Wenn man in der Öffentlichkeit steht, hat man häufig das Problem, dass jeder an allem was einen bewegt, berührt und auch belastet teilhaben möchte.

Mehr als überrascht ist man dann, wenn sich eine solche Person über Jahre in einem Zustand befindet bzw. in einen solchen hinein bewegt, der die Bewältigung des normalen täglichen – und besonders des öffentlichen – Lebens kaum noch lebenswert macht!

Noch überraschter ist man dann, wenn man erfährt, dass der Künstler zehn Jahre lang mit starken Ängsten, Panikattacken und damit verbundenen Depressionen zu tun hatte, die ihn dann 2014 abrupt die Reißleine ziehen ließ – und diese Person es dann geschafft hat, die Angelegenheit weitestgehend geheim zu halten.

Da ich mich in der einen oder anderen Problematik leider aus eigener Erfahrung auskenne, war es mir somit ein besonderes Anliegen mich näher mit Nicholas Müller, dem ehemaligen Sänger von Jupiter Jones und jetzigem Frontmann von von Brücken zu beschäftigen, der sich auf den harten steinigen Weg gemacht hatte, diese Krankheit zu bekämpfen.

Seine damit gemachten Erfahrungen hat er erst kürzlich unter dem Titel „Ich bin mal eben wieder Tot – Wie ich lernte, mit Angst zu leben“ als Buch veröffentlicht und Nicholas befindet sich aktuell noch mit seinem Werk auf Lesereise… und was soll man sagen, die Resonanz auf das Buch ist der Wahnsinn.

Mag es daran liegen, dass es erstens einen tiefen und unverblümten Einblick in das Leben eines von tiefen Depressionen geplagten Angsterkrankten gibt, der trotz seiner Prominenz nicht davor zurück schreckt Tacheles zu reden – oder zweitens daran, dass in Deutschland geschätzt zehn Millionen Menschen an eben solch einer Krankheit bzw. Beeinträchtigung leiden.

Allgemein kann man ja nun denken was der ganze Shit soll, denn gerade so ein gestandener Rockstar sollte doch wohl bitte über den Dingen und fest auf seinen Beinen stehen – wer mit Songs wie z.B. „Still“ die Charts gerockt, bereits die größten Hallen gefüllt und die fettesten Festivals gespielt hat, der kann ja wohl bitte keine Angst haben, oder?!

Und genau da liegt ja das Problem, denn Angstzustände und Depressionen lassen sich nicht wirklich leicht erklären oder von außen erkennen und Betroffene haben somit immer Schwierigkeiten damit, der Außenwelt klar zu machen was in ihnen vorgeht und warum alles vermeintlich „Schöne“ dann überhaupt nicht mehr gesehen werden kann.

Auslöser gibt es unzählig viele, bei Nicholas war es der Tod der Mutter, den er mit 24 miterleben musste und welcher zur ersten Panikattacke inkl. Todesangst bei der Trauerfeier führte.

Nicholas Müller

Foto: Philipp Haas

Mit seinem Buch, das mir hier in der Hörbuch-Version auf sieben CDs vorliegt, gibt Nicholas nun also tiefe Einblicke in seine Persönlichkeit, seine Erfahrungen und seinen Kampf… raus aus den Tiefen der Verdrängung und des „nicht wahr haben wollen“ und rein in ein Leben mit dem Wissen, seine Ängste unter Kontrolle und im Griff haben zu können.

In gut 8 ½ Stunden erzählt uns der gute Herr Müller wie es sich anfühlt, wenn man von seiner Angst übermannt wird… wenn das Herz rast, dass klare und objektive Denken nicht mehr möglich ist. Was man im besten Fall dagegen tun kann. Wie man immer mehr und besser lernt damit umzugehen… und wie er persönlich einen Weg herausgefunden hat – sogar mittlerweile wieder in der Lage ist als Musiker auf der Bühne zu stehen. Zwar besonnener, alles ein wenig kleiner, reduzierter und ohne riesige Festivals mit zehntausenden von Besuchern… aber endlich wieder ohne Angstattacken und glücklich!

Mittlerweile ist Nicholas Müller Botschafter für die deutsche Angstselbsthilfe – und Leute, ich kann euch nur den Rat geben (und wie gesagt, ein klein bisschen eigene Erfahrung spricht hier mit): Wenn ihr Hilfe oder Unterstützung benötigt, dann wendet euch einfach an die Angstselbsthilfe oder schaut euch einfach mal auf deren Homepage um!

 

Titel:
Disk 1
Titel, Widmung und Anfangssong
Prolog (Teil 01)
Kapitel 01: Ich fange mal von vorne an
Kapitel 02: Die Sache

Disk 2
Kapitel 03: Die Sache nach der Sache
Kapitel 04: Sauhatz
Kapitel 05: Reisetagebuch

Disk 3
Kapitel 06: Das Erste, was ich knutschte…
Kapitel 07: Die Ranch, erster Tag

Disk 4
Kapitel 08: Life on the Ranch, zweiter Tag
Kapitel 09: Marinengraben
Kapitel 10: Keiner flog übers…

Disk 5
Kapitel 10: Keiner flog übers…
Kapitel 11: Komfortzonen
Damit das irgendwann endet
Teil zwei: Vorwort
Kapitel 12: Komm Du mir nach Hause

Disk 6
Kapitel 13: von Brücken
Kapitel 14: von der Genesung
Kapitel 15: Eine Erregung

Disk 7
Kapitel 15: Eine Erregung
Kapitel 16: Das geht in Dich rein…
Kapitel 17: Wie ich sterben werde
Epilog

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