Ich gebe zu, Odeville passen eigentlich nicht in meinen täglichen „Soundtrack of Life“ , aber ich habe schon eine Weile eine Schwäche für die Jungs aus dem Norden.  Auch live haben sie mich jedesmal überzeugt, man spürt einfach die Lust am Spielen und komponieren.

Eines ist aber schon deutlich: immer der gleiche Aufguss kommt für Odeville nicht in Frage. Jede Veröffentlichung seit 2006 klingt etwas anders und man entwickelt sich stetig weiter. War der letzte Output „Phoenix“ doch eher seicht und poppig ausgerichtet, überrascht das neuste Werk „Rom“ mit wesentlich mehr Facettenreichtum. Der große Durchbruch ist bisher leider noch nicht gelungen trotz eines kleinen Radiohits mit „Lichtblick“ und tollen Live-Performances. Ich hoffe das ändert sich mit diesem Album: Rom!

Deutschsprachiger Indie-Poprock jenseits von Max Giesinger und Co. wird geboten, und zwar in gut. Ja, das gibt es tatsächlich. Der Opener „Königreich“ schreit dir gleich ein „Fick dich“ entgegen. Das habe ich nicht erwartet. Flott und frech wird sauber ein toller Song geboten, er wurde bestimmt bewusst als Opener und Kontrapunkt zum Vorgänger ausgewählt. Danach wird es etwas seichter und die poppigen Melodien stehen im Vordergrund, ohne aber auch nur im Ansatz kitschig zu wirken. Hauke schafft es textlich und gesanglich die Tiefe wiederzuspiegeln die er ausdrücken möchte. Manchmal sind die Zusammenhänge schwieriger herauszulesen, aber hey, einfach kann jeder. Song Nr. 5 ist auch gleich die erste Single „Bitte ja bitte gleich“. Damit sind Odeville auch bei der Castingshow X-Factor gewesen und haben durchweg gute Kritiken geerntet. Für mich ist dieser Song mein absoluter Lieblingstrack des Albums und ich muss mich im Auto immer wieder erwischen, dass ich ihn häufig spiele und immer mitsinge – und das als Metalfreak! Alles richtig gemacht Jungs.

Der Song ist wesentlich härter und schroffer in der Darbietung. Ich finde er hat auch einen leichten Ideal-Vibe der mir super gefällt. Live wird das garantiert der Bringer – freu mich drauf. „Schwarzfahren mit Hintergrund“ ist dann gleich wieder softer mit Herz und Tiefe, die einen gleich catcht. „Die Verlangsamung der Zeit“ ist für mich der wohl typischte Odeville-Song, wenn man das überhaupt definieren kann. Hier hat man den „Lichtblick“-Vibe aufgegriffen und das Bild neu gemalt. Schöne Nummer.

Die Nummer „Kreisverkehr“ hat mich anfangs etwas irritiert, hat sich später allerdings zum Dauerbrenner heraus kristallisiert. Wieder ganz anders strukturiert. Deutliche Worte in witzigen Melodien verpackt mit einem düsteren Zwischenpart. Ganz prima, wem das nicht gefällt klebe ich den Mund mit Fliesenkleber zu 😉

Unterm Strich ein überraschendes, aber großartiges Album von Odeville. Sehr abwechslungsreich ohne wirr zu wirken. Man hört Odeville in jedem Song heraus und das ist das Wichtigste. Mein wirklich einziger richtiger Kritikpunkt ist das Artwork. Das Cover ist wirklich sehr „speziell“ und gar nicht meine Abteilung, aber vielleicht verstehe ich es einfach nicht – schön ist für mich jedenfalls anders, trotz des 80er Styles. Zum Glück hat das mit dem Inhalt der Platte nichts zu tun, denn die Songs sind klasse. Wem der Vorgänger „Phönix“ etwas zu glatt war – wir hier wieder Freude haben.

Die Produktion ist super transparent und druckvoll aus dem Horus Soundstudio in Hannover von Arne Neurand produziert. Good Job.

Also wer gute deutschsprachigen Indie-Pop-Rock möchte, wird hier bestens bedient – besser kann man es kaum machen. Geht zu den Konzerten von Odeville und kauft dieses Album!

Tracklist

01. Königreich
02. Funkenwalzer
03. Rom
04. 8mm
05. Bitte Ja Bitte Gleich
06. Schwarzfahren Mit Hintergrund
07. Die Verlangsamung der Zeit
08. Halb Vier
09. Wunderwerk
10. Arnim
11. Kreisverkehr
12. Herr Der Gezeiten
13. Gute Nacht
14. 70.000 Meilen

 

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Odeville – Rom (Panda Panda, 19.10.2018)
4.8Gesamtwertung