In History“ findet. Kann man haben, muss man aber nicht. Zumindest der Titeltrack kommt vom Sound her dichter, mit mehr Swing und mitreißender rüber. Den Rest kann man sich anhören. Aber einen echten Mehrwert bekommt man nicht geboten.

 

Trackliste:
1. Branded and Exiled
2. Gods of Iron
3. Realm of Shades
4. Mordor
5. Fight the Oppression
6. Evil Spirit
7. Marching to Die
8. Chains and Leather
9. Branded and Exiled (Re-recorded Version 1991)
10. Fight the Oppression (Re-recorded Version 1991)
11. Marching to Die (Re-recorded Version 1991)
12. Branded and Exiled (Re-recorded Version 2003)
13. Mordor (Re-recorded Version 2003)