Und wieder bin ich mit meinem Handwritten Classic an der Reihe und wieder musste ich nicht lange überlegen. Während ich im ersten Schritt bei Green Day gelandet bin, ist die nächste Konsequenz „And Out Come The Wolves“. Ich denke kaum ein 90er Punkrocker, Nietengürtelträger und Biertrinker ist an dieser Band und diesem Album vorbei gekommen.

Ich erinner mich wie heute, wie ich damals mit 16 oder so in der niedersächsichen Provinz den Aftershow-DJ zu einem Dorfkonzert umringt von Kreuzen, Weihrauch und angeblichen Jungfrauen geben durfte. Da spielte ich also „Roots Radicals“ mit meinem C&A Nietengürtel und rotem Stern an der schwarzen Kapuzenjacke und die einzige (!) Punkband aus der Gegend flippte aus. Zum DJ des Jahrtausends gewählt spielte ich mich so beruhigt und unter massig Freigetränken durch die 90er Punkhits und wähnte mich schon im Rockstarhimmel.

Besonders der 90er Punk aus den Staaten hat es mir bis heute angetan. Aber kein Album hat mich über Jahre und bis heute so mitgenommen wie dieses schöne Stück Punkgeschichte. Von „Roots Radicals“ über „Time Bomb“ bis zum Lieblingssong jeder Dorfschönheit „Journey to the End (of the East Bay)“ spiegeln die Songs von den hübschen Gesellen eine Lebenseinstellung wieder, die damals einer ganzen Generation zeigte was Lässigkeit ist. Jeder Teenie, der auch nur im Ansatz was mit Punk und Ska anfangen konnte, wollte wie Tim Armstrong sein und natürlich auch Broody mit nach Hause nehmen. Na das hätte im katholischen Haushalt ein großes Hallo! gegeben.

Mitte der 90er war jede zweite Platte aus den Staaten bestens geeignet sich den Ellenbogen beim lässigen Ausfahren des VW Polo in der Sonne zu verkohlen, aber während Fat Mike eher der lustige (leicht assige) Clown und viele andere Bands eher die Surferdudes waren, waren Rancid für mich mit einigen anderen immer mehr Punk. Mehr Aufnäher. Mehr Iro. Mehr „Roots Radical“.  Als ich später feststellte, dass Armstrong Songs für Popsternchen wie z.B. Pink! schreibt, war ich erst verblüfft, verbuchte das dann aber unter „Der zeigt denen mal was gute Songs sind“.

 

So kam es auch, dass ich später enorme Schwierigkeiten hatte die Erstpressung besagter Platte zu bekommen. Mittlerweile in der gefühlt 50ten Auflage nachgepresst, war „And Out Come The Wolves“ die Scheibe, die man auch einfach ohne Plattenspieler haben musste. Vermutlich hatte ich schon damals im jugendlichen Fieberwahn das Gefühl das ich damit ein Stück Geschichte und Lebensgefühl gebannt auf ein schwarzes Stück Vinyl in meinem Regal stehen habe. Und mittlerweile leicht ergraut fühlt es sich mindestens noch genauso an.

Ich habe außerdem wenige Platten im Regal, bei denen ich ausnahmslos jeden Song (und hier sind es immerhin 19) als Hits bezeichnen würde. Und sollte ich mich in Kreisen des guten Musikgeschmacks auf die Suche machen, würde ich bestimmt einige finden die diverse Kisten Bier mit diesem Album in Dauerschleife austrinken würden.

 

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  1. Maxwell Murder
  2. The 11th Hour
  3. Roots Radicals
  4. Time Bomb
  5. Olympia WA.
  6. Lock, Step & Gone
  7. Junkie Man
  8. Listed M. I. A.
  9. Ruby Soho
  10. Daly City Train
  11. Journey to the End of the East Bay
  12. She’s Automatic
  13. Old Friend
  14. Disorder and Disarray
  15. The Wars End
  16. You Don’t Care Nothin‘
  17. As Wicked
  18. Avenues & Alleyways
  19. The Way I Feel