Da haben wir es also endlich! Das neue Album von Olli Schulz. Schon seit „Brichst du mir das Herz…“ verfolge ich den ganzen Kram den Olli Schulz so macht. Ich mag einfach den Entertainer, den Typ der mich einfach mal durch ein „Ficken!“-Rufen begeistern und im nächsten Moment mit melancholischen Songs mitnehmen kann. Ich mag wie Olli Schulz über Musik redet. Ich mag wie er mit Menschen umgeht, die ihn nerven. Hat noch Jemand sein legendäres Statement zu Onkelz und Co. im Kopf?

Und da kommt es also. Ich gebe gleich zum Anfang zu, dass ich „Brichst du mir das Herz…“ noch immer am liebsten anhöre und Sachen wie „Halt die Fresse krieg ein Kind“ doch eher kurzweilig Spaß machen. Auch wenn ich ausgerechnet diesen beknackten Songtitel mit einer Ex-Beziehung verbinde. Verrückt.

Auf „Scheiß Leben, gut erzählt“ haben wir weit mehr als eine traurige/lustige Songwriterplatte mit Akustikgitarre und Band im Hintergrund. Produziert wurde das Stück von Moses Schneider und Olli Schulz hat sich mit Max Schröder, George Lindsay, Ali As, Linda Zervakis, Gisbert zu Knyphausen, Friedrich Paravicini, Polly, Olli Dittrich, Bjarne Mädel eine Menge cooler Leute dazugeholt. Reden wir an dieser Stelle mal über Weiterentwickeln. Sollte man! Muss man! Tut einem gut! So auch bei Olli Schulz. Allerdings nimmt man dabei nicht alle Fans (Kackwort!) mit. Sollte aber nicht sein Problem sein, da sich der geneigte Hörer das Bild seines Heros da oben meistens selbst baut. Klar, dass Olli Schulz keine Lust auf den ewigen Clown und/oder „Nimm mein Mixtape, Babe“ hat. Nie werde ich den Auftritt beim Deichbrand vergessen. Neben mir riefen Menschen, die vermutlich sonst keinen Song von ihm kannten, „Spiel mal Bibo! Biiiibo!“. Hat er nicht. Gut so! Thees Uhlmann ist ja auch nicht nur der Typ, der früher in Cadenberge auf einem Treckeranhänger beim Straßenfest gespielt hat, sondern das was immer er sein will. Und das ist gut so. Olli Schulz ist halt einfach das wo er Bock drauf hat und nicht was Pro7 oder Hinz und Kunz aus ihm machen wollen. Aber ich schweife ab…

Mit „Skat spielen mit den Jungs“, „Junge Frau sucht…“ und „Schmeckt wie…“ haben wir so das, was ich am liebsten bei Herrn Schulz habe. Storys erzählen, ohne dabei anstrengende Musik im Hintergrund zu verbraten. Naja und Quatsch machen. Vielleicht ist mir 3-Akkorde-Honk das einfach auch zuviel von Sachen, die ich nicht verstehe, aber z.B. „Die ganz große Freiheit“ nervt mich einfach völlig ab. Versteh ich nicht. Muss ich aber auch nicht. Nintendohintergrundmusik irgendwie.

Vielleicht fehlt mir für den einen oder anderen Song aber auch einfach das Hintergrundwissen. Neben den Instagramstorys die er gerade für sich entdeckt hat und die so unfassbar großartig sind, war da vorher nicht viel mit Input. Am Releasetag einen Stream und ab geht der Promozug. Kann man machen, aber um wen es bei dem elektronischen „Ambivalent“ geht schnall ich nicht. Kann ich auch nicht auf mich oder andere anwenden. Kritik an dämlichen pseudowichtigen Medienmenschen? Wenigstens wird mir mal wieder bewusst, dass nur Olli Schulz das Wort „crazy“ benutzen darf, ohne dabei auf der Liste der coolen Leute in den Keller zu stürzen. Auf jeden Fall habe ich die Platte nicht das letzte Mal gehört und vielleicht werden die sich mir bisher nicht erschlossenen Songs und ich noch Freunde. Man weiß es nicht.

So als Fazit bleibt mir nur wieder die Erkenntnis, dass Olli Schulz macht was er will, mir nicht alles restlos gefällt, er trotzdem ein guter Typ zu sein scheint und man einfach reinhören sollte in diese Platte. Handwerklich alles tutti und der Rest ist Geschmack. Ach, und das seit Jahren bestehende Bedürfnis mit Olli Schulz einen zu Trinken, über Musik zu diskutieren, Kette zu rauchen und vielleicht zusammen ne Schlägerei anzuzetteln ist auch noch da. Vielleicht ja mal mit Thees Uhlmann in Hemmoor. Prost!

 

 

Schockst nicht mehr

Ganz große Freiheit

Ambivalent

Wölfe

Wachsen (Im Speisesaal des Lebens)

Junge Frau sucht

Skat spielen mit den Jungs

Sportboot

Schmeiß alles rein

Schmeckt wie

 

An dieser Stelle würden die Tournews stehen. Ist aber eh ausverkauft, ihr Loser!

 

Foto: Jenna Dallwitz

Olli Schulz - Scheiß Leben, gut erzählt (Trocadero, 02.02.2018)
4.0Gesamtwertung