Als eingefleischter Pixies-Fan war ich 1993 natürlich untröstlich, als Frank Black uns die traurige Nachricht überbrachte, dass sich die Band getrennt hätte… hieß es doch erst, man wolle erstmal ein wenig Pause machen und sich dann um die Soloprojekte der einzelnen Bandmitglieder kümmern.

Genauso plötzlich und unerwartet wie die Trennung, erreichte mich dann elf Jahre später die Meldung, dass die Pixies sich zusammen auf Tour begeben würden und man somit auch in absehbarer Zeit wahrscheinlich mit neuen Stücken rechnen könnte.

Trotz allem sollte es bis 2014 dauern, bis ein neues Studioalbum veröffentlicht wurde, welches mit Platz 10 sogar die höchsten Chartplatzierungen der Band in Deutschland erreichte…. aber bei mir persönlich blieben die Nummern von „Indie Cindy“ nur bedingt hängen.

Wenn man in seiner Karriere Songs wie „Gigantic“, “Debaser” oder „Where Is My Mind?“ geschrieben hat, welche nicht alleine durch „Fight Club“ (bei welchem letztgenannter Hit als Abschlusssong genutzt wurde) für immer in Erinnerung bleiben werden und dadurch die Messlatte für alle weiteren Veröffentlichungen fast unerreichbar hoch gelegt hat, dann stellt man sich automatisch die Frage, wie sehr sich die Songs des neuen Albums „Head Carrier“ überhaupt dort einreihen können.

Nun liegt es also vor mir, das neue Album der Bostoner Indie-Rocker, deren Besetzung eigentlich bis auf den Bass seit Beginn immer gleich geblieben ist, Urbassistin Kim Deal (ebenfalls langjährige Sängerin von The Breeders) stieg 2013 aus und wurde nach einem kurzen Intermezzo von Kim Shattuck von der jetzigen Bassistin Paz Lenchantin ersetzt, die bereits Gründungsmitglied bei A Perfect Circle und Bassfrau bei der Billy Corgan Band Zwan war.

So, Schluss mit Gesabbel und endlich ran an „Head Carrier“!

Also wer unsagbar neues erwartet kann sich gleich schon einmal von dem Gedanken verabschieden, denn die zwölf Nummern sind ein guter Querschnitt der Songs vergangener Tage, quasi der gesamten Pixies Ära… psychodelische, rockig, abgedreht, wie man es nun mal von der Band kennen und meistens auch lieben gelernt hat.

Sei es der Opener und Titelsong „Head Carrier“, der noch recht sanft aber dank der Stimme von Mr. Black unverwechselbar ist, oder „Classic Mashers“, bei welchem das Tempo bereits angezogen wird und wo der Background Gesang von Paz erstmals kurz einen Einblick in ihr Können gibt – der Anfang klingt doch schon vielversprechend!

Richtig rau und dreckig wird es dann bei „Baals Back“ (meinem persönlichen Highlight bis dahin) und endlich machen sie ihrem Ruf, als wegweisende Band des Grunge bzw. Alternative-Rock zu gelten, alle Ehre… nicht umsonst zählte Combos wie Nirvana, The Strokes oder sogar U2 die Bostoner zu ihren großen Vorbildern!

Die darauf folgenden Nummern läuten den entspannteren Teil des Albums ein, „Might As Well Be Gone“ kann man sogar gut und gerne als ruhigsten Song der ganzen Scheibe bezeichnen… richtig mitgenommen fühle ich mich eigentlich erst wieder bei „Bel Esprit“, welches mich an die guten alten „Surfer Rosa“ Zeiten erinnert und mit „All I Think About Now“ ist auf dem Album sogar ein Song vertreten, bei welchem Frank Black den Gesangspart entspannt Paz überlassen hat… wann hat es das in der Vergangenheit schon mal gegeben?

„Um Chagga Lagga“ zieht den Gashahn (für ihre Verhältnisse) dann nochmal bis zum Anschlag und die temporeiche Country-Rock Nummer „Plaster Of Paris“ entschädigt mich für den einen oder anderen für mich doch zu langsamen Song… die letzte Nummer „All The Saints“ möchte ich hier exemplarisch erwähnen.

Ich möchte es mal so ausdrücken, den Pixies ist mit „Head Carrier“ ein solides Rock-Album gelungen, Songs für die Ewigkeit sucht man hier aber leider vergebens… Fans greifen eh zu, das ist klar! Der Rest sollte sich dann eher an die ersten drei Studioalben halten.

 

cd-cover

Titel:
1. Head Carrier
2. Classic Masher
3. Baals Back
4. Might As Well Be Gone
5. Oona
6. Talent
7. Tenement Song
8. Bel Esprit
9. All I Think About Now
10. Um Chagga Lagga
11. Plaster Of Paris
12. All The Saints

 

Wenn man die Pixies auch live sehen möchte, dann sollte man sich schnell Karten für die einzigen beiden Konzerte im deutschsprachigen Raum besorgen! Wer dann an der Gitarre anzutreffen sein wird ist noch nicht klar, da sich Gitarrist Joey Santiago aktuell in einer Entzugsklinik befindet um seine Alkohol- und Drogensucht in den Griff zu bekommen.

15.11. Wien (AT) – Stadthalle
24.11. Köln – Palladium

BANDPAGE

Pixies - Head Carrier (Pixiesmusic/PIAS, 30.09.2016)
3.9Gesamtwertung