Auf mehreren Ackern, genannt Pannonia Fields, in dem kleinen beschaulichen Ort Nickelsdorf Nahe der Österreich-Ungarischen Grenze fand vom 14. – 17.6. zum 13. Mal das Nova Rock Festival statt. Kurz hinter Nickelsdorf führte eine kleine Schotterstraße direkt in die Pampa. Oder doch nicht? Denn zwischen Ackern, Feldern und riesigen Windrädern bahnten sich zig Autos den Weg über die staubige Schotterstraße hin zu den Parkplätzen des Festivalgeländes. Angekommen auf dem Festivalgelände ging es staubig weiter. Das unfassbar warme Wetter, der trockene Boden und die zahlreichen Menschen, die wie kleine Ameisen sich ihre Wege durch die sandigen Felder suchten, hinterließen einen feinen Staubschleier über dem gesamten Gelände. Was zuerst ziemlich albern erschien, sich nach längerer Zeit aber als sehr sinnvoll erwies: Das Tragen von Tüchern als Mundschutz. Doch nicht nur der Staub machte den Anreisenden zu schaffen. Der fast betonharte Ackerboden machte den Zeltaufbau zu einer intensiven Sporteinheit. Wer keinen Hammer dabei hatte, war verloren. Selbst mit Steinen und Hämmern war es eine wahnsinnige Anstrengung die Zelte mit Heringen zu sichern. Das Hämmern der Heringe klang als wäre man in einer kleinen Schmiede.

Klarer Sieger der Herzen am Warm-Up Mittwoch waren Airbourne. Einen solch großen Publikumsansturm erlebt man sonst nur bei den Headlinern. Doch wer Airbourne kennt, der weiß was für eine wahnsinns Show er bekommt, wenn Sänger Joel O’Keeffe auf die Bühne stürmt. Es reihte sich ein Hit an den nächsten. Mit Liedern wie „Breakin’ Outta Hell“ und „Ready To Rock“ brachten die sympathischen Jungs aus Australien das Publikum zum beben – Crowdsurfer, Moshpit und Staubwolke inklusive. Glamourös ging es mit Steel Panther weiter. In glitzernden, bunten, hautengen Leggins mit Leo-Muster und teils mit Perücken und dezentem Make-Up schmetterte die US-amerikanische Band Steel Panther ihre Glam-Metal-Hits in die Welt hinaus. Mit ihren klischeehaft überzogenen Attitüden und ihren fast ausschließlich auf Sex reduzierten Texten, trafen Steel Panther bei dem alkoholisierten Publikum einen Nerv. Zum Ende tanzten sie noch mit ein paar Fans – natürlich ausschließlich Frauen – auf der Bühne. Etwas schwerer hatten es die Mitglieder um die Metalband Five Finger Death Punch. Nur einige Tage zuvor hatte Frontmann Ivan Moody seinen Ausstieg aus der Band angekündigt. Ersetzt wurde der Sänger vorerst durch Tommy Vext, der eine mehr als ordentliche Show ablieferte. Große Qualitätsunterschiede waren kaum auszumachen. Besonders bei dem Song „Burn MF“ konnte Vext dem Publikum ordentlich einfeuern. Wenige Stunden nach dem Auftritt gab die Band auf Ihrer Website bekannt, dass Tommy Vext die gesamte noch laufende Europa-Tour übernehmen wird. Eine Entwicklung, die man definitiv weiter verfolgen sollte. Der erste Große Headliner waren Linkin Park. Boyband-Flair trifft alte Nu-Metal-Klassiker war wohl das Motto der Show. Bei den Liedern der neuen Platte „One More Light“ war schon fast eine Art Verwirrung in den Gesichtern zu sehen. Soll das nun wirklich Linkin Park sein? Gemütlich wartete man ab, trank sein Bierchen und lauschte entspannt dem Geplänkel, bis man dann zu alten Hits wie „Breaking the Habit“ oder „One Step Closer“ voll ausrasten konnte. Es war ein Auf und Ab zwischen Neu und Alt und das Publikum ließ die Band ordentlich spüren, was sie von der neuen Schiene hielten, welche die Jungs nun fahren. Leider nicht viel. Zum Ausklang des Abends feuerte Late-Night-Act Fatboy Slim noch einmal eine ordentliche Portion Hits raus und entließ die Besucher anschließend in die Nacht.

Tag zwei hielt so einige Lieblinge bereit. Neben Bands wie Suicidal Tendencies, Danke Jones, Architects, Gojira, Alter Bridge, Good Charlotte, A Day To Remember, Pendulum – Halt. Pendulum, Drum-and-Bass-Band zwischen Rock- und Metal-Bands? Ja, und das absolut zu recht. In ihrer Live-Besetzung zeigte die australisch-britische Band, was sie können. Und das kam beim Publikum an. Trotz wirklich starker Konkurrenz auf der Red Stage von In Flames hatten Pendulum keine Mühe, das Gelände zu füllen. Bessere Moshpits gab’s selbst bei den vorangegangenen Bands nicht. Pendulum rockten mit ihren Drum-and-Bass Hits das Gelände bis zur absoluten Erschöpfung. Umso enttäuschter waren die Fans leider von Blink 182, die mit massiven Tonproblemen zu kämpfen hatten. Sie waren engagiert, doch das reichte nicht aus. Absolutes Kontrastprogramm zur gleichen Zeit auf der Red-Stage, wo In Flames eine wie immer gute und solide Show ablieferten. Anschließend hatte Thrash-Metal Headliner Slayer die Bühne für sich. Auch hier gab es leider kleiner Tonprobleme, was einige Besucher bereits vor Ende zu ihren Campingplätzen trieb.

Der Freitag startete mit einer Menge Regen. Bereits seit den frühen Morgenstunden regnete es über den Pannonia Fields. Den leicht aufgeweichten Boden nutzen viele um ihre halb verbogenen Heringe noch weiter in die Erde zu meißeln. Und auch die Staubwolke über dem Gelände verschwand langsam und beim Pogen wirbelte kein nerviger Staub mehr hoch. Doch bis es richtig zur Sache ging, dauerte es seine Zeit. Nur langsam füllte sich das Kerngelände mit Festivalbesuchern. Getanzt und gepogt wurde am Freitag vor allem auf der Blue Stage zu Kreator, Prophets of Rage und natürlich Headliner System Of A Down. Die Red Stage hatte gefühlt ausgesorgt an diesem Tag. 187 Straßenbande und SSIO hatten es sichtlich schwer und konnten die Menge nicht wirklich begeistern. Zu einem wirklich überschaubaren Publikum spielten sie ihre Lieder. Während Flaute auf der Red Stage Einzug hielt, ging es auf dem RedBull Wagen neben all dem Rock ganz romantisch zu. Während dem Auftritt von All Faces Down machte Marco aus Tirol vor Hunderten Zuschauern vor seiner Freundin Carina einen Kniefall und machte ihr einen Heiratsantrag, den sie natürlich annahm. Knife-Party hatten neben Prophets of Rage natürlich auch gut zu kämpfen. Machten sie doch eigentlich eine ziemlich fette Show mit viel Feuer und Bühneneffekten. Aber gegen eine Mischung aus Rage Against the Machine, Public Enemy und Cypress Hill anzutreten ist auch keine leichte Aufgabe. Das Prophets-Publikum brauchte eine gewissen Aufwärmphase – und das nicht wegen des kurzzeitig einsetzenden Regens – um in die Musik voll einzusteigen. Nach etwa dem halben Set waren aber alle voll dabei. Absolutes Highlight des Abends natürlich Rage-Megahit „Killing In The Name“. Im Anschluss konnten die Besucher wählen: System Of A Down oder Beginner? Die Entscheidung fiel ziemlich deutlich aus. Gefühlte 99% der Besucher gaben sich den Hits von System Of A Down hin. Niemand ließ sich durch den wieder einsetzenden und anhaltenden Regen aufhalten und so wurde im leichten Matsch mit bunter Plastiktüte bekleidet zu Songs wie „Violent Pornography“, „Hypnotize“ und „Chop Suey“ ordentlich die Sau rausgelassen.

Der Regen vom Vortag blieb aus, dafür zog ordentlich Wind über die Felder, der auch für sinkende Temperaturen sorgte. Inspiriert von den teilweise echt starken Windböen und den ohnehin teilweise schon halb wegfliegenden Zelten (dank des betonharten Bodens und der zerschlagenen Heringe) bauten sich einige Camper aus einem herumfliegenden Zelt einen Drachen. Die Lenkung klappt nur bedingt, aber es war lustig anzuschauen und war wohl ein guter Zeitvertreib, bis die Türen öffneten. Der Finaltag begann mit einer langen Schlage, die zum frei Bier anstanden. Zu entspannter Musik von Wenid’s Böhmischer Blasmusik wurde fleißig frei Bier, Brötchen und Wursthäppchen ausgeschenkt. Dabei geriet Dead! auf der Blue Stage nahezu in Vergessenheit. Zugegeben, gegen frei Bier anzukommen ist aber auch wirklich keine leichte Aufgabe. Nachdem Feine Sahne Fischfilet mit einem Bananen-Boot über die Menge gesurft sind wurde bei Rag’n’Bone Man noch einmal ein kleines Mittagsschläfchen eingelegt bevor Simple Plan die Meute aufwecke. „Jetlag“. „Shut Up!“ und „Summers Paradise“ kennt aber auch einfach jeder. Die Kanadier konnten eine ordentliche Menge vor der Blue Stage versammeln, die von Anfang an Feuer und Flamme war. Auch bei der US-Metallic-Hardcore Band Hatebreed, die es sogar schon seit über 20 Jahren gibt, kam Freude auf. Wer schon immer mal all seine Aggressionen rauslassen wollte, der war bei Hatebreed genau richtig! Gegen Headliner Green Day hatte Sabaton leider schlechte Karten. Auch wenn die Band um Frontmann Joakim ihr Kernpublikum begeistert haben. Den Song „In The Army Now“ schmetterten die begeisterten Fans lautstark mit, ehe Sabaton die Bühne betrat. Nebenan auf der Blue Stage kochte die Stimmung. Green Day zog alle Register und hatte das gesamte Publikum binnen Sekunden in ihren Bann gezogen. Mit einer Bühnenshow, die sich gewaschen hat, verzauberten sie an Tag vier alle Fans. Es knallte, es gab Feuer, es gab Funkenregen und vieles mehr. Die Besucher schüttelten und tanzten jegliche Restenergie aus sicher heraus und feiert über zwei Stunden mit der Punk-Rock-Band als gäb’s kein Morgen mehr. Late-Night-Act und Festivalabschluss war wie im vergangenen Jahr kein geringerer als Rettungsschwimmer David Hasselhoff. Mit komischem Schnauzer und sexy Tänzerinnen sang sich der 65-jährige gut gelaunt durch seine Setlist. Er lieferte eine solide Show ab, leider mit mäßig gutem Gesang. Das fulminante Ende bescherte den müden Augen ein wunderschönes Feuerwerk, welches den Nachthimmel über den Pannonia Fields zum leuchten brachte.

 

Fotos: Gina Wetzler | www.ginawetzler.de