Festivalbericht: 12. Metalheadz Open Air (10. – 11.05.2024, Oberndorf am Lech)

Endlich ist es wieder soweit, die schwermetallische Freiluftsaison ist eröffnet! Traditionell steht der Bavarian Metalheadz e.V. mit seinem Metalheadz Open Air wieder ganz am Anfang. Seit Jahren nutzt man schon das verlängerte Wochenende nach Christi Himmelfahrt für sein zweitägiges Festival, was dieses Mal ein bisschen früher ist. Deswegen brauchte man sich aber nicht über das Wetter sorgen machen. Offensichtlich war man im nordschwäbischen Oberndorf am Lech besonders brav, denn das Wetter wurde pünktlich zum Wochenende wunderschön die Sonne lachte vom Anfang bis zum Ende. Beste Voraussetzungen also für ein zünftiges Wochenende.

Und die Besucher hatten dieses Mal anscheinend noch ein bisschen mehr Bock aus sonst. Denn das Gelände war stets gut gefüllt. Auch schon am frühen Nachmittag, wo die Bands oftmals vor spärlich besetzten Rängen auftreten müssen. Dementsprechend herrschte auf und vor der Bühne immer beste Laune, was das Wochenende besonders machte. Wobei die Stimmung auf dem Festival eh besonders ist. Fühlt man sich teilweise doch fast ein wenig wie auf einem Familientreffen. Da sind auf der einen Seite natürlich die truen Hardcore-Metal-Fans mit Kutte, aber auch eine Horde Kinder, der Opa aus dem Dorf von nebenan und die freudig aufgenommene, extra eingeladene Gruppe der Stiftung Sankt Johannes. Ein bunter Haufen, der am Ende doch gut zusammenpasst.

Auch sonst ist es die fanfreundliche Stimmung welches sich durchs ganze Wochenende zieht und die auch vor der Preisgestaltung der Verpflegung nicht Halt macht. Und da wir es hier eher mit einem Undergroundfestival zu tun haben, freut sich der Fan auch über angemessen niedrige Merchpreise, sogar bei den Headlinern. Genug Gründe als, um dem Ganzen einen Besuch abzustatten.

Aber kommen wir zum wichtigsten, zur Musik. Das Programm war trotz der tendenziell recht traditioneller Ausrichtung recht abwechslungsreich und man schaffte abermals ein Gleichgewicht zwischen internationalen Szenegrößen, zu fördernden, einheimischen Newcomern und weniger offensichtlichen Schmankerl.

 

 

Freitag, 10.05.2024

Den bunten Liederreigen eröffneten zu bester Mittagszeit DEFENDER aus dem baden-württembergischen Balingen. Mit ihrem altmodischen Stoff konnte man sich schon mal gut in Betriebstemperatur bringen und die erste Halbe in die Kehle schütten. Noch etwas besser dürfte das mit den bayerischen Thrash-Kommando BATTLECREEK gelungen sein. Die machen mit ihrer Mucke bekanntlich keine Gefangenen und haben ihr brandneues Album „Maze Of The Mind“ präsentiert. Im Anschluss sollte eigentlich ein düsteres Duo spielen, da jenes aber Probleme mit der Anreise hatte, tauschten kurzerhand MORTICIAN aus Österreich ihren Billingplatz. Mit jener Band verbinden die Veranstalter eine lange Geschichte, spielte sie bereits auf dem ersten Metalheadz Open Air und ihre Wege kreuzten sich immer wieder. Eine Art „nach Hause kommen“ also, welches gut genutzt wurde.

Körperlich anwesend konnte der Redakteur allerdings erst zu Band Nummer vier sein. Zuerst noch etwas traurig über den kurzfristigen Tausch, frönten die ebenfalls aus der Alpenrepublik stammenden PREDICTION erst einmal die Frisur nach hinten. Zwei Leute, ein satanischer Lärm zwischen alter Darkthrone-Schule und derbem Thrash. Klar, die Sonne machte es den beiden passend zur Musik düster aufgebrezelten Herren nicht gerade einfach die richtige Stimmung für den sich akustisch öffnenden Höllenschlund zu erzeugen. Gerne mitgenommen wurde das Ganze aber doch. Zwar fehlte dem Sound aus Gitarre, Schlagzeug und Screams untenrum etwas die Wucht, aber der klirrende Sound klang auf diese Weise recht authentisch. Immerhin mal ein kleiner Hinhörer, der mit einer passenden Coverversion von Celtic Frost den Deckel zumachte.

Weniger Problem mit dem Wetter hatten die in Kalifornien beheimaten WINGS OF STEEL. Denn hier passten Gemüt und Sound bestens zusammen. Als man die Band letztes Jahr gebucht wurde, hatten die Metalheadz wohl noch nicht gedacht, welchen Hype das Quintett über die Monate hinweg in der Underground-Szene hervorrufen würden. Ihr aktuelles Album „Gates Of Twilight“ wurde ordentlich gefeiert und so waren viele gespannt, ob sie es auch adäquat auf Bühne bringen konnten. Und gleich vorweg: ja, absolut! Ihr melodischer US Metal, der an große Namen wie Queensryche, Lethal oder Heir Apparent erinnert, hat was. Aber da man nicht aus dem regnerischen Seattle, sondern aus L.A. kommt, tönt man zudem ein Stück sonniger und hardrockiger – große Posen auf der Bühne inklusive. Und auch wenn die Songs nicht immer gerade gleich straight auf den Punkt kommen, wurden Wings Of Steel sehr begeistert auf aufgenommen, was sicher auch an der mitreißenden Performance lag. Mit Sänger Leo Unnermark hat man auch eine richtige Rampenaus mit an Bord, der die Mucke passend verkauft. Am Ende hat alles gepasst. Bitte wiederkommen – vielleicht auch mit ein paar flotteren Stücken mehr.

Noch mal ein musikalischer Kontrast. Weiter mit Melodie, dafür mit einer Wagenladung doomender Epik dargeboten. Die kanadischen, zum Teil in Finnland residierenden SMOULDER hatten sich angekündigt. Da war die Freude bereits im Vorfeld groß. So richti oft sieht man die Truppe, welche in den letzten beiden Jahren zwei wirklich starke Alben veröffentlicht hat, nicht. Für die stattfindende Tour hat mich sich mit dem Gatekeeper-Gitarristen Jeff Black verstärkt. Trotzdem man präsentierte sich als richtige Einheit. Blickfang und Dreh- und Angelpunkt der Show war allerdings Sarah Ann, die mit expressivem Auftreten und den ausladenden Gesten die Songs präsentierte, die sich zwischen niederschmetterndem Doom und kämpferischer Epik ansiedelten. Mucke, in die man sich richtig fallenlassen kann. Eben genau so, wie es die Frontfrau tat. Die vier Musiker dahinter bildeten auch eine echte Wand und ließen keine Lücken, so dass der Auftritt mächtig begeisterte. Noch mehr, als es die Studiovorlagen angedeuteten.

Geographisch war es von der Wahlheimat zweier Smoulder-Musiker nur ein Katzensprung zu OZ. Hier hatte es mit einer richtigen finnischen Metallegende zu tun, deren Geschichte bis in den späten 70er reicht. Von damals ist mit Schlagzeuger Pekka Mark alias Mark Ruffneck immerhin noch ein Originalmitglied dabei, welches die Fahne von Oz weiterhin oben hält. Leider blieb zwischenzeitlich der ursprüngliche Sänger Ape De Martini auf der Strecke, der aber von Vince Koivula stimmlich passend ersetzt wurde. Und so gab es eine Stunde lang knackigen Oldschool-Metal, dem man seine zeitliche Herkunft zweifellos anhört, der aber live immer noch gut funktioniert. Vor allem wenn man die ganz alten Schoten wie „Fire In The Brain“, „Gambler“, „Third Warning“ oder den „song everybody was waiting for“ (O-Ton Herr Sänger) „Turn The Cross Upside Down“ auspackte. Die Aufführung des bunt zusammengewürfelten Haufens war in Ordnung und kam auch ganz an. Eben die richtige Mucke zur richtigen Zeit. Und dank des stets übertrieben cool bis grimmig dreinschauenden Gitarristen Jussi Kangas wissen wir: der Mann von Welt trägt heute schwarzes Leder, Fliegerbrille und Langhaarperücke.

Ach herrlich, jetzt ein bisschen Heimatmusik! Wenn es eine deutsche Bands gibt, die für den echten, ursprünglichen Metal-Spirit steht und das auch immer mit viel Engagement in Zeiten durchzog, als das komplett unpopulär war, dann ist das SACRED STEEL. Und darum passen die Schwaben auch perfekt zu diesem Festival und es ist schön, dass sie nach vielen Jahren hier mal wieder vorbeischauen. Die Gesichter der Truppe haben sich zwar über die Jahre verändert, aber Drummer Mathias Straub und Frontmann Gerrit Mutz sind immer noch da und die Musik bietet genau das, für was man die Bands stets geliebt oder gehasst hat. Letzteres hatte aber an diesem schönen Abend keinen Platz und so wurden Sacred Steel mit offenen Armen empfangen. Den Faden nahmen die Musiker nur gerne auf und boten 70 Minuten lang eine ordentliche Vollbedienten. „Metal Is War“ hieß der Einstieg und man ließ es dann auch ordentlich krachen. Dazu passend immer wieder Sternenregen. Dass man keine Berührungsängste hat seine Nische auch mal mit kleinen Appetithäppchen aus dem Thrash und Death Metal zu würzen, ist kein Geheimnis und dann war es wohl auch keine so große Überraschung mehr, dass man mit „Pull The Plug“ sogar eine Coverversion von Death mit an Bord hatte. Zwischendurch wurde auch ein neues Album angekündigt, was das Fanherz höher schlagen ließ. Genauso wie die Aufführung an sich. Kleine Unzulänglichkeiten machte man mit viel Herzblut wieder wett. Metalfans auf und vor der Bühne wurden eins. Genau muss das sein!

Überrascht war man im Vorfeld, dass eine noch recht junge Band mit wenigen Veröffentlichungen in der Hinterhand den Freitag beschließen darf. Dem Hören nach ging es den Kanadiern GATEKEEPER nicht viel anders. So hatte man nicht mal ein Bühnenbanner dabei. Trotzdem ließ man sich von der Situation nicht allzu sehr beeindrucken und bot mit seinem leicht kauzigen, episch angehauchten Heavy Metal tatsächlich eine Headliner-würdige Show, was ich so nicht erwartet hatte, denn auf Platte klingt die Musik der Band immer etwas hölzern nicht ganz so mitreißend. Davon konnte an diesem Abend nicht die Rede sein, denn das Quintett spielte sich voller Energie durch sein Set. Ein großes Plus war dabei der aktuelle Sänger Tyler Anderson, der stimmlich und vor allem in Sachen Auftreten seinen Vorgänger nicht vermissen ließ. Mit seiner großen, nordamerikanischen Art brachte er die Songs super rüber und hielt das Publikum, das sich um diese Zeit normalerweise schon ziemlich ausdünnt, gut bei der Stange. Wären wir beim Fußball, könnte man sagen, Gatekeeper haben den Cup nach Hause geholt. Das war wirklich stark und damit war man eine der ganz großen Überraschungen des Wochenendes!

Randnotiz: Im Anschluss war das Glück den gemeinsam tourenden Gatekeeper und Smoulder nicht hold. Denn auf dem Weg zum nächsten Auftritt nach Oberhausen ist ihnen ihr Bus verreckt, so dass das geplante Konzert abgesagt werden musste. Sehr schade.

Samstag, 11.05.2024

Nach den gestrigen Auftritten wurde im Verpflegungszelt zur Metal-Disco noch ordentlich gefeiert und der eine oder andere hat sicher etwas tiefer in den Bierbecher geschaut. Das Kontrastprogramm folgte am nächsten Tag ab halb zehn morgens. Zur traditionellen Weißwurst und Cover-Metal von N.O.T. konnte man seine Konterhalbe inhalieren. Dazu bot man den Besuchern die Möglichkeit im Rahmen eines kleinen Flohmarkts Tonträger feilzubieten, was durchaus angenommen wurde.

Richtig los ging es zur Mittagszeit mit TYRAN, die im Oktober noch mit ihrer unterhaltsamen Debütscheibe „Tyran’s Oath“ um die Ecke kamen. SPEEDWHORE legen darauf noch eine ordentliche Schippe drauf. Was ich von ihren schwarz angehauchten Thrash Metal noch mitbekommen habe, war durchaus beachtlich und brachte das Blut der Headbanger vor der Bühne ordentlich in Wallung. Ein richtiger Weckruf.

Die Schweizer AMETHYST ließen es dagegen eine ganze Spur entspannter angehen. Mit mindestens einem Bein stand man ganz tief in den 70ern und klang mehr nach Hardrock als nach Heavy Metal. Die T-Shirt-Dichte mit dem Bandlogo war durchaus beachtlich und so hatten wohl einige auf die Newcomer gewartet, die bisher nur eine kleine EP als Tonträger vorweisen könnwn. Das hat aber wohl gereicht, um in der Szene ein bisschen Staub aufwirbeln zu können. Und das, obwohl ihr Sound ebenso komplett verstaubt klingt. Aber auch authentisch alt. Das machte schon irgendwie Laune. Da wippt der Fuß mit, wenn man sich die Sonne auf den Pelz brennen lässt. Die Performance war abgesehen von Sänger Fredric recht hüftsteif und die Songs konnten sich (kontraproduktiv) nicht wirklich festsetzen. Aber schauen wir mal, da kommt bestimmt noch was.

Nicht wirklich festsetzen konnte sich das Material der folgenden TOTAL ANNIHILATION ebenfalls nicht. Aber das war in dem Fall auch ziemlich egal. Denn im Zusammenhang mit dieser Band zählt nur ein Wort: Abriss! Eine ganz schöne Wucht, die die ebenfalls aus der Schweiz angereiste Band hier aufs Parkett legte. Ihr an Slayer und alte Sepultura erinnernder Thrash Metal war brachial ohne Ende und wurde auch dementsprechend energisch dargeboten. Hier bildeten Sound und Aufführung definitiv eine Einheit. Und wer bis hierher noch nicht schwitzte, tat es spätestens jetzt. Der Hitzepegel steigerte sich ins unermessliche. Trotzdem grinsten die Musiker recht feist, als sie ihre Mucke raushauten. Auch noch, als sich die Gesichtsfärbung Richtung knallrot wandelte. Oder war das das innere Glühen, das man erfolgreich nach außen kehrte?

Da tat ein etwas gediegener Sound im Anschluss durchaus gut. Wobei das mehr auf die Musik, als auf die darbietenden Musiker zutraf. Denn die hatten richtig Bock und man sprühte regelrecht Funken. Stilistisch ist die zum großen Teil aus Italienern bestehende Band COLTRE definitiv auf den Spuren des Sounds ihrer Wahlheimat. Die New Wave Of British Heavy Metal hat ihre Spuren hinterlassen. Coltre verstehen es aber dem alten Sound neues Leben einzuhauchen. Mit viel Spielfreude haute man seine Songs ausgelassen raus, die nicht selten etwas länger sind und mit vielen ausgelassenen Spielereien angereichert werden. Und wenn man sich voll darin fallen ließ, war das dann auch das Highlight des Auftritts. Es machte einfach Spaß den Musikern bei ihrer Arbeit zuzuschauen. Davon ließ sich das Publikum auch recht anstecken und feierte das auf und abseits der Bühne sympathische Quartett ziemlich ab, so dass dort wiederum die Augen voller Dankbarkeit glühten, auch wenn man mit zunehmender Spielzeit rechte Probleme mit der Hitze auf der Bühne hatte, auch wenn man sich das nicht anmerken ließ. Eines der Wochenend-Highlights.

Das Programm des zwölften Metalheadz Open Airs war dieses Jahr besonders kontrastreich angelegt. Nach so viel positiver Stimmung wagte man mit KARLOFF wieder den Abstieg in dunklere Spähren. Das Oldenburger Trio ist aber alles andere als eine handelsübliche Extrem-Metal-Band. In seine geradlinigen, ohne Mätzchen dargebotene Songs packt man die rostige Atmosphäre des Black Metal der zweiten Welle und lässt diese auf eine punkige Performance treffen. Das ist schlicht, aber irgendwie auch interessant. Vor allem lässt der optische Eindruck anderes erwarten. Kreischer/Gitarrist steckt optisch tief in den frühen Siebzigern mit seiner altmodischen Gitarre und dem Samtsakko. Er produziert aber die wildesten Töne. Davon war anfangs nicht nur der Rezensent verwirrt, auch das Publikum musste sich erst einmal darauf einstellen. Trotzdem ließen sich einige dieses spezielle, bewusst distanzierte Ereignis ohne Kommunikation mit dem Publikum gefallen, das aufgrund seines gleichförmig wirkenden Materials (war es jetzt nur ein einziger langer Songs oder gleich 15 nacheinander?) aber mit der Zeit etwas eintönig wurde, auch wenn man sein Ding konsequent durchzog. Das nötigt immerhin Respekt ab.

Das größte Fragezeichen rief im Vorfeld die Verpflichtung von SAVAGE GRACE hervor. Aus musikalischen Gründen durchaus ein glanzvoller Szenename, der 1985 und 1986 zwei absolute Speedmetal-Klassiker veröffentlicht hat. Doch ihr Bandboss und Gitarrist Chris Logue ist auch als äußerst zwiespältiger Charakter und übler Geschäftspartner bekannt. Zudem war die letztjährige Wiederbelebung auch nicht gerade das gelbe vom Ei. Aber doch, am Ende stand Chris Logue mit seinen vier aus allen Ecken Westeuropas rekrutierten Musikern auf der Bühne und spielte eine Stunde lang seine Songs. Und die Band an sich klang auch klasse. Also anders, als auf Platte, wie ein Kollege im Anschluss süffisant anmerkte. Gerade der griechische Sänger Tasos Lazaris tat sich mit seiner schneidenden Stimme hervor. Und auch der deutsche Gitarrist Dan Baume und der spanische Bassist Christian Blade hatten ordentlich Freude, während der Bandboss eher so teilnahmslos auf der Bühne stand, es aber doch irgendwie genoss abgefeiert zu werden. Und das natürlich vor allem für die alten Songs der ersten beiden Platten. Die Veranstalter konnte also aufatmen, das hat durchaus funktioniert und man hatte sich nicht auf den Bauch gelegt. Zwar kein so richtiges „We came, we saw, we conquered“, aber allemal ein unterhaltsamer Auftritt, der vor allem vom Gebaren der spielfreudigen Band lebte und nicht von ihrem Boss.

Was danach folgte war dann aber natürlich wieder eine sichere Bank. Man stelle irgendwo die Classic/Hard Rocker DEAD LORD auf die Bühne und Stimmung ist garantiert. Zwar schmunzelte Frontmann Hakim Krim, man würde doch beim Metalheadz keinen Sound für Metalheads bieten, aber vielleicht sind ja doch ein paar Rockfans anwesend. Aber diese Spitze verpufft recht schnell, denn der Sound der Schweden, die auch schon mal hier zu Gast waren, macht live einfach unheimlich Laune. Und woher Dead Lord ihre Inspiration speisen, war kein Geheimnis. Und zwar aus dem Land mit den vielen komisch anzuschauenden, rothaarigen Menschen (O-Ton Mr. Krim). Und so war es keine Wunder, dass man sich mit Coverversionen von Rory Gallagher („Shadow Play“) und Thin Lizzy („The Rocker“) nach der grünen Insel griff. Das wäre aber nicht notwendig gewesen, denn an sich hat man selbst genügend klasse Songs zwischen schmissigen Abgehnummern und geschmeidigem, melodiösen Stoff an Bord. Allem voran das euphorisch dargebotene „Hammer To The Heart“ als erste Zugabe. Wer sich spätestens hiervon nicht anstecken ließ, war entweder tot oder taub – oder hat einfach einen schlechten Geschmack. Und davon gab es an diesem Abend nicht besonders viele, denn mit dem Auftritt hatten Dead Lord (erwartungsgemäß) den Stimmungshöhepunkt des Wochenendes erreicht. Und das muss man erst einmal nachmachen.

Dafür würde es zum Ende nochmals richtig groß und episch. Die Schweden SORCERER hatten sich angesagt. Eine Gelegenheit, die man in diesem Rahmen nicht allzu oft hat. Und man machte auch sehr deutlich, dass man ein echter Headliner sein wollte. Zum Beispiel mit einem übergroßen, die komplette Bühne überspannenden Banner und auch in Sachen Soundcheck ließ man sich nicht hetzen. Man wollte eben nichts dem Zufall überlassen. Und das zahlte sich auch aus. Mit bestem Sound bot man ein wirkliches, eineinhalbstündiges Galaprogramm der doom-metallischen Tonkunst. Musikalisch und gesanglich in Perfektion dargeboten spielten sich Sorcerer durch zwölf Songs voller epischer Breite aus allen Schaffensperioden. Selbst das uralte „The Sorcerer“ hatte es als Rausschmeißer ins Programm geschafft, welches gut ausgeglichen zwischen getragenem Doom und garstigen Powersongs wechselte. Höhepunkte waren dabei der Titeltrack des aktuellen Albums „Reign Of The Reaper“, „The Dark Tower Of The Sorcerer“, „The Hammer Of The Sorcer“ sowie das äußerst emotionale „Lamenting Of The Innocent“. Wer da noch behauptet, Sorcerer können keine berührenden Songs schreiben, dem kann auch nicht mehr geholfen werden. Offensichtlich ließen sich dann doch viele der Anwesenden von der perfekten Headliner-Performance anstecken. Denn wo sich sonst die Reihen am Ende des Festivals schon immer recht gelichtet hatten, war dem dieses Jahr nicht wirklich so. Es wurde also eine gute Entscheidung bei der Programmwahl getroffen.

 

Ein toller Abschluss eines tollen Wochenendes, das dann auch schon wieder viel zu schnell vorbei war und man verdrückte schon fast wieder eine wehmütige Träne, als die ersten Feuerwerksraketen zum Abschied in den Himmel geschossen wurden und einem klar war, dass man jetzt wieder über ein Jahr darauf warten muss. Der Termin steht dafür natürlich schon fest. Es werden der 30. und 31. Mai sein. Ein paar Schmankerl dafür wurden bereits angekündigt: Tankard, Duel, Lucifuge, Witchtower, Thriller und Helvetets Port. Wer Karten dafür möchte, sollte sich den 1. Oktober im Kalender markieren. Dann wird das letzte Drittel der insgesamt verfügbaren 667 Tickets online unter die Leute gebracht. Der Rest wurde bereits am Wochenende verkauft.

 

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