Freitag ist es soweit: Yonas, Hirsch und Max Power, besser bekannt als Montreal, veröffentlichen ihr siebtes Studioalbum „Hier und heute nicht“. Das Album schrieb sich nach Ansicht der Band quasi von selbst, denn 7 von 12 Songs entstanden in einem gemeinsamen Kurzurlaub, der Rest kurzfristig im Proberaum. Eine gewisse Leichtigkeit im Songtexten ist einfach vorhanden, wenn man entsprechende Erlebnisse und Anlässe hat, die man auf Vinyl gepresst bestens verarbeiten kann. In diesem Fall geht es um das 15-jährige Jubiläum von Montreal, als auch die Nahtod-Erfahrung von Hirsch, dem in Amsterdam ein heruntergefallener Blumentopf aus dem 3. Stock nur knapp verfehlte.

Wer die ganze Story hören möchte, braucht sich eigentlich nur den Song „Hier und heute nicht“ anhören, der diesem Album den Namen gibt und vorab veröffentlicht wurde. Natürlich wurde dieses Erlebnis gekonnt ironisch textlich verarbeitet, wie man es von Montreal kennt. So erklärt sich letztlich auch das Plattencover.

Vor uns liegt musikalisch ein typisches Montreal-Album, dem man allerdings die oben erwähnte Leichtigkeit durchaus anmerkt. Mit dem Opener „Dreieck und Auge“ braucht die Platte keine lange Anlaufzeit: den bekannten Montreal-Stil mit geradlinigen Punkrock erkennt man sofort wieder. Dieser kurze und kurzweilige Song wurde ebenso vorab veröffentlicht und natürlich sollte man bei Montreal auch immer auf den Text achten. Was sich manchmal als Spaßpunk anhört, entpuppt sich bei genauem Hinhören als wortgewandte Systemkritik – klasse!

Wo wir gerade beim Thema Songtexte sind – ein weiterer toller Song auf diesem Album ist für mich „Der eine oder andere“. Bei diesem Song lernen wir durch die Kritik am Verhalten der Menschen die Gemeinsamkeit zu den Würmern – großartig und natürlich auch zutreffend!

Weitere Themen, die in tollen Songs verarbeitet werden, ist beispielsweise, wie man sich als bester Freund disqualifiziert („Schlechter bester Freund“) sowie Krankheiten im Urlaub („Malaria und Heimweh“). Ja da wünscht man sich das heimische Büro zurück!

Ein weiterer Punkt dieses Album ist jedoch die (wie immer ironische) Selbstreflexion anlässlich des Jubiläums „15 Jahre Montreal„. Da wir es hier mit gebildeten Musikern zu tun haben, ist zu erkennen, wenn man die Texte betrachtet. Mit „was wir wollten“ wird genau die Selbstfindung auf witzige Art nachträglich betrachtet („uns standen alle Türen offen, wir blieben trotzdem immer drin“). Höhepunkt des Albums ist jedoch der Schlussakkord „15 Jahre Punchline“ – die Band schenkte sich den Song einfach selbst und nahm sich selbstironisch mit diesem Song auf die Schüppe. Das natürlich nicht alleine, hier standen dann befreundete Bands und Gastmusiker von beispielsweise Sondaschule, Das Pack, Madsen und Itchy gerne zur Seite .

Das Album bietet alles, was man von Montreal kennt: eingängigen Punkrock, gekonnten Wortwitz und treffende Texte! Vielleicht sogar ihr bis dahin bestes Album. Wer Montreal schon immer gern gehört hat, wird von diesem Werk nicht enttäuscht sein.

Wir jedenfalls können diese Album bestens empfehlen und gratulieren zum 15-jährigen Jubiläum und Hirsch zum Überleben!

 

Tracklist:

  1. Dreieck und Auge
  2. Schlechter bester Freund
  3. Stockholm Syndrom
  4. Hier und Heute nicht
  5. Malaria und Heimweh
  6. Schon wieder zweiter Februar
  7. Keine weiteren Fragen
  8. Der Eine und der Andere
  9. Was wir wollten
  10. Ein Segen: Intervention
  11. Vor das Kreuz
  12. 15 Jahre Punchline

 

 

Montreal - Hier und heute nicht (Amigo Records, 16.08.2019)
4.6Gesamtwertung