Es ist gut, dass es Bands wie Mayfair gibt. Bands, die auch über Jahrzehnte ihr Ding unbeirrt durchziehen, auch ohne die Hoffnung großes Gehör finden. Der künstlerische Ausdruck und die eigene Leidenschaft sehen an erster Stelle. Eigensinnigkeit siegt über Stromlinienform. Wer es dann trotzdem schafft eine Fangruppe um sich zu versammeln, muss einfach respektiert werden und kann sich glücklich schätzen. Denn diese Leute werden einem weiter folgen und zu schätzen wissen, was ihnen geboten wird.

So ist es auch keine Wunder, dass man über das österreichische Quartett in der Underground-Szene nur lobende Worte hört. Denn hier schlummern ihre Fans. Vor allem im Metalbereich, welcher einer progressiven Herangehensweise zugetan sind. Dabei sind Mayfair schon lange keine Progressive-Metal-Band mehr. Oder waren es vielleicht auch nie. Hier gibt es keine Kraftmeier-Riffs, keine selbstverliebten Instrumentalspielereien, kein Gefrickel, keine übertriebene Gesten. Viel mehr Musik, die einen emotional packt und die gar nicht so einfach so beschreiben ist. Wenn es schon eine Schublade braucht, dann am ehesten: avantgardistischer Rock.

Freischwebende Gitarrenharmonien, psychedelische Rhythmik, dezent gothic-angehauchter Gesang mit Drama und Melancholie in der Stimme, dann aber auch wieder wilde Abgehparts. Vergleichbare Acts: Fehlanzeige! Mayfair sind ihre eigene Nische. Und in der wird seit dem neuesten Album „Frevel“ komplett deutsch gesungen, was die Band fast wie eine metallische Version von Element Of Crime klingen lässt. Und diese Entscheidung kann nur begrüßt werden. Denn damit lenkt nichts von Mario Prünsters Texten ab, die durchaus hörenswert sind und die es nicht nötig haben sich im Möchtegern-Anspruch der einheimischen Pop- und Rockszene zu baden.

Musikalisch haben Mayfair ihren Sound dieses Mal komplett herunter gebrochen und ihre Songs möglichst live im Studio ohne große Korrekturen eingespielt, was sie ziemlich direkt, manchmal aber etwas spröde wirken lässt. Die Stücke leben von den unheimlichen Grooves und dem Zweiergespann aus leidenschaftlichen, aber nicht einfachem Gesang und Gitarre. In den ersten Hördurchgängen stechen besonders „Evil Chrisin“, das ruppige „Anneliese“, das bissige „Ungetaktet“ und das psychedelische „Atme (Frevel)“ heraus. Achja, und das Fernweh erzeugende „Das Ufer hat Zeit“, mit seiner maritimen Lyrik.

„Weniger Warlord, mehr R.E.M.“ schrieb ein Kollege sinngemäß über „Frevel“. Mayfair machen anno 2019 auch keine Musik für Metalfans mehr, sondern einfach für Musikfreunde – ganz egal welchem Genre der Stromgitarrenmusik sie sonst zugewandt sind. Musik mit Tiefgang und Gefühl, frei von jeglicher Hochnäsigkeit. Spannend!

 

Trackliste:
1. Evil Christin
2. Hinter dem Leben
3. Ungetaktet
4. Himmel in Gefahr
5. Gestern und nicht heut‘
6. Hitze
7. Der Teufel
8. Atme (Frevel)
9. Annelise
10. Phosphor
11. Das Ufer hat Zeit

 

Mayfair - Frevel (Pure Steel Records, 14.06.2019)
4.5Gesamtwertung