Rob Lynch habe ich tatsächlich in Good Old Hemmoor, der Heimat von Thees Uhlmann, das erste Mal live gesehen und war sofort überzeugt von dem sympathischen Engländer, der sich oft selbst nicht zu ernst nimmt und Songwritermusik mit Abstechern in Folk, Pop und Co. macht.

Mit „Baby, I’m a Runaway“ liegt jetzt das zweite Album auf dem ehrwürdigen Grand Hotel Van Cleef vor uns und es gibt genau das, was man erwartet hat. Schon der Opener „Prove It“ schleicht sich heimlich in den Hinterkopf und kommt wieder raus, wenn du ihn nicht gebrauchen kannst. An der Supermarktkasse z.B. In der Fullbandversion, die auf dem Album durchgängig gespielt wird, gibt es hier Poprock mit einschmeichelnder Melodie und einem Rob Lynch, der als Schwiegermuttis Liebling durchgeht, ohne dabei nach Streberklassenkloppe zu schreien.

Mit dem Titelsong „Baby, I’m a Runaway“ wird die Eingängigkeit noch eine Spur mehr. Spätestens beim Einsatz der zweiten Stimme im Refrain ab Minute 3 wird das hier ein ganz großes Ding! Schlimm nur, dass ich mich selbst schon mit Kamera in der Hand beim Konzert in Hamburg mitsingen sehe. Denn ich weiß wie ich singe! Wohl nicht nur vom Songtitel abgeleitet habe ich so ein Bon Jovi-Stadiongefühl im letzten Drittel und grinse seelig vor mich hin. Sieht ja keiner.

„Selfish Bones“ war der erste veröffentlichte Track vom Album und daran konnte man ganz gut ableiten, was der Rest auch mit sich bringt. Keine großen Überraschungen, aber das was man von einem Rob Lynch Album erwartet und so an ihm schätzt. Grundehrliche englische SongwriterPoprocksongs, mit einem Grinsen vom Lümmel aus der letzten Reihe. Danke!

Weiter gibt es dann keine großen Ausreisser nach oben oder unten. Songs wie „Closer“ und „Tectonic Plates“ werden dann eine Nummer melancholischer, verlieren sich aber nie in Heulsusensongs, die auch nicht zum Gesamteindruck der Platte passen würden. Und mit „Salt Spring“ geht es dann auch wieder lauter weiter. Und wie! Ich habe sofort Weezer im Kopf und wippe unfreiwillig mit Kopf, Füßen und ganzem Körpereinsatz mit. Lässige Rocknummer, die so aber wohl auch nur in der vorliegenden Bandversion funktioniert.

Und während „Good for me“ wieder so eine Lässigkeit ausstrahlt, als hätte man während der Aufnahmen nicht gearbeitet, sondern einfach nur Spaß mit Freunden im Studio gemacht, wird es mit „Youth“ wieder melancholisch. Nicht erwachsen werden. Tja, das Problem habe ich auch oft und hoffentlich bewahre ich mir das noch lange. Zumindest ein wenig.

„Kings & Queens“ bietet dann den krönenden Herzschmerzabschluß und macht das Bild rund. Punktlandung würd ich sagen. Ich war lange so wenig überrascht von einem Album, zeitgleich aber auch so begeistert. Wie man Weezer, Frank Turner und Gaslight Anthem auf eine Platte verschmelzen kann, wird mir wohl lange ein Rätsel bleiben. Aber wenn es so gut gemacht ist wie bei Buddy Rob Lynch, ist mir auch egal wie, hauptsache es passiert. Wie in der Liebe quasi. KAUFEMPFEHLUNG!

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  1. Prove It!
  2. Runaway
  3. Selfish Bones
  4. Sure Thing
  5. Closer
  6. Tectonic Plates
  7. Salt Spring
  8. Good For me
  9. Youth
  10. Kings & Queens

 

Und in der nächsten Woche geht die Akustiktour von Kumpel Rob Lynch los. Wir sind dabei! In Hamburg! Das sollte man sich nicht entgehen lassen:

 

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Rob Lynch - Baby, I'm a Runaway (Grand Hotel Van Cleef, 22.07.2016)
5.0Gesamtwertung