Nach den Neuveröffentlichungen der 2009 und 2012 erschienenen Alben „In Never Out“ und „Keys“ auf Vinyl kommt nun auch gänzlich neues Material der schwedischen Postrockinstitution pg.lost. Die schwedische Postrockformation, die, mehr noch als die Lands Männer von EF, von einem Kontrast zwischen ambiesquen Sounds und vergleichsweise harten und intensiven Momenten lebt, bewies auch schon in der Vergangenheit, dass sie eine sehr wandelbare Band sein kann.

Schon beim ersten Stück des neuen Albums wird eine gewisse Versatilität deutlich. Elektronische Sounds und Synthesizer, die auf dem Vorgänger „Keys“ schon teilweise das Klangbild prägten, jedoch wesentlich verhaltener eingesetzt waren, läuten das neue Album ein. Im Anschluss entwickelt sich der Opener jedoch in Richtung einer überraschend hoffnungsvollen Hymne, nicht um zuletzt dann aber doch noch in die gewohnte, intensive Düsterkeit und Energetik der Schweden umschlägt, die man so teilweise auch von den amerikanischen Kollegen von Caspian gewohnt ist.

Atmosphärische Synthesizer bilden dabei eine Ergänzung zu den von pg.lost gewohnten Klangwelten und nehmen auf „Versus“ die bisher wohl prominenteste Rolle in der Diskografie der Band ein. Man fühlt sich zeitweilig erinnert an God Is An Astronaut und im dritten Stück „Monolith“ hat man sogar das Gefühl, mitten in Mogwais Konzeptalbum „Atomic“ gelandet zu sein. Der Titeltrack beginnt wiederum mit einer recht kirchlichen Atmosphäre, die durch eine Orgel implementiert, kurze Zeit später jedoch erneut durch die Konstante des Releases, den Synthies, ergänzt wird und erneut auf Mogwai verweist. Ein Soundgemisch, das man so auch noch nicht von pg.lost kannte und abermals die Wandlungsfähigkeit der Band unter Beweis stellt.

Streckenweise erinnert „Versus“ an Caspians 2012er Album „Waking Season“, auf dem diese auch zum ersten Mal begannen, exzessiv Synthesizer in ihre Musik einzuweben und einen spacigeren Pfad beschritten. Der neue Langspieler könnte auch hervorragend als Soundtrack für einen Weltraumfilm oder –doku herhalten. Nichtsdestotrotz muss man, gerade im Vergleich mit einem Album wie „Waking Season“ und auch dem vorherigen Material der Schweden zugeben, dass hier das letzte Quäntchen Pfeffer fehlt, was Dramaturgie und Songwriting der Stücke angeht. Für mich haben sich pg.lost gerade durch diese Fähigkeiten deutlich aus der Masse der Postrockvertreter abheben können. Daher enttäuscht mich das zeitweilige Fehlen jener Fähigkeiten, vom bombastisch guten Opener „Ikaros“ einmal abgesehen, doch ein wenig.

Auch die Produktion wirkt nicht konsequent, nicht kompositionsdienlich genug. Alles ist auf die elektronischen Klänge, die ähnlich hochwertig wie auf Mogwais „Atomic“ klingen, ausgelegt, zu wenig wurde auf Schlagzeug, Bass und Gitarren geachtet, die fast nur noch Beiwerk scheinen. Eine wesentlich gelungenere Mischung aus elektronischen Effekten und organischer Dynamik stellt der Vorgänger „Keys“ da, dessen Songwriting mir auch streckenweise mehr zusagt als auf dem neuen Album.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen. „Versus“ ist nun kein schlechtes Postrockwerk, jedoch habe ich mir von Koryphäen wie pg.lost aufgrund der brillanten Diskografie doch mehr erwartet.

pel066-pg-lost-versus-cover

01. Ikaros
02. Off The Beaten Path
03. Monolith
04. Versus
05. Deserter
06. Along The Edges
07. A Final Vision

pg.lost - Versus (Pelagic, 16.09.2016)
4.1Gesamtwertung