Hach, die gute alte New Model Army. Es ist nicht das erste Mal, dass diese kleine Legende der britischen Musikszene hier in der Augsburger Kantine auftritt. Ich meine, es ist sogar schon das vierte Mal. Ist aber auch egal. Es geht ja um das Hier und Jetzt. Und im Jetzt stehen Justin Sullivan & Co. bestens da. Die Clubs sind in den letzten Jahren wieder ziemlich voll und die Qualität der Studioalbum hat stark angezogen. Das letzte namens „Winter“ hat sich als richtiger Grower erwiesen, von dem man gerne einige Songs live hören möchte.

Doch vor dem Hauptact hat der Veranstalter bekanntlich die Vorgruppe gesetzt. Die hört an diesem Abend auf den Namen Die Sauna und bietet deutschsprachigen Indie-Rock. Besonders charismatisch ist der Haufen nicht gerade. Vielleicht war man auch nur etwas nervös. Zumindest der langhaarige Frontmann wirkte so. Er wollte das man ausladenden Posen und wildem Gehabe ausgleichen. Dafür hatten seine Hintermänner augenscheinlich Spaß bei der Sache. Klanglich hatte das irgendwie etwas von Hamburger Schule. Nicht umsonst coverte man den Sterne-Hit „Was hat dich bloß so ruiniert“. Das war dann auch die beste Nummer des Sets. Höflichkeitsapplaus war angebracht, da der Rest doch okay war. Was massiv nervte war allerdings der furchbar quietschig-billige Keyboardsound. Aber das musste wohl so sein…

Dadurch steigerte sich zumindest die Vorfreude auf den Hauptact ein ganzes Stück. Denn statt holpernden Newcomern standen in Kürze ausgebuffte und bestens eingespielte Profis auf der Bühne. Mittlerweile war die Kantine auch gut gefüllt und das Publikum wurde ordentlich in Bühnennebel gehüllt, als das Intro zum Auftritt der New Model Army erklang. Der Puls raste und die Aufregung entlud sich mit dem selten gespielten, ruppigen „R&R“. Eigentlich kein so toller Song. Aber trotzdem wow, dank der Intensität, die vor allem Frontmann Justin Sullivan an den Tag legte. Immer wieder faszinierend, wie er seine Lieder lebt und mit seiner einnehmenden Mimik untermalt. Hier steht jemand zu jedem Wort das er singt. Das übertrug sich alsbald aufs Publikum und spätestens mit dem wuchtigen „Here Comes The War“ ging es so richtig rund. Die ersten 15 Reihen: eine wogende, mitbrüllende Menge.

Eine typische Best-Of-Setlist brauchte man von der Band mal wieder nicht erwarten. Und das ist auch gut so. New Model Army ist schließlich keine Jukebox in die man eine paar Münzen wirft und die die typischen „Greatest Hits“ ausspuckt. Nachdem man sogar jeden Abend eine andere Setlist spielt, bleiben auch mehrfache Konzertbesuche stets spannend. Diesen Dienstag packte man wieder eine spannede Songsammlung zusammen. Der Schwerpunkt lag ziemlich auf den letzten Veröffentlichungen. Sehr schön. Denn diese bieten reichlich spannendes Material, wie das predigerhafte „Part The Waters“, das garstige „Angry Planet“, das straighte und enorm mitreißende „Eyes Get Used To The Darkness“ oder das schon fast schmanenhafte „Did You Make It Save?“, das einem wahren Drumrausch nahe kam. Bockstark. Überhaupt war besonders Drummer Michael Dean wieder in ziemlich beeindruckender Form. So einen Dynamo würden sich sicherlich mehr Bands wünschen.

Zwischendurch überraschte man mit dem akustisch dargebotenen Oldie „Higher Wall“ oder auch mit dem Hit „51st State“, den man anstelle von „Vagabonds“ brachte. Nach rund eineinhalb Stunden und einem brachial schnellen „Get Me Out“ war man erst einmal am Ende des Sets angekommen. Naja, nicht so richtig am Ende. Eine Zugabe war natürlich obligatorisch, der man mit dem dynamischen, extrem rhythmischen „Stormclouds“ und dem unkaputtbaren „Poison Street“ nachkam. Nochmal klatschten verschwitze Leiber aneinander und die Hände wurden voller Euphorie in die Luft geworfen.

Eigentlich hätte man da schon zufrieden nach Hause gehen können. Aber die Engländer hatten nicht mit dem euphorischen Augsburger Publikum gerechnet. Es wurde so lange gejohlt und geklatscht, bis die New Model Army tatsächlich noch für einen weiteren Song auf die Bühne zurückkam, obwohl das Licht teilweise schon wieder anging und CD-Musik aus den Boxen schallte. Und welch besseren Abschied als „I Love The World“ könnte es da geben? Eben, keinen! So endete ein (wieder mal) grandioser Abend einer immer noch voll im Saft stehenden Band, die auch in kreativer Hinsicht nach wie vor überzeugen kann.

Sollte man mal gesehen haben!


Setlist:

R&R
Winter
Here Comes the War
Part the Waters
The Charge
Angry Planet
Born Feral
Eyes Get Used to the Darkness
No Pain
Higher Wall
Did You Make It Safe?
Devil
Burn the Castle
51st State
Between Dog and Wolf
Get Me Out

Stormclouds
Poison Street

I Love the World