Philipp Poisel spaltet in meinem Freundeskreis die Gemüter. Für die eine Seite sind die Songs, die so melancholisch und gefühlvoll um die Ecke kommen, pure Poesie und für die anderen ist es unerträglich Poisel beim Weinen zuzuhören. „Wie soll ein Mensch das ertragen“ ist für mich persönlich einer der traurigschönsten deutschen Songs, die ich jemals gehört habe.

Für die eine Seite mach ich mich unglaubwürdig als Punkrockhörer ein Review zum neuen Album von dem Mann zu schreiben, der ihnen soviele Nerven geraubt hat, da ihre Freundinnen und Frauen diese Platten hoch und runter hören. Und für mich persönlich war dieses Album wie ein Weihnachtsgeschenk beim Auspacken, weil ich so gespannt war auf eine mögliche Entwicklung eines Künstlers, der mit minimalistischen Mitteln und seiner zerbrechlichen Stimme soviele Herzen erobert hat.

Mit „Mein Amerika“ und zwei vorher veröffentlichten Songs hat man die Erwartungstöpfe schon voll gemacht mit Überraschungssuppe und nach den ersten Woche mit diesem Album kann ich sagen, es lohnt sich zu warten und gespannt zu sein. Für Fans. Für Freunde von deutschsprachigem Indiepop. Da wird der reduzierte Sound plötzlich in ein Indiepopkleid gesteckt und für uns tanzen gelassen. Und das funktioniert ausgesprochen gut.

Ob nun über die eigene Jugend gesungen wird wie in „Zum ersten Mal Nintendo“ oder gewohnt herzschmerzige Songs wie „Geh nicht“ traurigschön zelebriert werden, funktioniert es. Es funktioniert, weil es noch immer dieser Philipp Poisel ist, dem man über den Kopf streicheln und „Alles wird gut“ sagen will, ist. Und das in der Gewissheit da einen gestandenen Musiker vor sich zu haben, der ganz genau weiß welchen Knopf er bei uns drücken muss.

In „San Francisco Nights“ wird Luisa Babarro für die zweite, weibliche Stimme eingespannt und das macht diesen Song zu einer besonderen kleinen „IndiePopPerle“.  Großes Kino!

Auch wenn hier alles nach nach vorne kommen, nach Veränderung und Weiterentwicklung schreit, haben wir ein Philipp Poisel Album, wie es sich jeder Fan wünscht. Große Songs aus kleinen Melodien und dazu mit viel Herzblut und Herzschmerz. Ein melancholisches und traurigschönes Album, wie es wohl nur ein Philipp Poisel kann.

  1. Erkläre mir die Liebe
  2. Roman
  3. Mein Amerika
  4. Zum ersten Mal Nintendo
  5. Geh nicht
  6. Wir verbrennen unsere Träume nicht
  7. San Francisco Nights
  8. Wenn die Tage am dunkelsten sind
  9. Für immer gut
  10. Bis ans Ende der Hölle
  11. Das kalte Herz
  12. Ein Pferd im Ozean

 

Wer sich davon live auf der Arenatour überzeugen möchte, kann das an folgenden Terminen tun:

27.03.2017 – Lingen / Emslandarena
28.03.2017 – Hannover / Tui Arena
29.03.2017 – Hamburg / Barclaycard Arena
31.03.2017 – München / Olympiahalle
01.04.2017- Stuttgart / Schleyerhalle
03.04.2017- Berlin / Mercedes-Benz Arena
04.04.2017- Leipzig / Arena
05.04.2017- Wien / Stadthalle
07.04.2017- Bamberg / brose Arena
08.04.2017- Köln / Lanxess Arena
09.04.2017- Bielefeld / Seidenstickerhalle
11.04.2017- Oberhausen / König-Pilsener-Arena
12.04.2017 – Frankfurt / Festhalle

30.06.2017 Bad Mergentheim, Schlosshof
01.07.2017 Bluetone Festival, Straubing
02.07.2017 Mainz, Volkspark
13.07.2017 Graz(A), Freiluftarena Messe
14.07.2017 Linz (A), Domplatz
21.07.2017 Ulm, Münsterplatz
29.07.2017 Mönchengladbach, SparkassenPark
06.08.2017 Schwetzingen, Schlossgarten
18.08.2017 Braunschweig, BraWo-Bühne
24.08.2017 Dresden, Elbufer
26.08.2017 Magdeburg, Domplatz

Philipp Poisel - Mein Amerika (Grönland Records, 17.02.2017)
4.8Gesamtwertung