Odeville sind so eine Band die ich vor vielen Jahren mal entdeckt und dann wieder aus den Augen verloren habe. Auf einem Festival, damals noch in den Kinderschuhen, lag ich damals stark angetrunken (mittags) auf dem Deich und habe Odeville aus der Ferne gehört. Vermutlich da mein Zustand nichts anderes zugelassen hat, empfand ich sie damals als anstrengend. Aber selbst der leichteste Pop wäre vermutlich zu anstrengend für das geschädigte Festivalgängergemüt gewesen. Damals.

Seit diesem Festival am Meer ist eine Menge Zeit vergangen und bei den Herren aus dem Hamburger Umland ist eine ganze Menge passiert. Nach dem Vorab-Video zu „Lichtblick“ war ich gespannt. So machte der Song doch so einen leichten und eingängigen Eindruck. Ein Ohrwurm ohne auf eine Musikrichtung zu stehen, ist immer gefährlich. Und gut.

Mit „Phoenix“ bringen uns Odeville jetzt 11 deutschsprachige Songs, die die Leichtigkeit von „Lichtblick“ fortführen.

„Kind sein können ist eine Priorität. Doch Naivität wird leider oft als schwäche dargestellt. Dabei ist eine unglaubliche starke Gabe, die wir uns bis ans Ende aller Tage erhalten müssen… „sagt Sänger und Texter Hauke Horeis über „Lichtblick“. Und da habe ich sofort meine Tochter vor Augen, wie sie im Kindergarten mit dem Kind einer Flüchtlingsfamilie spielt. Keine Vorbehalte. Keine falschen Ängste. Kind sein können. Wunderbar!

Und so nimmt uns „Phoenix“ mit auf eine wunderbare Reise ins Positive. Klar kann man es sich einfach machen und die großartige Stimme und die recht einfachen Texte eines Hauke Horeis als naiv bezeichnen. Sind sie vielleicht auch. Aber brauchen wir nicht genau das momentan genauso wie den Zeigefinger und seinen bösen Buddy den Stinkefinger?

Mit „Leuchtreklamenpoesie“ kommen Odeville lässig wie die Beatsteaks in „..As long as you sing“ um die Ecke und in „Bis es morgen wird“ bescheren sie mir nicht nur meinen zweiten Lieblingssong auf der Platte, sondern auch noch einen wunderbaren Moment, der sich anfühlt wie mit den besten Freunden bei aufgehender Sonne nach der Kneipennacht die letzte Zigarette auf dem Deich zu rauchen und über den Weltfrieden zu philosophieren.

Einziger Knackpunkt ist für mich persönlich „Mutiges Herz“. Denn mit „Flieg hinaus mein mutiges Herz“ kann ich persönlich dann doch nichts anfangen, weil mir das einfach zu glatt ist. Geschmackssache halt.

Insgesamt wird bestimmt der eine oder andere Vergleiche zu Revolverheld anstellen. Den Gedanken hatte ich auch an der einen oder anderen Stelle, habe diesen aber gleich wieder verworfen, da ich die Stimme von Herrn Horeis jederzeit über die von Mister Strate stellen würde. Die Texte sowieso. Aber wie immer gilt ja „Über Musik diskutieren….“.

Odeville ist hier ein wunderbar positives Popalbum gelungen. In 11 Songs wird man mit deutschen Texten an die Hand genommen und lächelnd zurückgelassen. Danke dafür!

 

Neu2

 

  1. Kinder der Stadt
  2. Leuchtreklamenpoesie
  3. Die Letzte deiner Art
  4. Lichtblick
  5. Mutiges Herz
  6. Irgendwo im Nirgendwo
  7. Bis es morgen wird
  8. Phoenix
  9. Passagier
  10. Feuertaufe
  11. 1987

http://odeville.de/

Odeville - Phoenix (Motor Music, 15.01.2016)
4.3Gesamtwertung