Dass die Münsteraner Neorite auch schon mal Baroness gehört haben, können sie kaum leugnen. Zu deutlich sind die Parallelen. Klanglich pendelt man zwischen fetten Sludge-Sound und handfestem Rock, streift hier und dort mal dezent proggige Sphären oder prügelt sich handfest metallisch durchs Gebälk, nur um den Hörer danach mit feinen Melodien weich zu machen. Ich muss schon sagen, das hat was. Ein Plus Richtung Eigenständigkeit ist dabei unumstritten der ausschließlich klare Gesang, der so manche Melodie veredelt.

Neben der im ersten Satz genannten Referenz lugen hin und wieder auch etwas Alice In Chains hervor, wie zum Beispiel beim abschließenden „Whitewash The Black“ oder beim Refrain „In Circles“. Refrain ist ein gutes Stichwort. Denn an sich setzten Neorite nicht so sehr auf Eingängigkeit und lassen ihre Songs nicht selten vor sich hin köcheln und schlagen so manchen Haken. Konsequenz sind Spielzeiten zwischen sechs und acht Minuten und eine teils leichte Verwirrtheit beim Hörer.

An mancher Stelle kann man der Band nicht ganz folgen. Denn so manche Unentschlossenheit in Sachen Songwriting täuscht nicht darüber hinweg, dass doch noch etwas Luft nach oben herrscht, auch wenn vieles tatsächlich recht spannend klingt. Als Ganzes am ehesten das überlange „Neology Of Enlightenment“, das einmal quer durch das komplette Repertoire pflügt. Von Blast über ruhigere Abschnitte, Groove und Prog, Melodie und nette Twin-Gitarren.

Da dürfte in Zukunft noch einiges gehen bei Baro… äh, natürlich Neorite. Die großen Vorbilder kommen ja erst in ein paar Tagen um die Ecke…

 

Trackliste:
1. Aporia
2. In Circles
3. Neology Of Enlightenment
4. Emergence
5. One Breath Life
6. Whitewash The Black

 

Neorite - Temple Of The New (This Charming Man Records, 31.05.2019)
3.5Gesamtwertung