ROCKHARZ 2015
Nein, dies ist kein ausführlicher Bericht über jede Band die dieses Jahr auf dem ROCKHARZ gespielt hat. Dies ist vielmehr ein Erlebnisbericht meets Tagebuch.

Nach einigen Jahren Wacken wollte unsere Festivaltruppe mal was neues ausprobieren. Die Größe und viele Kleinigkeiten haben uns dazu bewogen mal ein anderes Festival anzutesten. Die Wahl fiel auf das ROCKHARZ, da man dort auch, wie in Wacken, direkt am Auto zelten kann. Ausserdem ist es viel kleiner und überschaubarer, die Bandauswahl erschien uns ebenso ansprechend. Schnell waren wir uns einig – dieses Jahr geht’s in den Harz.

Tag 1 Anreise:

Da die meisten von uns am Mittwoch noch arbeiten mussten kamen wir erst spät los. Den letzten Kollegen sammelten wir gegen 18.00 Uhr in Hamburg ein und setzten dann endlich den Kurs Richtung Harz. Die Fahrt war entspannt, keine Staus. Allerdings kamen wir nur semi-schnell voran, da wir 2 große Anhänger dabei hatten mit allerlei Festival-Luxus, auf den wir nicht mehr verzichten möchten. 2 Aggregate, Kühltruhe, Kühlschrank, Dusche, Dixie, 2 große BW-Zelte usw…
Das ist kein richtiges Festival-Feeling? Mir Wurst, glaubt mir – einmal solche Dinge mitgehabt, wollt ihr sie immer dabei haben.
Für Wurfzelte, warmes Bier und lauwarme Ravioli sind wir definitiv zu alt 😉

Nach ca. 5 Stunden, also gegen 23.00 Uhr kamen wir in Ballenstedt an und hatten erst einmal Probleme das Gelände zu finden. Im Ort war aber auch gar nix ausgeschildert, was nur ansatzweise an ein Festival erinnert. Dann war auch noch eine Straße gesperrt und wir standen buchstäblich im Dunkeln. Eine nette Autofahrerin hielt aber an und erklärte uns den Weg. Wenige Minuten später fuhren wir dann auch auf den Zeltplatz und eines bemerkten wir sofort: Es war sehr still. Nicht das noch keiner da war, nein – war schon gut besucht, aber halt alle am schlafen. OK es war 23 Uhr – aber hallo?? In Wacken waren wir da anderes gewohnt, aber ist ja gut, dann können wir gut pennen.
Aber erstmal Aggregat angeworfen, 1000 Watt Strahler montiert und die Riesenzelte aufgebaut. ROCKHARZ – die Stader sind da 🙂

Tag 2:

Nach einer sehr ruhigen Nacht, standen auf einmal morgens vorm Zelt 2 Security Menschen hinter mir. „Was haben Sie da auf dem Tisch?“ fragte einer. Ich: „Alkohol“ Er:“ Glas ist hier verboten, ich nehm das alles mit“ Ich: „Äh, neee“ Nach einigen Diskussionen, das wir das jetzt in Plastikflaschen umfüllen usw. zogen die beiden Gott sei Dank wieder ab. Andere haben uns später erzählt, das die sogar das Nutella-Glas eingesackt haben. Das ist dann nun aber doch etwas hirnverbrannt. Kein Glas – OK. Aber bitte die Kirche im Dorf lassen.
Nach diesem Intermezzo haben wir uns erstmal das Gelände angeschaut und schätzten mal grob 20000 Besucher. Dann ging es zur Bändchenausgabe, welche super schnell verlief. Gegen 14.00 Uhr standen wir dann endlich im Infield und DRONE war die erste Band des Tages und gaben einen geilen Start ins Festival. Ich kannte die Band nur vom Namen her und war positiv überrascht, bei einem Song kam dann auch noch die Sängerin von CRIPPER dazu – klasse. Werde ich im Auge behalten.

Dann sind wir erst einmal zum Platz zurück und haben uns ausgiebig mit Grillen und Getränken beschäftigt. Da die nächsten Bands nicht soooo wichtig für uns waren, beschlossen wir erst spät wieder runter zu gehen. Außerdem war die Luft dauernd so trocken….
So gegen 22.30 Uhr gingen wir dann wieder in Richtung Infield um uns den ersten Headliner anzuschauen. Nach ca 3 Metern kam uns ein Mädel im Rosa Bademantel entgegen, total voll wie 1000 Russen. Sie sagte: „hmrfl?“ Wir: „Wat?“ Sie: „HMRFL???“ Dann reimten wir uns zusammen, das sie wohl den Headliner HAMMERFALL meinte. Wir sagten: Ja, die spielen jetzt. Sie: „arglmpf“ und lief im sauberen Zickzackkurs in Richtung Infield. Seit dem war das Wort HAMMERVOLL der running-gag des Festivals.
Nach einer Runde mittelprächtigem Hasseröder mit völlig überforderten Ausschenkgehilfen schauten wir uns HAMMERFALL an und ich fand die ganz cool. Bin nie großer Fan von denen gewesen, aber die lieferten eine sehr tighte, saubere Show. Guter Sänger, toller Gitarrist, Songs zum mitgröhlen, Faust hoch und so…passte jetzt gerade super. Hat uns allen gefallen und kurz nach Mitternacht landeten wir dann wieder im Zelt und nahmen den letzten Schlummertrunk noch 3 mal, dann gings ins Bett.

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HAMMERFALL

Tag 3:

Nach einer kalten Nacht, frühstückten wir im Brötchen/Kaffee/Einkaufsladen – Zelt mit lecker Kaffee und liessen es ruhig angehen.
Die Nachmittagsbands hielten wir für nicht so wichtig wie Grillen, also blieben wir wieder erst einmal auf dem Zeltplatz um uns dann gegen 16.00 Uhr wieder im Infield einzufinden. DELAIN spielten gerade und die waren echt gut. Geht stark in Richtung NIGHTWISH aber in gut. Applaus von uns.

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DELAIN

Nun aber kamen BETONTOD.
Vor der Bühne war es gut voll und die Jungs spielten eine gute Show. BETONTOD ist einfach eine geile Party/Festival-Band, die die Leute mitreisst und einfach eine geile Stimmung macht. In Wacken konnten BETONTOD schon immer überzeugen, so auch hier. Viel zum Mitsingen und Mitklatschen, alle fanden es toll – Prost. „wir müssen aufhören weniger zu trinken…“

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BETONTOD

Danach war erst einmal nix für uns dabei und ich fand mich erst um 19:30 wieder bei BIOHAZARD ein.
Ich stand in der allerersten Reihe, da war ich, glaub ich seit 20 Jahren nicht mehr. BIOHAZARD fand ich damals geil und sie enttäuschten mich nicht. Geiler Hardcore auf die 12 und ich hüpfte und bangte wie damals in jung und fit. Zu guter letzt kam der Gitarrist runter von der Bühne zur ersten Reihe, klatschte mich ab und kletterte auf meine Schultern und spielte dabei weiter Gitarre. Damals wäre ich für sowas gestorben, heute dachte ich, ich sterbe vor Schmerzen, obwohl er nur ein kleiner Pimpf war – egal, alles geil.

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BIOHAZARD

Danach kamen SCHANDMAUL, was mich weniger interessierte, kann mit dem Mittelalterkram nix anfangen. Die Band wurde aber super abgefeiert und es war super gut besucht vor der Bühne. Ich habe weiter alles gegen diese trockene Luft getan.
Um 21.45 Uhr war dann wieder was für mich dabei: FEAR FACTORY. Meine Leute wollten nicht, nur meine Frau hat mich begleitet, sich das dann aber nach dem ersten Song wieder anders überlegt. Also hüpfte ich wieder alleine durch die geile Show von FEAR FACTORY. Der erste Song war „shock“ und danach nur die Knaller: powershifter, edgecrusher, lynchpin usw., auch der neue Song „soul hacker“ – GEIL! Nur war natürlich, wie immer, die Stimme vom Sänger bei den cleanen Parts total im Eimer und schräg, kennt man ja.

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FEAR FACTORY

Gegen Mitternacht startete dann der Headliner des Tages: WASP. Wir freuten uns auf die Show, da der gute alte Blacky ja tonnenweise Hits im Gepäck haben muss. Es war auch rappelvoll vor der Bühne.
Die Show begann gleich mit einem Lacher, da sich Blacky so erschrak als die ersten Böller vor ihm zündeten, das er vor Schreck das Mikro runterstupste. Der Gesichtsausdruck war herrlich.
Mit „on your knees“ ging es amtlich los und das Publikum feierte schön mit. Danach kamen leider immer wieder total Festival-untaugliche Songs, welche die Stimmung merklich abebben lies. Erst bei „I wanna be somebody“ sind alle wieder aufgewacht und es gab einen endlosen mitgröhl-part.
„animal“ kam leider gar nicht und als Zugabe dann doch endlich „blind in texas“. Blacky Lawless ist lange im Geschäft, aber trotzdem muss man sein Programm nicht lustlos herunterspulen wie heute. Das war echt schade. Etwas mehr gute Laune und mehr alte Hits und das wäre ein top Konzert geworden, welches alle abgefeiert hätten.
WASP leben live einfach von ihren alten Knallern. Die „Headless children“ – Scheibe höre ich liebe in Ruhe zu Hause.
So ging ein toller Tag zu Ende, da wir auf EISBRECHER keinen Bock mehr hatten. Erschöpft ging es in den Schlafsack, morgen wird’s dann etwas ruhiger..

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WASP

Tag 4:

Nein, ich bin keine 16 mehr. Mein Körper gab mir heute morgen die volle Rache für das Rumhüpfprogramm, inkl. Menschenaufschulterntragen vom Vortag. Schmerzen, überall. Meine Waden waren wie Beton…ich sterbe…
Wir haben erstmal in Ruhe gefrühstückt, uns die Teufelsmauer angeschaut und alles gaaanz langsam angehen lassen. Am Nachmittag gab es die geilsten Spanferkel ever im Brötchen, da liessen sich auch HELL ertragen, die ich nicht so spannend fand. Allerdings war es bei jeder Band sehr gut voll vor den Bühnen. Ganz toll – so muss das sein.

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VARG haben wir auch noch etwas gesehen, fand ich überraschenderweise ganz gut, muss ich nochmal reinhören. Danach kamen ORDAN OGAN, kannte ich auch nur vom Namen her, waren aber auch sehr gut. Da muss ich mir wohl noch was zulegen, hat uns überrascht.
DIE APOKALYPTISCHEN REITER waren danach aber auch gar nix für uns und wir zogen wieder Richtung Grillung auf den Zeltplatz.
Endlich wieder Grillfleisch und Flüssigkeit gegen die Hitze. Heute war es wirklich sehr heiß. Traumhaftes Festivalwetter.
Um 22.50 kamen dann meine Helden von DREAM THEATER. Ich war tierisch gespannt, da ich sie lange nicht mehr live gesehen hatte.
Nach dem alten Kracher „afterlife“ kam gleich „metropolis“ und „burning my soul“. Danach wurde es etwas ruhiger mit „ the spirit carries on“. Man merkte aber, das DREAM THEATER fast nur die härtesten Songs im Gepäck hatten: „as i am“, „panic attack“, „constant motion“. Zum Schluss dann noch „bridges in the sky“ und „behind the veil“.
Natürlich sind sie rein spieltechnisch eine Welt für sich und wirklich beeindruckend, aber es ist keine Festivalband. Durch diese (geilen) Instrumentalpassagen und vertrackten Beats kam keine Stimmung auf, und die Leute schauten einfach nur, weil sie den Takt zum Mitklatschen nicht fanden.
Tolle Band – aber nur für Einzelshows oder auf Bluray zuhause.
So ging für uns der letzte Tag zu Ende und wir gingen wieder langsam Richtung Zelt.

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DREAM THEATER

Tag 5 Abreise:

Früh aufgestanden konnten wir zum Glück im Trockenen alles einpacken. Wir haben Samstag schon beobachtet, das einige bereits am Nachmittag abgereist sind. Es gab bereits viele Lücken auf dem Zeltplatz.
Im Gegensatz zu Wacken kommt man schnell wieder vom Zeltplatz runter und waren fix auf der Autobahn mit Zwischenstopp an einer Tanke mit Raststätte, inkl. völlig überfordertem Personal, in ca. 5 Stunden wieder zu Hause.

Fazit:
Es war toll. Eine klasse Alternative zum völlig überladenen Wacken Open Air. Beim ROCKHARZ ist es kleiner aber feiner. Gute Bands, gute Stimmung. Wir haben es sehr genossen.
Es war bestimmt nicht unser letzter Besuch!

Rockharz-Open-Air-2015-Flyer