Das ziemlich direkte, vor drei Jahren veröffentlichte „Winter“ entpuppte sich als wahrer Grower und ist der bescheidenen Meinung des Rezensenten nach ein richtiges Highlight im Katalog der New Model Army. Nun setzt die Band um Justin Sullivan ihre Geschichte mit „From Here“ fort.

Und die Band beschreitet klanglich leicht andere Pfade. Für die Aufnahmen zog man sich auf eine abgeschiedene Insel vor Norwegen zurück, was er eigenen Vorliebe für trostlose und raue Landschaften entgegenkommt. Dabei klingt das Album gar nicht so roh, eher atmosphärisch. Die lauten Gitarren ließ man zu Hause – wenn elektrisch, dann klar und als angenehme Farbtupfer gebraucht. Lieber die akustische Gitarre ausgepackt. Auch Keyboardsounds wurde auf ein Mindestmaß zurückgestutzt. Ergebnis ist ein klarer, natürlicher Sound, der einen eher umschmeichelt, statt direkt ins Gesicht zu blasen.

Daran muss man sich erst etwas gewöhnen und sich darauf einlassen. Was beibehalten wurde, ist natürlich der pochende, für die Band so typische Rhythmus. Der Herzschlag von New Model Army. Und natürlich die stets etwas vagen, zu Interpretationen einladenden und durchaus kritischen Texte. Sullivans Worte sind aber nicht laut. Er beteiligt sich nicht am Geschrei der derzeitigen Politikerklasse um Johnson, Trump und den europäischen Nationalisten, selbst wenn er auch mal bissiger ätzt wie in „End Of Days“ oder „Watch And Learn“. Viel mehr gefällt er sich auf „From Here“ als stiller Beobachter.

Und das passt gut zu den Songs, die eben auch etwas subtiler daherkommen. Die Direktheit vergangener Tage findet man am ehesten im hart polternden „Watch And Learn“ oder dem schwungvollen „Where I Am“. Der ungewöhnliche Start mit dem anschwellenden „Passing Through“ führt aber von Anfang an auf eine andere Fährte.

Dem folgen im weiteren Verlauf Songs mit leichtem Drama („The Weather“), melancholische Zurückhaltung, kombiniert mit aufwühlenden Parts („Hard Way“), anschwellend Treibendes ohne eine echte Hook („Setting Sun“) und mit dem Titeltrack ein kämpferisches Abschlussepos, welches in seiner Intensität unglaublich mitreißt. Und dazwischen natürlich auch eher Typisches wie das etwas lakonische „Never Arriving“, das mitreißende „End Of Days“ oder das melancholische „Conversation“.

„From Here“ entpuppt sich am Ende als Album das wachsen muss – und kann. New Model Army haben klanglich einen Schritt zur Seite gewagt. Aber am Ende steckt in den Songs zu 100 % New Model Army drin. Das dürfte keine überraschende Nachricht sein. Aber eine, welche den Fan trotzdem freuen wird.

 

Trackliste:
1. Passing Through
2. Never Arriving
3. The Weather
4. End Of Days
5. Great Disguise
6. Conversation
7. Where I Am
8. Hard Way
9. Watch and Learn
10. Maps
11. Setting Sun
12. From Here

 

 

Im Oktober gehen New Model Army bei uns auch wieder auf Tour. In diesen Städten wird man auftreten:

10. Oktober – Dortmund, FZW
11. Oktober – Hamburg, Markhalle
12. Oktober – Berlin Huxleys
24. Oktober – Freiburg, Jazzhaus
25. Oktober – München, Backstage
26. Oktober – Stuttgart, LKA
27. Oktober – Nürnberg, Hirsch
29. Oktober – Dresden, Beatpol
30. Oktober – Frankfurt, Batschkapp
31. Oktober – Losheim, Eisenbahnhalle

 

New Model Army - From Here (earMUSIC, 23.08.2019)
4.2Gesamtwertung