PSYCHOTIC WALTZ – a social grace

Es gibt hunderte Scheiben, die ich wirklich gut finde, aber es gibt sehr wenige, die einen wirklich mitreißen und über viele Jahre bis heute fesseln. Das sind die Scheiben, die einem viel bedeuten und viel mehr Wert sind als der Kaufpreis…

Wir schreiben das Jahr 1990. Dream Theater haben uns vor kurzem mit ihrem Debut die Kinnladen offen stehen lassen, doch auf einmal kommt da eine junge Kapelle aus San Diego namens PSYCHOTIC WALTZ um die Ecke und stellt das kleine Musikuniversum des Schreibers dieser Zeilen nun komplett auf den Kopf.
Auch die schreibende Zunft damals überschlug sich mit Lobeshymnen gerade in Deutschland und Europa.
„A social grace“ wird von nun an mein ständiger Begleiter und mein Referenzalbum für alles aus diesem Genre.
Auch wenn ich mich jetzt weit aus dem Fenster lehne: Es gibt auf diesem Planeten keine (KEINE!) andere Metalband die auch nur im Ansatz so atmosphärische, technische, gefühlvolle und doch harte Songs schreiben kann wie PSYCHOTIC WALTZ. Diese Band lebt in ihrem eigenen Progmetal-Universum, total konkurrenzlos.
Wenn ich einen neuen Stil nennen sollte, würde ich es als Atmosphere-Metal beschreiben.

psychotic front
Eine wahnsinnige tighte Rhythmusmaschinerie von Schlagzeuger Norm Leggio und Basser Ward Evans gepaart mit den unglaublichen psychedelicrockmetalgeschwängerten Gitarrensounds von Dan Rock und Brian McAlpin. Ich habe noch nie so gefühlvolle Solis gehört ohne das einer ins geshredde abdriftet.
Als Krone schwebt über allem der unvergleichliche Gesang von Gott äähh Buddy Lackey aka Devon Graves. Er sing nicht einfach irgendwelche Gesangslinen – er lebt den Song. Seine Stimme ist ein perfekt passendes Instrument um alle Teile des Songs auf eine neue Ebene zu transportieren.

Der Sangesgott mit Fanboy 2011 😀

Diese unglaublichen atmosphärischen Kunstwerke tragen die Stimme auf so unnachahmliche Art und Weise durch das Album und lassen den Hörer tief in die Seele des Songs blicken. Freudentränen und Gänsehaut wechseln sich permanent ab – ein einziger Mahlstrom von Gefühlen und Sounds.
Die für damalige Verhältnisse tolle transparente Produktion gibt dem Hörer den perfekten Ohral-Verkehr.

pw band 90

Nach dem Opener „…and the devil cried“ gibt’s schon kein halten mehr. Hier noch harter Progmetal mit Achterbahnfahrten, tollen Melodien mit harten Riffs,  merkt man aber schon alleine am Gesang, das alles hier anders ist – einzigartig, neu und fesselnd. Jeder der folgenden Songs erzählt dir eine Geschichte, die dich nicht mehr losslässt und man muss einfach immer weiter hören. „In this place“ ist einfach nur psychotic! Mit „i remember“ gibt es sogar eine Ballade mit Akustikgitarre und Querflöte (gespielt vom Sänger himself, großer Jethro Tull fan), die man lieben muss. Toller Text und eine Melodie zum mitsingen ohne auch nur im entferntesten kitschig zu sein.
Danach wechseln sich Progmetal („in this place“ ) mit psychosounds („sleeping dogs“) und Gänsehaut („spiral tower“) ab, jeder Song bringt dich dem emotionalmusikalischem Wahnsinn nahe, bis nach „nothing“ leider die Reise vorbei ist und man völlig erschöpft aber glücklich feststellt, wie geil das alles gerade war.

Das unglaublich toll gemalte Cover ist vom Künstler und Tattooartist Mike Clift, der leider vor kurzem viel zu früh gestorben ist. Er war ein unglaublich netter Typ, mit dem ich noch Briefkontakt hatte und er mir sogar eine Zeichnung schenkte. R.I.P. brother.

pw cover back

Ich durfte PSYCHOTIC WALTZ mehrfach live erleben, es war jedes mal unfassbar geil und ein einzigartiges Erlebnis, wie diese Band es schafft diese Atmosphäre live rüber zu bringen. Ganz ganz großes Kino.

Jeder Fan dieses Musikstils wird die Band eh kennen, wer nicht – sofort kaufen und diese Bildungslücke schließen. Die Platte wurde auch im clear Vinyl neu Aufgelegt!
Das Nachfolgealbum „into the everflow“ ist im übrigen vom gleichen Kaliber 😉
Seit Jahren warte ich auf ein neues Album, welches ja schon lange in der Mache ist. Mal sehen wann da der neue Knaller endlich kommt.

Doch bis dahin, zurücklehen und abtauchen in die Welt von PSYCHOTIC WALTZ mit „a social grace“ ….

 

Psychotic Waltz – nothing

 

Tracklist:

1. …And the Devil Cried – 5:45
2. Halo of Thorns – 5:31
3. Another Prophet Song – 5:28
4. Successor – 4:13
5. In this Place – 4:10
6. I Remember – 5:26
7. Sleeping Dogs – 1:34
8. I of the Storm – 4:34
9. A Psychotic Waltz – 6:11
10. Only in a Dream – 3:37
11. Spiral Tower – 5:59
12. Strange – 6:38
13. Nothing – 5:44