Pennsylvania und vor allen Dingen Philadelphia ist ein Sammelbecken für verflucht gute Bands. Die meisten davon kennen sich sogar untereinander. Hinzu kommt, dass vor Ort auch noch hervorragende Produzenten wie Will Yip tätig sind, die sich schon für so manch großartiges Album verantwortlich zeichneten (Tigers Jaw – „Charmer“, „Spin“; Citizen – „As You Please“; Pianos Become The Teeth – „Keep You“, „Wait For Love“, und viele weitere).

mewithoutYou stammen aus Philadelphia und haben nun zum zweiten Mal mit Yip zusammengearbeitet. Dass diese Zusammenarbeit schon beim ersten Mal von großem Einsatz seitens Produzent gekennzeichnet war verriet mir Frontmann Aaron Weiss bereits im Interview.

Bekannt wurde das Quintett in den 2000er-Jahren als Vertreter dessen, was man damals als ‚Post-Hardcore‘ bezeichnete, wenn man von Bands sprach, die mit einer Mischung aus Aggressivität und Melodiösität für ein gutes Jahrzehnt ein breites Publikum ansprechen konnten.

In einer Umgebung von Mitstreitern wie Emery, Thrice, Funeral for a Friend und noch vielen weiteren Bands, die auf dieser Welle mitsurften, unterschieden sich mewithoutYou schon in den 2000ern durch eine gewisse Progressivität, die frenetischen Spoken Word-Passagen von Vocalist Aaron Weiss, verquere Songstrukturen und interessante Ausflüge in verschiedene Genres, am prominentesten wohl in den starken Folk-Einflüssen auf ihrem vierten Album „It’s All Crazy!, It’s All False!, It’s All a Dream!, It’s Allright“ zu hören.

Ich hatte die Band eigentlich immer nur so halb auf dem Schirm, mich aber nie wirklich intensiv mit ihnen beschäftigt. Das sollte sich mit „Pale Horses“, ihrem Debüt für Run For Cover Records vor drei Jahren, ändern. Die Platte schlug bei mir ein wie eine Bombe und dementsprechend war ich gespannt, als die Philadelphier ihr neues Album samt neuer EP für dieses Jahr ankündigten und eine erste Single veröffentlichten.

Ich wurde nicht enttäuscht. Zum einen hat Will Yip die Band erneut hervorragend in Szene gesetzt. Die Produktion der Platte klingt ähnlich durchdacht, pointiert und hochauflösend wie schon „Pale Horses“. mewithoutYou scheinen einen Querschnitt ihrer musikalischen Historie zeichnen zu wollen. Dabei übernimmt die EP eher die ruhigeren Elemente und Folk-Einflüsse, das Album eine grundsätzlichere Mischung aus den härteren Wurzeln („Another Head For Hydra“), einigen hypnotischen, teils verträumten („Tortoises All the Way Down“), teils düsteren und bedrohlichen, shoegazigen Passagen („Julia (or, ‚Holy to the LORD‘ on the Bells of Horses)“) und allem was sich irgendwo dazwischen befindet.

Das Ausloten der verschiedenen Stile und Elemente, mit denen das Quintett in ihrer Geschichte rumexperimentiert hat, sorgt auf dem neuen Langspieler für eine recht abwechslungsreiche Achterbahnfahrt, dessen determinierte Genrefestlegung, wie eigentlich typisch für mewithoutYou, kaum möglich scheint. Und das ist gut so.

EP:
01. Bethlehem, WV
02. Winter Solstice (Alternative Version)
03. Dirty Air
04. City of the Plain
05. Existential Dread, Six Hours‘ Time
06. August 6th
07. Kristy /w the Sparkling Teeth

LP:
01. 927a.m., 7_29
02. Julia (or, ‚Holy to the LORD‘ on the Bells of Horses)
03. Another Head for Hydra
04. [dormouse sighs]
05. Winter Solstice
06. Flee, Thou Matadors!
07. Tortoises All the Way Down
08. 2,459 Miles
09. Wendy & Betsy
10. New Wine, New Skins
11. Michael, Row Your Boat Ashore
12. Break on Through (to the Other Side) [pt. Two]

 

mewithoutYou - [Untitled] LP, [untitled] EP (Big Scary Monsters, 05.10.2018)
4.8Gesamtwertung