Da unsere Handwritten Classics ja fast immer besondere Songs von besonderen Alben beinhalten und die für uns immer besondere Bedeutung haben, komm ich um Rage against the Machine, den brennenden Mönch und den Satz, der in den 90ern eine ganze Generation geprägt hat, nicht drumrum. Denn noch heute halte ich es mit „Fuck you, i won’t do what you tell me“.

Es muss so um 1993 gewesen sein, als die große Schwester eines Freundes mir ein Tape aufgenommen hat und auf die zweite Seite das besagte Album klatschte. „Musste haben! Musste kennen!“ waren ihre Worte. Zur gleichen Zeit musste ich in der Schule bei der Rosenmontagsparty mitwirken. Wie so eine Rosenmontagsparty in einer Schule in einer katholischen Gegend halt aussieht. Aber zum Glück hat man eine Stunde „Party“ eingeplant und einen der Jüngeren (nämlich mich) zum DJ für diese Stunde ausgesucht. Schließlich ist der noch klein und kann nicht viel kaputtmachen. Weil man mit 13 natürlich auf Coolness statt Anpassung setzt, war mir schon vorher klar das es keinen Ententanz zu Hören geben wird. Kurz zusammengefasst befanden sich in der verdunkelten Aula einige hundert Kids im Alter von 13-17 und ich mit Tapes und ein paar CDs am Mischpult. Genau drei Songs lang hatten wir den Spaß unseres Lebens und ich fühlte mich wie ein Rockstar. Drei Songs die akustisch kurzzeitig die sonst ziemlich spießige Schule zerlegten und mich zum coolsten 13jährigen der Welt machten, weil mir selbst die „Großen“ anerkennend auf die Schulter klopften. Das waren „Nigger“ von Clawfinger, „Bodycounts in da House“ von Bodycount und eben „Killing in the Name of“ von Rage against the Machine. Das wurde begleitet von vielen mitsingenden und mitschreienden Teenies, die vermutlich doch heimlich einen Apfelkorn hatten und gefühlt bis zur Decke hüpften. Großartig! Das nächste wären dann NoFx gewesen, aber irgendein gewissenloser Lehrer hat den Strom geklaut und ich musste mich für zuviel „Motherfucker“, „Nigger“ und „Fuck“ rechtfertigen. Bis heute weiß ich noch, dass der Song „Nigger“ von eben allen Ü40jährigen falsch verstanden wurde. Na was wissen die schon.

 

 

Neben „Killing in the Name of“ hatte das Album aber soviel mehr zu bieten. „Bombtrack“, „Bullet in the Head“, „Take the Power back“ und „Know your Enemy“ waren der Soundtrack für die geballte Faust. Und das Genreübergreifend. Der Sound zwischen Sprechgesang, Dreads und Crossovergitarren hatte vor allem Live oder in Menschenmengen konsumiert so unglaublich viel Power, dass man gar nicht anders konnte als die Faust in die Luft zu reissen und gegen alles und jeden zu sein. Damals waren die Skatepunks, die kopfschüttelnde Running Wild Fraktion und die Leute mit schief sitzenden Mützen gleichermaßen infiziert. Auch wenn man in der dörflichen Heimat die größte Revolution der besoffen rasierte Iro und damit der Ausbruch aus jahrelanger Spießigkeit war. Irgendwie fängt Revolution bei jedem Teenie woanders an und wenn du im katholischen Eichsfeld auswachst, ist es eben das Slayershirt mit dem gekreuzigten Typen drauf und der vorprogrammierte Aufschrei der Dorfältesten.

Ich kann mich an keine andere groovende und zeitgleich so derbe Platte erinnern, die beim einsetzenden Bass irgendwas in den Menschen auslöst. Wut, Aufregung, Freude und das Gefühl mit hunderten oder tausenden Menschen auf dem Konzert eine Einheit zu sein.

Für mich ist dieses 1992er Album noch heute eine Garantie betrunkene Ü30 Menschen mit Geschmack zum Springen zu bringen. Danke Zack de la Rocha und Tom Morello! Danke Rage against the Machine!

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  1. Bombtrack – 4:05
  2. Killing in the Name – 5:14
  3. Take the Power Back – 5:37
  4. Settle for Nothing – 4:49
  5. Bullet in the Head – 5:09
  6. Know Your Enemy – 4:57
  7. Wake Up – 6:04
  8. Fistful of Steel – 5:31
  9. Township Rebellion – 5:25
  10. Freedom – 6:06