Zwanzig Jahre ist es nun schon her, dass die Schotten von Mogwai mit „Young Team“ ihr Debüt ablieferten und von Anfang an deutlich machen sollten, wie eigen und unkopierbar sie sein würden. Von Album zu Album war die Band in der Lage, ihrem Klangrepertoire ein neues Element hinzuzufügen, ohne dabei die eigene Identität zu verlieren. Und Alben gab es in den letzten zwanzig Jahren wirklich einige.

Nicht etwa, dass acht bisherige Studioalben ausreichen würden, die Mannen um Stuart Braithwaite komponierten abseits davon noch Filmmusik für verschiedene, interessante Projekte. Von der Dokumentation „Zidane – A 21st Century Portrait“ über den Soundtrack für die französische Mysteryserie „Les Revenants“ bis zuletzt hin zu „Atomic“, der musikalischen Begleitung einer BBC-Dokumentation über das Atomzeitalter. Ein Output, der seinesgleichen sucht. Denn ein Mogwai-Song ist selten kürzer als fünf Minuten, häufig deutlich länger. Die gigantische Spielzeit von über drei Stunden des kürzlich erschienenen Best of Albums „Central Belters“ unterstreicht das.

Die breite Palette an Emotionen, Kompositionstechniken, Texturen und Sounds, auf die Mogwai zurückgreifen, erklärt sich durch die Tatsache, dass sie zu den Pionieren der frühen Postrockbewegung der 1990er-Jahre gehören und somit die gesamte Geschichte des Musikstils begleitet haben. Wobei man im Falle von Postrock kaum von einem fest definierten Genre und streng genommen auch nicht von einer Bewegung sprechen kann, eher von einem Stilkonglomerat. Und das war 1997 noch viel variantenreicher als das, was wir heute als Postrock kennen. Neben Mogwais „Young Team“ erschienen in diesem Jahr auch das Debüt der Kanadier von Godspeed You Black Emperor! „F#A#∞“ und das erste Album der isländischen Ikonen Sigur Rós mit Namen „Von“. Umso erfreulicher ist es, dass sämtliche Bands rund zwanzig Jahre später noch existieren und aktiv neue Musik veröffentlichen.

Es ist eine wahre Freude mit anzuhören, wie es Mogwai immer wieder schaffen, ihre Einzigartigkeit Album für Album unter Beweis zu stellen. Auch auf „Every Country’s Sun“ klingen die Glasgower wieder typisch unverwechselbar und dennoch frisch und neu. Ein Balanceakt, der mit zu den kunstvollsten Fähigkeiten einer Band gehört. Dabei wird auf Klangfarben, Kompositionstechniken und Konzepte aus der zwei Dekaden überspannenden Karriere der Band zurückgegriffen. Der neue Langspieler bietet neben den vergleichsweise zugängigen Single Auskopplungen „Coolverine“ und „Party In The Dark“, die stark an die „Mr. Beast“-Ära erinnern, auch erneut elektronische Passagen. Stücke wie „aka 47“ und die erste Hälfte von „Don’t Believe The Fife“ orientieren sich an Material der zuletzt veröffentlichten „Atomic“-Platte. Auch finden sich die verqueren, sperrigen Lo-Fi-Sounds, die wir aus der „The Hawk Is Howling“- und „Hardcore Will Never Die But You Will“-Ära kennen, wieder. Die längeren Stücke „Crossing The Road Material“ oder das bereits erwähnte „Don’t Believe The Fife“ erinnern wiederum daran, wie perfekt die Schotten das Spiel mit sich langsam aufbauenden Spannungsbögen, die sich irgendwann wie brandende Wellen entladen, beherrschen.

„Every Country’s Sun“ ist ein würdiges Album zum zwanzigjährigen Albumjubiläum von Mogwai und zugleich eine kleine Reise durch die Klangstationen, die die Band in ihrer beeindruckenden und hoffentlich noch lange andauernden Karriere durchlaufen hat.

01. Coolverine
02. Party In The Dark
03. Brain Sweeties
04. Crossing The Road Material
05. aka 47
06. 20 Size
07. 1000 Foot Face
08. Don’t Believe The Fife
09. Battered At A Scramble
10. Old Poisons
11. Every Country’s Sun

Mogwai - Every Country's Sun (Rock Action, 01.09.2017)
5.0Gesamtwertung