Missiles – Weaponize Tomorrow (Svart Records, 10.05.2024)

Aufgrund des allgemeinen politischen Klimas fühlt man sich doch irgendwie in die Zeit des kalten Kriegs zurückversetzt. Da kommen die Schweden Missiles mit ihrem Debütalbum „Weaponize Tomorrow“ gerade recht. Denn auch hier beschwört man diese Zeit, bei denen die Angst vor einem Atomkrieg stets in der Luft lag, geradezu herauf.

Das beginnt mit dem Albumcover (Kontrollzentrum eines Atomkraftwerks, ein weinender Säugling mit einer AK47), geht über die Songtitel wie „Living In A Nuclear Town“ bis zum Sound der Band an sich. Herrlich analog bewegt man sich zwischen Postpunk und New Wave, impft dem Ganzen aber auch eine Portion Gothrock und Punkflair ein. Die Zutaten sind sattsam bekannt, werden hier aber charmant durchmischt.

Insgesamt ist die Musik trotz der Keyboard-Sounds relativ gitarrenlastig, der Gesang stößt nicht selten in Andrew-Eldritch-Sphären vor und unterstützt die oft triste Atmosphäre. Gerade mit „Living In A Nuclear Town“ taucht man in düstere Sphären ab. Ebenso im dramatisch-atmosphärischen Abschluss „Radio Dark“, bei dem Surfgitarren dem Sound noch andere Schattierungen hinzufügen. Für die Gothic-Disco wird hier aber auch etwas geboten. Zum Beispiel das antreibende „Deathlike Love“ oder das geradlinig eindringliche „A Circular Madness“. „Leeches“ ist dagegen fast schon richtiger Punkrock. Dass man nie vollends die Hoffnung verliert, zeigt man mit „Dead Summer Moon“, welches trotz der dunklen Stimmung mit einem freundlich wirkenden Pop-Refrain glänzt.

Am Ende ist „Weaponize Tomorrow“ mit rund einer halben Stunde ein recht kurzes, aber doch unterhaltsames Vergnügen für Leute, denen die Sisters Of Mercy, Joy Division aber auch moderne Truppen wie Grave Pleasures keine Fremdwörter sind.

 

Trackliste:
1. Weaponize Tomorrow
2. Dead Summer Moon
3. Living in a Nuclear Town
4. Deathlike Love
5. End of the Line
6. A Circular Madness
7. Leeches
8. Radio Dark

 

 

Photo-Credit: Thomas H. Johnsson

 

3.8