Muddersten – Triple Music (Sofa, 02.02.2024)

Ursprünglich wollte das experimentelle Muddersten 2020 nach Japan gehen, um mit dem japanischen Experimentalfilmer Aiko Nakayama ein Projekt bestehend aus Film und Musik erarbeiten. Doch das wurde dann durch Corona verhindert. Nicht verhindert wurde die Zusammenarbeit, die Herangehensweise. Denn nun erschuf Nakayama seinen Film, bestehend aus Farbspielen, die aus flüssigen Farben, die sich vermischen, entstanden. (Erinnert mich direkt an die frühen Lightshows von Pink Floyd, seinerzeit noch mit flüssiger Farbe zwischen zwei Glasscheiben und einem Diaprojektor erstellt.) Das schickte dann dem Trio zu und jenes erstellte dazu die Musik, welche nun in dem Album „Tripple Music“, zugleich das dritte der Truppe, mündete.

„Tripple Music I“ erstreckt sich über knapp 23 Minuten und fußt auf einem immer wiederkehrenden, langsamen, elektronischen Basssound, um den sich dann die experimentellen, aber hier noch melodisch repetiven Klänge ranken. Nach etwas mehr als acht sehr gefangennehmenden Minuten reißt der Bass ab und eine kurze Sequenz aus perlenden Gitarrenklängen setzt ein. Über den wiedererstarkten Bass, der jedoch nun eher pumpend daherkommt, bauen sich dann wieder viele experimentelle Sounds aus Elektronik und Instrumenten auf. Der Flow ist nun abgehakter, die sporadischen Instrumentalklänge schwanken zwischen psychedelischen und jazzigem Sound, Melodie entsteht jedoch immer nur kurz. Es folgt eine sphärische Sequenz mit verhallenden Instrumentalspuren im Hintergrund, einer elektronischen Dronespur und Effekten vom Turntable. Mit mystischer Elektronik, elektronischen Dröhnen und zwei pianoähnlichen Tönen klingt das Stück dann aus.

„Tripple Music II“ bringt es dann auf über 17 Minuten und nimmt den Faden direkt auf. Ein langsam wummernder Bass wird von elektronischen Klängen und akustischen Geräuschen sparsam umrankt und kreiert so eine mäandernde Klanglandschaft, die sich erst einmal dahinwälzt. Im Folgenden geht es wesentlich kontemporärer zu, allerdings in einer eher reduzierten Art und Weise. Die eingesetzten Klänge und Instrumente werden nie zu einer kakophonischen Wand, es bleibt immer eine eher lichte Atmosphäre, in der die Klänge sich mal zu einer Atmosphäre verbinden, dann wieder auseinanderfallen, um sich anschließend neu zu verbinden. Natürlich kann man auch schon beim ersten Teil nicht von leicht konsumierbarer Kost sprechen, doch Teil zwei setzt doch viel mehr auf Geräusch und Experiment.

Mit nur sieben Minuten ist Teil drei dann der eher kurze Abspann. Hier lässt das Trio nochmal aus allen Komponenten eine große, dunkle Atmosphäre entstehen. Die Gitarre liegt hinter den elektronischen Wabersounds und Klängen und verbreitet eine irgendwie wohlige, wenn auch grausige Atmosphäre. Um ehrlich zu sein ist das hier das stärkste Stück des Albums und davon hätte ich eher ein 20-Minuten-Stück gewünscht.

Insgesamt gibt es hier knapp 50 experimentelle Klangminuten mit viel Tiefe aber wenig Melodie. Bei geschlossenen Augen kann man sich tief in diese Klangwelten fallen lassen, aber bei falscher Stimmung wird man nur Geräusch wahrnehmen.

 

  1. Triple Music I
  2. Triple Music II
  3. Triple Music III

https://sofamusic.bandcamp.com/album/triple-music

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