Mit einer gewissen „Schwere“ mache ich mich an das neue Matula Album, ist uns doch die Leichtigkeit des Seins in den letzten vier Jahren wahrlich ein wenig abhandengekommen.

So lange ist es nämlich her, dass die Hamburger bzw. Kieler zuletzt mit „Auf allen Festen“ auf sich aufmerksam gemacht hatten und der eine oder andere hatte aufgrund der längeren Album-Pause schon befürchtet, dass die Jungs sich auf dem Gipfel des Erfolgs satt und ausgelaugt vom vielen Feiern vom Showbiz verabschieden würden.

Aber weit gefehlt, Matula wären nicht Matula, wenn sie sich nun darauf ausruhen würden… jetzt gilt es doch direkt den nächsten Schritt zu gehen – was ihnen mit „Schwere“ meiner Meinung nach garantiert gelingen wird.

Im durchaus positivem Sinne in die Jahre gekommen, beschäftigen sich Basti, Tobbe, Robert und Beitz auf dem neuen Album, neben sozialkritischen Ansätzen, auch besonders um die/ihre Midlife-Crisis, in welchen man sich ja jenseits der Dreißig/Vierzig irgendwann dann auch mal unausweichlich befindet – ich weiß wovon ich spreche! Hier haben die Vier gemeinsam einen musikalischen Weg gefunden, sich nicht direkt die Kugel zu geben und dem Sinn des Ganzen neues Leben einzuhauchen.

Im „Team“ treibt es einen einsam durch die verregnete und kalte Stadt – und mal ehrlich, wie sehr vermisst man heutzutage Sätze wie „Dein Platz ist hier“, oder? Man merkt schon, die Zeiten sind härter und rauer geworden… das Überleben fällt schwerer. Den „Brachland Sonnenuntergang“ hat man doch selbst schon zu Genüge erlebt und irgendwie fühlt man sich nicht selten wie ein „Verletztes Tier“!

Gesanglich fühle ich mich übrigens in viele Passagen an Deniz von Herrenmagazin erinnert – also sollte Thorben irgendwann mal keinen Bock mehr haben, aus der aktuellen Proben-Urlaubs-Vertretung könnte mehr werden 😉

Kann mir eigentlich mal jemand raus helfen, hier fühlt man sich doch ernsthaft viel zu oft wie in „Einzelhaft“ und wo bleibt die „Verhandlungsbasis“, wenn man sich im „Schützengraben“ der Liebe wieder findet – bei diesem Kampf kann es nur Verlierer geben…!

Auch wenn die „Schwere“ oft erdrückend ist, es geht immer weiter… und ganz oft hat „Der Monarch“ gar keine andere Chance, als wieder aufzustehen, die Krone zu richten und nach vorne zu sehen – im besten Fall vielleicht dann einfach mal „Den ganzen Rest vergessen“!

Nein, „Schwere“ ist trotz des Titels nicht komplett depressiv und final lebenszerstörend… man reflektiert, sucht nach Auswegen, findet Alternativen und blickt auf einen neuen Abschnitt – und darüber hinaus befinden sich Matula musikalisch auf der Höhe ihres bisherigen Schaffens.

Für mich gehört die Scheibe definitiv zu den heißen Anwärtern auf „das“ deutschsprachige Punk-Album des Jahres 2018!

Das schreit doch quasi mal wieder nach einem Live-Gig, Gelegenheit dazu gibt es nämlich zufälligerweise demnächst – denn gemeinsam mit den Kollegen/Kolleginnen von Captain Planet und Deutsche Laichen geht es dann im Oktober für Matula auf die KEIN-GRUND-ZUM-FEIERN-TOUR 2018, die im Rahmen der Feierlichkeiten zum 15jährigen Bestehen des Zeitstrafe Labels geplant ist:

08.10. Berlin – Lido
09.10. München – Hansa 39
10.10. Wien (AT) – Arena
11.10. Wiesbaden – Schlachthof
12.10. Köln – Schlachthof
13.10. Hamburg – Uebel & Gefährlich

 

Titel:
1. Team
2. Dein Platz ist hier
3. Brachland Sonnenuntergang
4. Verletztes Tier
5. Einzelhaft
6. Verhandlungsbasis
7. Schützengraben
8. Schwere
9. Der Monarch
10. Den ganzen Rest vergessen

Foto: Daniel Möhring

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Matula - Schwere (Zeitstrafe/Indigo, 24.08.2018)
5.0Gesamtwertung