Mit einer schönen Regelmäßigkeit erfreuen uns die Hamburger Ska-Punker von Rantanplan nun bereits seit über 20 Jahren mit neuen Veröffentlichungen… somit konnte das nächste Album ja auch nur eine Frage der Zeit sein.

Am Freitag hauen uns Torben (Gesang), Kay (Bass), Ulf (Trompete), Gero & Wido (Posaune) und Marlon (Schlagzeug) ihren bereits elften Longplayer „Licht und Schatten“ um die Ohren und zeigen damit, dass sie zwar musikalisch durchaus entspannter und ruhiger geworden sind, inhaltlich aber keineswegs mit weniger Wut und klaren Ansagen daher kommen!

War das letzte Album „Pauli“ noch sehr auf den Kiez bezogen, dem Ort an welchem Torben bisher die meiste und intensivste Zeit seines Lebens verbracht hat, so ist die neue Scheibe räumlich eher ungebunden ausgefallen, wobei man sich dank „Mein Herz hängt an der Reeperbahn“ immer noch nicht so ganz von der Heimat trennen mag.

Heulende Sirenen kündigen den Polit-Opener „D“ an und das daraufhin einsetzende Gebläse weht einem schon zu Beginn der knapp vierzigminütigen Aufführung einen gehörigen Wind um die Ohren… der „Schattenmensch“ reduziert dann sofort merklich das Tempo und besingt das Leben im Schatten, voller Leere und Einsamkeit – besonders hier wirkt Torbens Stimme wieder einmal besonders treffend und bedrückend… gute Nummer!

Und wieder einmal schlagen die Texte so derbe und schonungslos ein, erneut nehmen die Jungs keine Rücksicht auf Verluste und tragen ihren Hass bzw. ihre Wut auf das Leben, das System, Dumpf-Deppen und „was nicht alles“ direkt nach draußen… irgendwer muss es ja schließlich tun, danke hierfür!

Ob es die „Revolution (Emma G.)“ sein soll, die wir uns hart erkämpfen (oder besser gesagt „ertanzen“) müssen, oder die Party mit dem „Sonnenkopf“, spätestens die instrumentale Off-Beat Nummer „Hörbie“ bringt uns und unsere, vom kalten Winter recht eingerosteten Knochen, langsam in Wallungen bzw. auf Betriebstemperatur… so tut sich das doch gut an!

Auch der Trip nach „Kiel“ geht in Ordnung und spätestens mit dem mutigen und abgefahren intonierten Tocotronic-Cover „Explosion“ hat das Album seinen besonderen Moment… denn ansonsten gibt es zwar wenig „Schatten“, aber auch nicht überschwänglich viel „Licht“ auf dem neuen Album.

Bei der entspannten Abschlussnummer „Zur Liebe Zu Fuß“ kümmern sich Rantanplan dann noch um die Frage, was man nicht alles für die schönste Sache der Welt macht – oder würdet ihr für die Liebe nicht auch mindestens von Hamburg nach Schleswig laufen… also mindestens, oder?!

Dank der feinen Clouds Hill Menschen (und hier im Speziellen Linda Gerdes) ist ein qualitativ astreines Album entstanden, für welches man die sechs Hamburger beglückwünschen darf… okay, wer Wert auf Mainstream-Zeugs legt sollte hier weiter gehen, denn das man mit Ska-Punk irgendwann regelmäßig im Radio laufen wird oder damit velleicht sogar unsagbar reich werden wird, das haben sich die Hamburger schon lange abgeschminkt!

Auffallend ist, dass „Licht und Schatten“ ein durchaus ernsteres Album geworden ist… soll heißen, dass die humorvolle Interpretation der Songs mittlerweile mehr in den Hintergrund gerückt ist und die Schonungslosigkeit der heutigen Zeit auch nicht einfach so an den Herren Rantanplan vorbei geht – mag es das langsame „Erwachsen werden“ sein, oder einfach nur Resignation… nennt es wie ihr wollt!

 

rantanplan_lichtundschatten_cover_

Titel:
1. D
2. Schattenmensch
3. Revolution (Emma G.)
4. Sonnenkopf
5. Hörbie
6. Mein Herz hängt an der Reeperbahn
7. Kiel
8. Geisterfahrer
9. Krokodilstränen
10. Explosion (Bonustrack)
11. Konfessionen eines Nietenpunks (Bonustrack)
12. Zur Liebe zu Fuß

Erscheinen wird „Licht und Schatten“ als einfache CD, als Digipak, als limitierte Vinyl (500 Stück), sowie als umfangreiches limitiertes Boxset (500 Stück) mit Bonus CD, Bluetooth Speaker, 7″ Vinyl, signierte Fotocard und Sticker… da kriegt man mal ordentlich was für sein Geld, gell?!

Wem das noch immer nicht reichen sollte, der kann sich die Jungs von Rantanplan ab Anfang Februar dann auch live anschauen… nämlich hier:

02.02.17 Saarbrücken, Garage
03.02.17 Stuttgart, Universum
04.02.17 Biberach, Kulturhalle
11.02.17 Annaberg B., Alte Brauerei
15.02.17 Frankfurt/Main, Das Bett
16.02.17 München, Feierwerk
17.02.17 Weinheim, Cafe Central
18.02.17 Wolfsburg, Hallenbad
23.02.17 Rostock, Peter Weiss Haus
24.02.17 Berlin, Cassiopeia
25.02.17 Hannover, Bei Chez Heinz
02.03.17 Göttingen, Musa
03.03.17 Lüneburg, Salon Hansen
04.03.17 Husum, Speicher
09.03.17 Brilon, Kump
10.03.17 Oberhausen, Druckluft
11.03.17 Schüttorf, Komplex
17.03.17 Konstanz, Kulturladen
18.03.17 Koblenz, Circus Maximus
23.03.17 Bern (SUI), Roessli
24.03.17 Zug (CH), Galvanik
25.03.17 Selm, JZ Sunshine
31.03.17 Bremen, Tower
01.04.17 Köln, Underground

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Rantanplan – Licht und Schatten (Drakkar/Soulfood, 13.01.2017)
4.3Gesamtwertung