Wenn die größte Metalband des Planeten neben Iron Maiden ein neues Album heraus bringt, zieht das natürlich einen Bohei hinter sich her, den nicht mal wir ignorieren können. Mehrere metalaffine Redakteure standen da Gewehr bei Fuß und geben nur allzu gerne ihren Senf zu „Hardwired… To Self-Destruct“ dazu. Deswegen findet ihr hier nicht ein ausführliches, sondern gleich mehrere Kurzreviews dazu auf unseren Seiten. Fünf Stühle, eine Meinung sozusagen… oder so ähnlich.

 

Marc

Die Frühwerke von Metallica zählen zweifelsfrei zu den besten Metalalben ever. Daher ist die Messlatte bei jedem Folgewerk natürlich automatisch sehr hoch. Allerdings habe ich die Hoffnung schon seit „Load/Reload“ aufgegeben, das jemals etwas wie „Master of Puppets“ wieder das Licht aus Metallicas Übungsraum erblickt.

„Hardwired… To self-destruct“ schafft diese Messlatte auch nicht, das schon mal vorab. Wobei der erste Song und gleichzeitig Titeltrack sehr gefällig aus den Boxen ballert. Toller Thrasher, sehr kurzweilig mit netten Hooks, gefällt mir gut – so kann es weitergehen. „Atlas, Rise!“ ist dann wieder nur gut/ok, weil mit 6:30 zu lang. Die Halbwertzeit der Riffs ist leider sehr kurz und die Begeisterung legt sich schnell, da die Songs zu weit ausgedehnt werden, ein Manko übrigens für die meisten Songs dieser Scheibe. Song 3 „Now that we’re dead“ ist dann nicht nur mit fast 7 Minuten viel zu lang, sondern auch einfach ideenlos zusammengeschustert, lahm und gewollt progressiven Breaks eingebaut. „Moth into the flame“ ist da etwas besser. Flott und gute Gesangslinien – guter Song. Spätestens hier geht mir aber wieder Kirk Hammett auf den Sack. Wie kann ein dermaßen ideenloser Gitarrist in der erfolgreichsten Metalband über Jahrzehnte bestehen? Ohne sein Wahwah-Pedal kommt da nix. Hetfield war schon immer der bessere Gitarrist von beiden. „Dream no more“ klingt wie eine Mischung aus dem Black-Album und der „Load“-Phase. Fängt als netter Stampfer an, verflacht dann aber ins endlos Langweilige. „Halo on fire“ ist dann balladesk/stampfend gehalten, guter Gesang, aber mit 8:15 wieder viel zu lang, nach dem halben Song hat man keinen Bock mehr.

„Confusion“ reißt auch nix vom Teller, wobei Hetfield wirklich gut singt. „ManUNkind“ und „Here comes revenge“ sind auch leider belanglos. „Am I savage“ ist dann der langweiligste Song der Platte. 6:30 Minuten langweilige Jamsession mit Stampferriffs. „Murder one“ fängt sehr gut an, geht dann leider auch wieder in den gleichen Stampf-Rhythmus wie die meisten anderen Songs – schade. „Spit out the bone“ ist wieder richtig gut. Flott, interessant und fett. Sehr guter Abschluss.

Unterm Strich zu wenig richtig gute Songs. „Stampfer“ ist bei mir jetzt das Wort des Jahres – leider aber auch gleichzusetzen mit Langeweile.

Klar ist alles fett bei Metallica produziert, aber ca. 3 Knaller auf einem Doppelalbum reichen einfach nicht aus.

 

Rainer

Ach ja, das Attribut „größte Metal Band“ der Welt wurde in den letzten Wochen in Bezug auf Metallica arg überstrapaziert. Gemessen an den Verkaufszahlen mag das wohl stimmen, schaut man sich die letzten Veröffentlichungen mal an, dann eher nicht. Mülltonnensound auf „St. Anger“, überambitioniertes Gedudel mit Lou Reed auf dem Album „Lulu“ und „Death Magnetic“ war wohl im Ansatz gut, hat sich nach ein paar Tagen als übler Langweiler entpuppt.

Vor dem Release des neuen Werkes „Hardwired… To Self-Destruct“ zeigt die Band zunächst, dass sie etwas von Marketing versteht. Ein paar knackige Songs auskoppeln und den Fans, inklusive mir, werden Nasen und Ohren langgemacht! Und jetzt ist das Ding da und die zwei CDs drehen sich seit zwei Tagen fast in Dauerrotation in der Stereoanlage.

Sound? Passt, wuchtig! Fast wie zu Zeiten des Black-Albums.
Songs? Mit ein paar Ausnahmen macht „Hardwired… To Self-Destruct“ vieles richtig.

„Hardwired“, „Atlas, Rise!“ und „Now That We’re Dead“ ist ein gutes Songtrio welches das Album eröffnet. Hetfields Anschlaghand scheint wieder locker am Handgelenk zu sitzen, die Riffs klingen nicht mehr gewollt komplex. Die Songs bleiben beim Zuhörer hängen, soweit alles richtig gemacht.

Auch Songs wie „Moth To The Flame“ oder „Spit Out The Bone“ wissen zu gefallen.
Ein paar weniger gute Songs gibt es auch. Der Lemmy-Tribut „Murder One“ ist vom Konzept her ganz witzig, leider ist der Song aber ziemlich langweilig. Auch mit dem lahmen „Am I Savage“ kann ich wenig anfangen.

Fazit: „Hardwired… To Self-Destruct“ ist ein gutes, aber kein überragendes Metallica-Album geworden.

 

Dennis

Was Metallica verstanden haben ist, dass ohne Social Media nichts läuft. In Sachen Promotion haben die vier älteren Herren auf alle Fälle abgeliefert. Was aber „Hardwired… To Self-Destruct“ angeht… Naja.

Ich könnte auf den ewigen Dingen rumreiten: „Load“/“ReLoad“ kacke, „Master Of Puppets“ das Beste usw… will ich aber gar nicht. Aber, eine Band wie Metallica muss nunmal damit leben, dass ihr Schaffen miteinander verglichen wird.
Hier und jetzt geht es um das neueste Werk und nicht um ein Werk von vor 30 Jahren.
Ich finde, „Hardwired…“ ist ein solides Album. Das beste Metallica-Album seit 25 Jahren sogar. Wenn man sich diese Zahl mal auf der Zunge zergehen lässt, Wahnsinn! Bedeutet aber leider nichts, weil die Messlatte enorm niedrig liegt.

Ich war immer Fan und bin es auch nach wie vor.
ABER, das Album ist mir, genauso wie „Death Magnetic“ viel zu glatt produziert. Wo bleibt das raue, der Druck der dich wegbläst? Ich fühle mich immer an die „…And Justice For All“ erinnert. Mit dem Unterschied, dass es heute auch noch blutleer, ohne Substanz herkommt. Die Aggressivität wirkt gekünstelt. Aber wo soll bei zigfachen Millionären auch die Wut noch herkommen? Und so traurig es ist, James Hetfield gefiel mir besoffen auch besser. Da war er nicht so pathethisch wie er es heute auf der Bühne ist.
Ich finde die Band hat in allen Belangen vielleicht nicht unbedingt nachgelassen, sie sind einfach älter geworden. Das gilt für Live wie auch für Platte.
Ihnen ist mit „Hardwired…“ ein solides und auch gutes Album gelungen. Aber für mich ist da kein Überhit drauf und auch insgesamt erscheint mir die Platte recht belanglos. Das Album wird genauso wie alles seit „Load“ in paar Jahren vergessen sein und im Regal verstauben.
Schade, dass der Mythos um eine Band sich auf die ersten vier Alben (Ich war nie ein großer „Black“-Fan, damit ging das Schiff unter) beschränkt.
Aber schön zu wissen, dass es sie noch gibt.

Zumindest stört „Hardwired… To Self-Destruct“ nicht beim Bügeln.

 

Nick

Nachdem Metallica mit „St. Anger“ in den Augen vieler Fans ganz großen Schrott abgeliefert haben, konnten sie mit „Death Magnetic“ wenigstens in Sachen Sound wieder etwas Boden gutmachen. Viele Fans warfen ihnen vor, dass sie ihre Wurzeln verraten würden, vergaßen dabei aber, dass sich eine Band auch weiterentwickeln muss. Das größte Problem ist dabei, dass die frühen Alben wie „Ride the Lightning“, „Master of Puppets“ und „…And Justice for All“ bei ihrer Veröffentlichung einfach anders klangen als alles bisher Dagewesene.

„Hardwired… To Self-destruct“ klingt in meinen Ohren allerdings auch anders. So fällt mir auf Anhieb keine Band ein, die auch nur annähernd wie Metallica klingt. Schon der Opener „Hardwired“ lässt beim Hören wahre Freude aufkommen. In freudiger Erwartung geht es dann aber schon etwas bergab. An die Power von „Hardwired“ kommt „Atlas, Rise!“ nicht so ganz ran. Was dann folgt ist bis auf „Moth Into Flame“ höchstens Mittelmaß. Da wurde der Opener definitiv zu stark gewählt.

Scheibe zwei lässt mit „Confusion“ wieder hoffen, fällt dann aber auch wieder in ein Loch. Zum einen Teil zu langsame Nummern, zum anderen Teil zu eintönig und vorhersehbar. Dadurch schlägt „Spit out the Bone“ allerdings ein wie eine Bombe. Das wiederum könnte dazu verleiten die Scheibe noch in zweites Mal durchlaufen zu lassen. Aber im Endeffekt hatte ich doch etwas mehr erwartet.

 

Mario

Verdammt, jetzt stehen wir vor einem Dilemma. Eigentlich war ja geplant konträre Meinungen zu sammeln, um dieses Album aus verschiedenen Winkeln zu beleuchten. Aber hier ist sich die Redaktion seltsam einig: irgendwie freut man sich, dass es Metallica geschafft haben zumindest ein paar lässige Metal-Nummern zu schreiben, und dass einem kein klangliches Desaster auf den Schreibtisch wurde. Aber als Ganzes fühlt man sich doch etwas gelangweilt und eine große Langzeitwirkung wird durchaus angezweifelt. Also im Endeffekt eine Art „Death Magnetic“ ohne Clipping.

Hier noch ein paar persönliche Eindrücke:
– Man darf durchaus froh sein, dass Kirk Hammett sein iPhone mit Songwriting- und Riff-Ideen verloren hat. Denn das was er hier in Sachen Soli bietet ist kreativ eher überschaubar.
– Dass man beim tuckernden „Confusion“ noch einmal auf das auf Gustav Holst zurückgreift, wie beim Intro des Diamond-Head-Covers „Am I Evil?“, lässt zumindest erstaunt aufhorchen.
– Ein Tribute an Lemmy Kilmister ist durchaus ein feiner Zug und sicher eine persönliche Sache. Aber als Song ist „Murder One“ doch reichlich langweilig geworden. Aber zumindest musikalisch kein Motörhead-Worshipping.
– James Hetfield, endlich lässt Du mal Deinen Cowboygesang wieder sein und ziehst die Silben nicht mehr schon fast lächerlich in die Länge. Das ist genauso eine positive Überraschung, wie das Schlagzeugspiel von Lars Ulrich, das doch recht passabel rüberkommt – im Studio eben.
– Viel zu viel recht unspannender Midtempostoff ohne wirklich zündenden Ideen. Der flotte Opener „Hardwired“, das doch unterhaltsame „Atlas, Rise!“ und das relativ melodisch mitreißende „Moth Into Flame“ reißen es raus. Ansonsten ziehen die beiden CDs, die auch auf eine gepasst hätten, irgendwo an einem vorbei. Das abschließende, tatsächlich thrashige „Spit Out The Bone“ reißt einen aber doch noch einmal aus der Lethargie.

Müsste man der Band ein Zeugnis dafür ausstellen, würde wohl drin stehen: Sie hatten sich bemüht. Das ist etwas zu wenig für acht Jahren Kreativpause. In dieser Zeit hat Dave Mustaine mit Megadeth vier Alben aufgenommen, von denen die meisten sogar recht gut waren. Aber das ist für Hetfield, Ulrich & Co. wohl kein Maßstab mehr.

 

Kleine Anmerkung zum Schuss:  Bei einer Diskussion in unserer Runde fiel auch mal die Bemerkung „Egal was die veröffentlichen, Hauptsache sie kommen wieder auf Tour. Genau wie bei AC/DC!“ Vielleicht sollte man es unter dieser Prämisse betrachten und das Ding gleich unter „unbesehen ins Archiv“ ablegen…

 

metallica-hardwired-to-self-destruct

Trackliste:

– CD1
1. Hardwired
2. Atlas, Rise!
3. Now That We’re Dead
4. Moth Into Flame
5. Dream No More
6. Halo on Fire

– CD2
1. Confusion
2. ManUNkind
3. Here Comes Revenge
4. Am I Savage?
5. Murder One
6. Spit Out the Bone

Metallica - Hardwired... To Self-Destruct (Vertigo/Universal Music, 18.11.2016) - Massenreview
Marc
Rainer
Nick
Dennis
Mario
3.2Gesamtwertung