Zwei Bässe ein Schlagzeug, kein Gesang – das ist zwar nicht alltäglich, kennt man aber von den Italienern Morkobot. Oder mit einem Bass weniger von den dänischen Krachmachern Fossils. Das Kölner Trio Octo versucht sich an einem ähnlichen Sound. Auch rein instrumental. Auch reichlich versponnen.

Die Stücke von „Kitsch“ grooven ganz gut. Die beiden Bässe greifen schön ineinander. Allerdings hält sich einer der beiden recht traditionell am Rhythmus fest, während sich der andere fast wie eine Leadgitarre verhält. Eben nur mit ein paar Saiten weniger. Hat schon irgendwie Charme, das Ganze. Gerade in den härteren Momenten. Dabei wünscht man sich aber immer wieder, dass gerade das Schlagzeug die Sache etwas mehr nach vorne treiben würde, wie bei „Saudada“. Denn so verschwimmen die Nummern von Octo viel zu sehr im rockigen Gleichklang und verkommen zum Hintergrundgeräusch. Ein Plus an Freakigkeit und Brachialität würde manchmal nicht schaden.

Spannender wird es, wenn das Trio die Atmosphäre-Karte ausspielt und in Postrocksphären vordringt. Die beiden filigranen Abschlussnummern „Trio Paradisoprivan” und „Kanarienvoegelnerven“ fallen in diese Kategorie und drängen das Album immerhin zu einem dramatischere Richtung, die wieder aufhorchen lässt.

„Kitsch“ bietet ziemliche Exotenmusik für eine kleinen Liebhaberkreis. Auf den unbedarften Hörer mag die Mucke wohl etwas ziellos rüberkommen. Ein Faible für spezielle Musik sollte also vorhanden sein. Oder man ist ein echter E-Bass-Fetischist. Dann findet man das Ding wohl recht geil.

Trackliste:
1. Octo Kaa Wai
2. Ihre Idole sind Lügner
3. Arr arr Cincinnaticat
4. Uhu
5. Saudade
6. Trio Paradisoprivan
7. Kanarienvoegelnerven

Octo - Kitsch (Krachladen Records, 03.03.2017)
2.9Gesamtwertung