Mit „Everything Dies“ legt die britische Formation Nervus um Songwriterin Em Foster den Nachfolger zu ihrem erst 2016 erschienenen Debüt „Permanent Rainbow“ vor und flottiert dabei irgendwo zwischen kontemporärem Emo, Indie-Rock bis -Punk und Post-Punk umher.

Angetrieben ist das Zweitwerk der Briten von dem Kernthema einer rückständigen Gesellschaft, die vor allen Dingen mit dem Themenkomplex der Gender-Dysphorie sehr unsensibel umgeht und transidentischen Identitäten durch Stigmatisierung oftmals wenig Chancen auf ein normales, glückliches und erfülltes Leben einräumt.

„Everything Dies“ versucht, Songwriterin Em Fosters Probleme auf der Suche nach diesem normalen, glücklichen und erfüllten Leben und nach Akzeptanz zu verarbeiten und ist ein flammendes Plädoyer für mehr Toleranz, Empathie und Aufgeschlossenheit in einer (noch nicht wirklich) aufgeklärten Welt, in der deutlich werden sollte, dass Geschlecht nicht ausschließlich eine Frage der Biologie ist, sondern von wesentlich mehr Faktoren bestimmt wird.

Dabei kommt der zweite Langspieler der englischen Band ganz ohne übermäßig schnelle, wütende oder aggressive Töne aus. Ganz im Gegenteil. Vieles an diesem Album ist zuckersüß. Die Melodien sind eingängig und das Songwriting extrem poppig. Die Stücke regen zum Mitwippen und Mitsingen ein. Vielleicht ist das genau der richtige Weg, um die wichtigen Themen der Platte direkt in die Ohren, Köpfe und Herzen der Zuhörerschaft zu katapultieren.

Nervus überzeugen vor allen Dingen durch die Kombination ihres Emo/Indie/Post-Punk Sounds und gutem Songwriting, das sich in einem poppigen Konglomerat zusammenfindet und aufzeigt, dass die Grenzen nicht trennscharf sind. Genau wie die Grenzen der geschlechtlichen Identität, die thematisch in den Texten abgearbeitet werden.

01. Congratulations
02. Nobody Loses
03. Sick Sad World
04. Recycled Air
05. It Follows
06. Skin
07. Medicine
08. The Way Back
09. Hold tight
10. Fall Apart

Nervus - Everything Dies (Big Scary Monsters, 09.03.2018)
4.2Gesamtwertung