Der „Panther“ ist da. Heiß, aber sicher auch äußerst skeptisch erwartet. Die vorab veröffentlichten Tracks zeigten recht deutlich, dass Pain Of Salvation musikalisch einen etwas anderen Weg eingeschlagen haben. Aber muss einen das verwundern, bei einer Band, welche das Progressive nicht bloß als sinnentleerte Worthülse für eine Schublade vor sich herträgt, sondern auch stets fortschrittlich in der eigenen Entwicklung war?

Ich denke nein. Und so muss man sich auch auf dieses Album einlassen können, welches statt metallischen Abfahrten viele elektronische Spielereien und Loops bietet und damit einen Art „Prog meets Triphop“-Sound erschaffen wurde. Mit Ausnahme der furchtbaren, Autotune-verseuchten Single „Restless Boy“ – die alles enthält was zum Beispiel bei Muse in den letzten Jahren schiefgelaufen ist – klingen die meisten Nummern wirklich nicht unspannend, wenn vielleicht manchmal nicht ganz zu Ende gedacht.

Und das vor allem, da unter dem Geblubber immer noch die selben emotionalen Abfahrten und das selbe Songwriting stecken, für welche Pain Of Salvation von Anbeginn standen. Nummern wie „Accelerator“, „Keen To A Fault“ oder auch der hart groovende Titeltrack mögen anfangs befremdlich klingen, stecken aber voller Gefühl und Dramatik und warten unter der maschinellen Oberfläche mit tonnenweise, in Melancholie gegossene Menschlichkeit auf.

Wer bereits früher mit dem Pathos eines Daniel Gildelöw seine Probleme hatte, wird sich aber trotzdem auch im neuen Klanggewand nicht damit anfreunden können. Der Schwede wird in seinen Songs gewohnt persönlich und setzt sich auf dem Album mit seinem nonkonformistischen Selbst in einer gleichförmigen Welt auseinander. Das muss man abkönnen, dann wirkt auch ein dunkel stampfendes Stück wie das wuchtige „Unfuture“ oder das anfangs balladesk einleitende und groß aufblühende „Wait“.

Wer die ersten 40 Minuten gebannt (oder vielleicht auch etwas verstört/verwirrt) ausgeharrte, wird am Ende mit dem emotionalen, großen Longtrack „Icon“ verwöhnt, welche auch alte Fans mit der Band wieder versöhnen dürfte. Das Durchhalten lohnt sich also. Ein Klassiker im Katalog der Band dürfte „Panther“ aber nicht werden, eine etwas mehr als eine aus der Reihe schlagende Randnotiz vielleicht schon.

Die Raubkatze ist beileibe keine Liebe auf den ersten Blick – aber über weite Strecken durchaus spannend.

 

Trackliste:
1. Accelerator
2. Unfuture
3. Restless Boy
4. Wait
5. Keen To A Fault
6. Fur
7. Panther
8. Species
9. Icon

 

Pain Of Salvation - Panther (InsideOut Music, 28.08.2020)
3.7Gesamtwertung