Crossover! 90er! Youth of the Nation! Dreads! Das sind die Schlagwörter die mir bei P.O.D. sofort in den Kopf schießen. Daher war ich auch echt gespannt, wie die Herrschaften heute klingen. Ob es peinlich wird. Ob es ein „Wow“-Moment wird und ob ich kurz wieder 16 Jahre alt bin.

Im Vorfeld wurde mit „This goes out to you“ die erste Single und das erste Video veröffentlicht und ich so „Och nö“.

„Hey You!
This goes out to you!
For all the things you do!
Hey ey ey“

Der Text zusammen mit dem typisch amerikanischem Poserrockvideo hat mich dann doch eher gefrustet als erfreut.

Jetzt liegt also das Album vor mir und ich bin wieder ein wenig beruhigt. Gleich mit „Am I Awake“ kommt ein Intro und ein Song, der mit fetten Riffs und ein wenig Chartrevolutionsgehabe doch wieder ganz gut klingt. Fett produziert, wie sich das für so eine Band gehört, aber schön eingängig und drückend. Positiv drückend.

Das anschließende „This goes out to you“ hab ich ja schon oben als nicht mein Lieblingssong beschrieben.

Bei „Rise of the NWO“ geht dann wieder die Post ab. So hab ich POD vor „Youth of the Nation“ kennengelernt und mochte sie als Teenie immer ziemlich gern. Druckvoller Crossover, der besondes laut gespielt ordentlich den Kopf schütteln lässt. Nach vorne und nach hinten. Nicht nach links und rechts. Eine Ballade und einen Refrain der sich für Wochen ins Ohr brennt gibt es mit „Criminal Conversation“. Sauber vorgetragene Ballade mit Power und garantiert nicht langweilig.

P.O.D. wissen wie sie es machen müssen. Warum das bei den letzten vier Alben seit der goldenen „Nu Metal“-Zeit nicht geklappt hat, ist mir ein Rätsel.

Zwar wirken Songtexte und Titel ein wenig schizophren und teilweise ein wenig aufgesetzt, aber wenn wir mal ehrlich sind, erwarten wir auch kein „krasses Album für die nächste Revolution“ von einer Band, die mit einem Song wie „We are we are, the youth of the nation“ bekannt geworden ist.

„Somebody Trying to kill me“ wirkt dann auch ein wenig psycho und packt ein paar Stonerelemente mit in den schleppenden Sound. Für mich wirkt auch der leidende Gesang von Sonny Sandoval hier ein wenig aufgesetzt und würde eher zu einer Band wie den Deftones passen. Mit „Get Down“ geht es aber gleich wieder auf „Dicke Hose“ weiter und das ist auch gut so. Der fast an Rap erinnernde Refrain mit den fetten Gitarren erinnert mich an die gute alte Zeit, als diese Art Musik noch nicht peinlich war und kommt auch echt solide rüber.

Den „Speed Demon“ packen sie dann im gleichnamigen Song aus und der Song gefällt mir! Sehr sogar! Hier wird das Gaspedal durchgedrückt, ohne etwas von der Eingängkeit zu verlieren. Allerdings frage ich mich mittlerweile warum in jedem zweiten Song so ein Intro mit Ansprachen oder Sirenen notwendig ist. Da wollte der Herr Produzent sich wohl an den Effektknöpfen austoben.

Es gibt wenige Richtungen die mir die Nackenhaare in die Höhe treiben. Leider ist das bei Jazz meistens der Fall. Aber auch beim jazzigen Intro von „Want it all“ bleib ich standhaft und höre weiter. Ich kann mir nur erklären, dass man hier das Konzept im Album durchziehen und den Protagonisten traurig durch irgendwelche Straßen laufen lässt. Mich nervt der Song aber einfach nur tierisch.

Die „Revolucion“ wird kurz vor Schluß ausgerufen und geht gut nach vorne. Natürlich erst wieder nach einem Sirenenintro. Für mich mit der beste Song auf dem Album! Hier verlässt man auch ein wenig die eingefahrenen Wege und hört sich stark nach Hardcore an, was nur durch den melodischen Refrain und mitten im Song durch einen fetten Reggaepart unterbrochen wird. Das kann der Herr Sandoval ja auch großartig! Dicker Daumen hoch!

Am Ende und nach einem erneuten 1:30 Intro kommt eine Midtemponummer, die mich nicht mitnimmt. Trotz erneuter fetter Gitarre und melodischem Refrain.

Und plötzlich fällt es mir wie Schuppen aus den Haaren und ich begreife das ich hier ein richtiges Konzeptalbum vor mir liegen habe. Macht aber nicht, durchwachsen ist es trotzdem. Denn was soll ich mit einem tollen Konzept, einer tollen Geschichte, wenn mir die Platte dadurch musikalisch vermiest wird.

Wir haben hier einige tolle Momente und einige super Songs, aber insgesamt nerven die vielen Intros, Sirenen, angespielte Reden und die teilweise zu experimentellen Dinge wie der Jazz-Song. Reinhören sollte aber trotzdem jeder, der in den 90er Jahren seine musikalische Sozialisation in die gute Richtung genommen hat. Prost!

 

The_Awakening_by_P.O.D

 

  1. Am I Awake
  2. This goes out to you
  3. Rise of the NWO
  4. Criminal Conversation
  5. Somebody’s trying to kill me
  6. Get Down
  7. Speed Demon
  8. Want it all
  9. Revolucion
  10. The Awakening
P.O.D. - The Awakening (Universal, 21.08.2015)
3.3Gesamtwertung