Queen bei eurem Lieblings-Alternative-Music-Magazine? Dieser überkandidelte Mainstream-Rockpop aus den 80ern? Ja, genau der. Aber erst mal halt: Unser Gastautor Stefan Graßl geht weit zurück in die Anfangstage der Band. In den ersten Jahren waren Queen ganz anders. Hard Rock pur. Manche Songs tendierten gar Richtung Proto-Metal. Der künstlerische Anspruch ist auch nicht zu verachten. Gerade die ersten beiden Platten klingen für heutige Ohren schon etwas schräg und der Einfluss auf bekennende Fans wie den Foo Fighters, Blind Guardian oder Metallica ist nicht zu unterschätzen…

 

BBC-Sessions gibt es einige, die sich wirklich lohnen. Erst vor kurzem haben z. B. auch Led Zeppelin ihre Aufnahmen neu restauriert wieder auf den Markt geworfen. Von Queen gibt es diese heuer das erste Mal käuflich zu erwerben. Vom Klang her sind die Sessions allesamt zeitlos frisch und klingen hervorragend – ein wahrer Ohrenschmaus!

Was mich vom ersten Ton an umhaut, ist das Zusammenspiel der Band. Etwas irritierend finde ich, dass bei „Keep Yourself Alive“ von 1973 ausgefadet wird – das sind doch Live-Aufnahmen, die im BBC-Studio aufgenommen wurden? Dies liegt jedoch laut Angabe der Plattenfirma daran, dass bei der ersten Session mit Overdubs gearbeitet wurde. Im Prinzip kaum ein Unterschied zu den Originalaufnahmen.

Doch man braucht keine Angst haben: Diese Qualität ändert sich bei den anderen Sessions keineswegs. Die Truppe war einfach bärenstark und jeder der eine andere Meinung vertritt, sollte sich vielleicht gerade die weiteren Aufnahmen anhören. Zum Niederknien ist auch der Gitarrensound von Brian May – der begeistert mich gleich vom Fleck weg. Satt und fett, so muss das sein! Wahnsinnig sind auch die Backgroundchöre der Kulttruppe. Man höre sich nur mal „Liar“ an – das erinnert mich stark an The Sweet. Immer wieder fein zu hören. Und dann das Riff…

Die Aufnahmen fanden insgesamt von 1973 – 1977 statt. Man kann hier gut erkennen, wie sich die Truppe musikalisch immer weiter entwickelt. Vor allem mit „White Queen“, dem von Metallica gerne gecoverte „Stone Cold Crazy“ oder dem Über-Hit „Now I’m Here“ zeigen sie die zukünftige Marschrichtung an. Über allem thront die markante Stimme von Mr. Freddie Mercury. Immer wieder gigantisch, was der aus seinen Stimmbändern damals rausgeholt hat. Die Band pflügt sich hier recht brachial durch das Programm. Sehr beeindruckend finde ich auch auf Session 3 das von Roger Taylor gesungene „Modern Times Rock N Roll“.

Die Aufnahmen zeigt die englische Band in der für mich spannendsten musikalischen Phase überhaupt – den 70ern. Roh, naturbelassen und brutal gut. Klar haben sie in den 80ern ihre größten Hits geschrieben, die stärksten und rockigsten Alben sind jedoch in den 70ern beheimatet.

Fazit: Für Queen-Fans das ideale Weihnachtsgeschenk. Einzig die „Begleitgaben“ bei der einfachen Doppel-CD sind relativ knapp ausgefallen. Ein paar Zeilen von zumindest einem der Beteiligten hätten es schon sein können. Aber ansonsten musikalisch eine sehr gelungene Geschichte!

 

Queen On Air Cover Art

Trackliste:

CD 1
1. My Fairy King
2. Keep Yourself Alîve
3. Doing All Right
4. Liar
5. See What A Fool I’ve Been
6. Keep Yourself Alive
7. Liar
8. Son And Daughter
9. Ogre Battle
10. Modern Times Rock n Roll
11. Great King Rat
12. Son And Daughter

CD 2
1. Modern Times Rock n Roll
2. Nevermore
3. White Queen (As It Began)
4. Now I’m Here
5. Stone Cold Crazy
6. Flick Of The Frist
7. Tenement Funster
8. We Will Rock You
9. We Will Rock You (Fast)
10. Spread Your Wings
11. It’s Late
12. My Melancholy Blues

Queen - On Air (Virgin/Universal Music, 04.11.2016)
4.6Gesamtwertung