Overlorde – Awaken The Fury (No Remorse Records, 22.12.2023)

Die US-Metaller Overlorde sind so ein typisches Keep-It-True-Ding. Mitte der 80er hat man eine EP veröffentlicht, die komplett untergegangen ist. Danach war Funkstille und Anfang der 2000er gab es eine Reunion und den entsprechenden Festivalauftritt. Vorher hatte man 2004 das Album „Return Of The Snow Giant“ veröffentlicht, das wirklich ziemlich guten Traditionsmetal bot und immer noch gerne hin und wieder aus dem Regal gezogen wird.

Damals stand noch Bobby Lucas am Mikro. Heute ist es Zandelle-Shouter George Tsalikis, welcher mit seinem sirenenhaften, bisweilen auch nervigen Gesang den Sound der Band prägt. Aus der Urzeit sind aber immer noch Gitarrist Mark Edwards und Bassmann John Bunucci dabei, die stets versuchten die Overlorde-Fahne hochzuhalten. Man muss es ihnen anrechnen, dass sie es geschafft haben, ein weiteres Album zu machen.

Doch an ihr knapp 20-jähriges Werk kommt „Awaken The Fury“ nicht wirklich ran. Dafür ist die Platte einfach zu sperrig und der dünne, etwas schrille Sound sorgt auch nicht so richtig für Hörvergnügen. Das ist schade, denn gerade spielerisch wird hier einiges geboten. Die drei Instrumentalisten ziehen ordentlich vom Leder. Und es ist schön, dass der Bass neben der Gitarre eine gleichberechtigte Rolle spielen darf. Rhythmisch ist das Album generell recht interessant. Die Songs sind recht verspielt und weigern sich regelrecht ins Ohr zu gehen, so dass man weniger an Judas Priest oder Riot erinnert, sondern mehr an progressivere Acts wie die frühen Fates Warning oder Slauter Xstroyes. Der Kauzfaktor ist definitiv hoch.

Griffig hymnische Songs sind nicht so häufig, auch wenn man mit dem recht simpel wirkenden „Destroy Us All“ oder „Migraine“ trotzdem solche Nummern finden kann. Den Manowar-Pathos haben Overlorde trotzdem noch drauf. Selbst ein bisschen Theatralik aus der Saviour-Machine-Schublade findet man im balladesken Beginn von „Gargoyles“.

Das Artwork und die Songs lassen viel übliche Metal-Klischees vermuten – und die findet man auch. Textlich bezieht man sich aber immer wieder auf den Angriffskrieg von Russland auf die Ukraine, was sich auch im Artwork niederschlägt. Overlorde stehen am Ende dann doch mit beiden Beinen im Hier und Jetzt.

 

Trackliste:
1. Awaken The Fury
2. Fire In The Sky
3. The Madness Within
4. Battle At Marathon
5. Destroy Us All
6. Gargoyles
7. Ashes
8. Hammer Strike
9. Paranoid Delusions
10. Migraine

 

3.3