Die Metal- und Hardcore-Gemeinde des Ruhrgebiets hatte am Wochenende einen Pflichttermin – denn immer dann, wenn das Team Cafe Nord ein Festival organisiert, wird es voll und laut auf dem Essener Viehofer Platz.

Wir waren diesesmal nur am Freitag zugegen, aber auch der hatte es in sich!

Am frühen Abend durften wir den Auftritt der Kasseler Hardcore-Ikonen Ryker’s erleben! Trotz des frühen Zeitpunktes ihres Gigs so gegen 17.30 war es vor der Bühne doch schon gut gefüllt – das Publikum hatte Lust, trotz 36 Grad Außentemperatur und knallender Sonne! Auch die Ryker’s hatten Lust – und Sänger Sergeant D. begab sich doch öfter auf Tuchfühlung zum Publikum. Ein Gig ist erst dann gut, wenn man den Schweiß des tanzenden Publikums riechen kann!

Die US-Hardcore Legenden von D.R.I. hinterließen hingegen einen gänzlich anderen Eindruck bei mir! Musikalisch wird ordentlich das Gaspedal durchgetreten, ist ja Hardcore. Die Band wurde vom Publikum auch gefeiert und verehrt, nur damit umgehen konnte sie irgendwie nicht. Während Gitarrist Spike Cassidy offenbar tatsächlich Spaß an dem Gig hatte – er grinste und schäkerte stets mit dem Publikum – wirkten die anderen Bandmitglieder doch eher, als verrichteten sie ihren Job! Auch die D.R.I.-Sprechchöre des Publikums blieben unbeantwortet – unverständlich, zumal die Texaner ihren ersten Tourstopp der Europatournee in Essen hatte. Ansonsten wurde das Programm frei von Publikumskonversation heruntergespielt – ein eigenartiges Konzert. Im Nachgang lief noch Sänger Kurt Brecht an einem vorbei, der angesprochen von Fans sich umdrehte, kurz überlegte und sich mitsamt seiner Extremaugenringe wortlos wieder auf den geplanten Weg machte. Fazit: Houston, wir haben ein Problem!

Zur nächsten Band erfolgt nun ein kompletter Publikumwechsel – die schwarzgewandeten Metaller ziehen sich an die Getränke- und Merchstände zurück und vor der Bühne wird es deutlich farbenfroher und bunthaariger – denn kurz darauf betreten die Berliner Punker von Terrorgruppe die Bühne. Wie in diesem Sommer üblich, trägt Sänger MC Motherfucker sein Kleidchen mitsamt Strumpfhose. Der Auftritt war genial – Terrorgruppe spielte „Blechdose“ und somit viele alte Sachen, wie z. B. „Sabine“, „Opa halt’s Maul“, „Nazis im Haus“. Dass die Terrorgruppe inmitten der Hardcore-Bands die Exoten dieses Festivalfreitags waren, war der Band bewusst und sie ging gekonnt souverän damit um: so wurde kurzerhand die Überleitung zu „Schmetterling“ dazu genutzt, der Metalgemeinde zu erklären, dass man den Punkern auch Gliedmaßen abschneiden kann, sie merken es dank „Strickleiternervensystem“ einfach nicht – lustig! Auch die Rückfrage an die Metalgemeinde, „ist ganz schön langsam, was wir spielen“ war in diesem Kontext amüsant. Zum Song „Leider nur ein Traum“ wurde die Rolle des Jürgen Möllemann neu vergeben – in diesem Fall zurecht an Horst Seehofer. Mit „Wir müssen raus“ wurde man aus dem Konzert entlassen und es folgte mal wieder der Publikumwechsel.

Denn nun zogen sich die Bunthaarigen zurück und es füllte sich sehr schnell vor der Bühne: denn Headliner des Abends war kein geringer als Hatebreed. Ich bin zugegenerweise kein großer Fan dieser Band, was aber auf und vor der Bühne hier standfand war eine Erruption an entladener Energie. Die Band – gewohnt druckvoll – hatte das Publikum voll im Griff. Ich habe auch noch nie zuvor gesehen, wie vollgestellt der Pressegraben vor der Bühne sein kann, denn neben den Fotografen tummelte sich hier der halbe Backstage-Bereich.

Zum Abschluss des Abends – passend stimmungsvoll zu den vielen Hardcore-Gigs – gab es noch dank totaler Mondverfinsternis den „Blutmond“ zu bestaunen.