Mit seinen 23 Jahren gehört Marcus King zu den gerade aufstrebenden Protagonisten der amerikanischen Musikszene. Während er mit seiner nach ihm benannten Band stark im Bluesrock mit Soul-Schlagseite á la Gov’t Mule beheimatet ist, geht er mit seinem Solodebüt ein ganzes Stück offener zu Werke.

Zur Hilfe nahm sich der Sänger und Gitarrist als Produzent Black-Keys-Mitglied Dan Auerbach. Und dieser Stempel steht bekanntlich für authentische, bodenständige Musik. Aufgenommen wurde in Nashville mit renommierten Instrumentalisten, welche früher auch schon auf Aufnahmen von Dusty Springfield, Elvis Presley und Neil Diamond zu hören waren. Da erwartet man auch keine zeitgeistige Mucke, sondern zeitlosen Sound.

Und dieser speist sich aus vielen Quellen. Von „weißen“ Versatzstücken aus Rootsrock über R&B bis Country, von „schwarzen“ Klängen von Blues bis Soul. Vor allem letzterer Stil klingt immer wieder stark durch, was sicherlich am gefühlvollen Gesang von Marcus King liegt. Dieses Mal setzt er auch mehr auf seine Stimme und stellt sein Instrument mehr ins zweite Glied. Kratzende, von Gitarrenriffs getragene Songs wie „The Well“ oder der bluesige Garagenrocker „Say You Will“ sind eher selten anzutreffen und kleine Farbtupfer im entspannten Groundsound.

Die ruhigen und melodischen bis melancholischen Momente überwiegen doch – was dem Herrn sehr gut steht. Dabei pendelt King zwischen traditionellen Songwriting-Tugenden und souligen Schmeichlermomenten. Hier locker schlendernd („Break“), dort lebendig tänzelnd („Too Much Whiskey“), dann wieder zurückhaltendend balladesk („No Pain“) – und dann gibt es auch feine Pop-Preziosen wie „Sweet Marion“, denen man sich nicht so einfach entziehen kann.

Am Ende ist „El Dorado“ eine feine Melodienfundgrube eines Musikers, der in ein paar Jahren ganz weit oben stehen sollte – ginge es in der Musikszene gerecht zu.

 

Trackliste:
1. Youg Man Dream
2. The Well
3. Wildflowers & Wind
4. One Day She’s Here
5. Sweet Mariona
6. Beautiful Stranger
7. Break
8. Say You Will
9. Turn It Up
10. Too Much Whiskey
11. Love Song
12. No Pain

 

Marcus King - El Dorado (Fantasy Records/Universal Music, 17.01.2020)
4.0Gesamtwertung