In der Corona-Zeit muss man sich ja bei Laune halten, wenn sonst schon nix geht. Könnte man zumindest im Fall des Krachduos Mantar denken. Denn die hauen mal so eben im Vorbeigehen in DIY-Manier ne knackige 24-minütige Veröffentlichung raus. Statt neuen Songs bekommt man aber was anderes zu hören. Und zwar einen Tribut an die Zeit, als Hanno und Erinc noch jung waren. Und da war der „Grunge“ (mit Absicht in Anführungsstrichen) ziemlich hip. Also, nix da Metal – volle Kanne schrägen 90er Alternative Rock bis Punk gibt es auf die Löffel!

Ganz klar, dass man sich hier nicht mit Pearl Jam oder Nirvana abgibt. Mantar mögen es schon etwas undergroundiger. Und überraschend feminin. Über die Hälfte der acht Songs wurden von weiblichen Sängerinnen bzw. Bands vorgetragen. Babes In Toyland, 7 Year Bitch oder L7 waren eben schon immer etwas schmutziger und derber als ihre männlichen Kollegen, was Kracher vom Format „The Bomb“, „Bruise Violet“ oder „Knot“ auch heute noch beweisen.

Und Mantar haben die Sounds einfach mal auf ihre Art und Weise ins Heute übertragen. Und das zum großen Teil im typischen Mantar-Sound. Noise-Elemente der Originale hat man aber etwas getilgt, wie zum Beispiel „100 %“ von Sonic Youth zeigt. Einmal schlägt man auch mal unerwartete Töne an. „Can I Run“ (im Original von L7) ist schon fast melodisch schlendernd.

Am Ende ist „Grungetown Hooligans II“ doch eine ganz nette Sache geworden. Nicht mehr, nicht weniger.

 

Trackliste:
1. The Bomb (L7)
2. Puss (The Jesus Lizard)
3. 100% (Sonic Youth)
4. Ghost Highway (Mazzy Star)
5. Can I Run (L7)
6. Bruise Violet (Babes In Toyland)
7. Who You Drivin‘ Now (Mudhoney)
8. Knot (7 Year Bitch)

 

Mantar - Grungetown Hooligans II (Mantarrecordings, 26.06.2020)
3.8Gesamtwertung